Kritik: Hauptsache ein Promi?

Zur Verleihung des „Sächsischen Dankesordens“ an Wladimir Putin

Der „Sächsische Dankesorden des SemperOpernballs“ wird jährlich in den Kategorien Sport, Kultur und Politik an herausragende Persönlichkeiten verliehen, die „gegen den Strom schwimmen“ und „unbeirrt und voller Mut“ außergewöhnliches für Sachsen geleistet haben. Die Medaille symbolisiere den „Kampf für das Gute“ – so die Veranstalter des SemperOpernballs.

Dieses Jahr wurde der Preis an den ehemals russischen Präsidenten Wladimir Putin verliehen. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der die Laudatio hielt, betonte Putins Engagement im russisch-deutschen Kulturaustausch. Unpolitischer hätte die Laudatio für einen Politiker, der einen Preis in der Kategorie Politik verliehen bekommt, kaum sein können. So stellt sich mir die Frage: Was war der wahre Grund für die Vergabe des „Sächsischen Dankesordens“ an Putin? Vielleicht war die Erlangung öffentlichen Interesses Grund genug. Putin, der von 1975 bis 1992 Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB war und dessen Aufgabe u.a. das Unterdrücken von Dissidenten, von Andersdenkenden, umfasste, erhält nun eine Medaille für das „Schwimmen gegen den Strom“. Grotesk. Auch Putins Reaktion auf die friedlichen Demonstrationen der Dresdner Bevölkerung im Dezember des Jahres 1989 deuten nicht gerade auf einen „Kampf für das Gute“ hin: Nachdem die 1989er-Demonstranten das Stasi-Gebäude gestürmt hatten und sich auf den Angriff der KGB-Villa vorbereiteten, trat Putin den Demonstranten entgegen und erklärte, dass es sich um sowjetisches Territorium handele und drohte mit Waffengewalt, während im Hintergrund ein KGB-Bediensteter seine Kalaschnikow lud. In seiner späteren Amtszeit als russischer Präsident kam Putin durch die starke Zensur russischer Presse in die Schlagzeilen.

Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ berichtet, dass sich während Putins Amtszeit die Arbeitsbedingungen von in Russland tätigen Journalisten verschlechterten. Erpressung, Zwangsarbeit und sogar in 13 Fällen Ermordung drohten Kreml-kritischen Stimmen. Ein Präsident, der „die Andersdenkenden“ verfolgt, bekommt eine Medaille für sein „Schwimmen gegen den Strom“. Lächerlich.
Stimmen der sächsischen CDU-Landtagsfraktion reagierten kritisch auf die Vergabe des „Sächsischen Dankesordens“ an Putin und sprechen sich dafür aus, die Verleihung des „Sächsischen Dankesordens“ in der Kategorie „Politik“ zu stoppen. Doch hier stellt sich mir die Frage: Gibt es im politischen Bereich keine Ideale mehr, die sich für einen solchen Titel verdient gemacht haben und für deren Ehrung mehr spricht, als – wie im Falle Putins – ein öffentliches Spektakel?