Kunsthaus Dresden will Robotron-Kantine wach küssen

Dresden - Die frühere Kantine auf dem ehemaligen Robotron-Areal im Stadtzentrum ruht derzeit im Dornröschenschlaf. Verschiedene Dresdner Initiativen kämpfen um den Erhalt des Komplexes aus den 70er Jahren.

Das Kunsthaus Dresden möchte das Gebäude zu einem offenen Kunsttempel entwickeln. Diese Vision unterstützen verschiedene Kultureinrichtungen der Landeshauptstadt. Ob der Komplex erhalten oder abgerissen wird, ist derzeit noch völlig offen. Der Entwurf stellt eine Nutzung dieses typischen Pavillonbaus der siebziger Jahre mit seiner umlaufenden Terrasse als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und Labor der Gegenwart vor. Ein richtungsweisendernachhaltiger ökologischer Umgang mit Architektur im Bestand ist ein zentrales Anliegen des vom Kunsthaus Dresden vorgestellten Konzeptes. Der zwischen 1969 und 1972 errichtete Zweckbau des Architektenkollektivs Herbert Zimmer, Peter Schramm und Siegfried Thiel bietet nahezu ideale Voraussetzungen für eine zeitgemäße Kulturarbeit an einem optimal gelegenen Standort.

© Sachsen Fernsehen

Der Bau, der ähnlich wie der Kulturpalast als einer der letzten noch verbliebenen Einzelbauten in Dresden exemplarisch für modernes Bauen in der DDR steht, ermöglicht nicht nur das Ausstellen großformatiger Kunst unter exzellenten Bedingungen, sondern soll, so das Anliegen des vorgestellten Nutzungsentwurfs, vielfache Kooperationen zwischen Kunst und Bürgerschaft ermöglichen. Wesentlicher Fokus dieser Vision für einen Bau, an dessen Entstehungsgeschichte Künstler sichtbar beteiligt waren, ist es, die Kunstgeschichte vor und nach 1989 zu versöhnen und ganz aktuelle Gegenwartskunst im Dialog mit der baubezogenen Kunst, wie sie in Dresden zwischen 1958 und 1990 vor allem um Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht entstanden ist, zu zeigen. So soll eine Dauerstellung eine Brücke zur Geschichte des Robotron-Areals und der Produktionsgenossenschaft Kunst am Bau Dresden schlagen.
Neben neuen Formen des Dialogs zwischen junger Kunst und Geschichte in einem Future Memory Lab, der Geschichte als „demokratische Beziehungsarbeit“ zeigt, soll die Robotronkantine als neuer Museumsstandort und Ort der Stadtgesellschaft Raum für die aktuellen Anliegen und Diskussionen der Bürgerschaft bieten. Zentrale Stichworte der vorgeschlagenen Nutzung lauten Raum zum Teilen und Raum für Bildung: Geschaffen werden soll in der behutsam sanierten Bausubstanz eine offene Raumstruktur, die dem interdisziplinären Charakter der vielfältigen thematischen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramme sowie Bildungsprojekte des Kunsthauses gerecht wird. Themen der Umwelt und des nachhaltigen Umgangs mit dem Verhältnis von Landschaft und Ressourcen sind seit Jahren Gegenstand auch der im Kunsthaus Dresden präsentierten zeitgenössischen Kunst. In unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Kantine des Dresdner Computerkombinats sollen künftig Künstler*innen temporäre und dauerhafte Projekte zur Kunst am Bau, exemplarische Projekte der Gartenkunst und des Urban Gardening umsetzen und damit die Anwohnerschaft an der aktiven Gestaltung des sich neu formierenden Quartiers teilhaben lassen.

Stadtenwicklung Dresden, ehemalige Robotron-Kantine, © Sachsen Fernsehen

Stadträumliche Lage

In unmittelbarer Nachbarschaft des Deutschen Hygiene-Museums und an einem familienfreundlichen wie auch in Bezug auf eine Freizeitorientierung verbesserten Standort mit seiner Lage zwischen Altstadt und Großem Garten könnte so in Synergie mit den benachbarten Kultureinrichtungen ein neuer, auf die aktive Beteiligung von Bürgerschaft und Nachbarschaft verschiedener Generationen ausgerichteter Ort der Kunst entstehen, der auch in der Zusammenarbeit mit regionalen, überregionalen und internationalen Partnern Dresden als Kulturstadt in ihrer Vielfalt sichtbar und für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich macht.

In einer stadträumlich einzigartigen Art und Weise könnte in der Dreierkonstellation von Kulturkraftwerk Mitte, Kulturpalast und einer durch zeitgenössische und historische Kunst sowie für Themen der Stadtgesellschaft genutzten Robotronkantine vor dem Hintergrund einer vorwiegend durch Barock und Historismus gelabelten Altstadt eine für Dresdner wie auch den Tourismus attraktive Achse einer Kultur der Gegenwart entstehen.
Für den Publikumsverkehr erschließt die Robotronkantine hochwertige Flächen in außerordentlich günstiger Lage und stellt einen lebendigen Verbindungspunkt zwischen dem Großen Garten, dem Dynamo-­Stadion und dem Deutschen Hygiene-­Museum einerseits, dem Neuen Rathaus und dem künftigen Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz sowie den Museen im Landhaus und dem sich anschließenden Neumarkt mit Frauenkirche, Albertinum und Kunsthochschule her.

Partner und Empfehlungsschreiben

Das reichlich bebilderte Nutzungskonzept des Kunsthauses wird von einer Vielzahl an Empfehlungsschreiben und Interessensbekundungen flankiert. So sprachen sich der Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden Matthias Flügge und die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Marion Ackermann für die Umsetzung der vorgelegten Planung aus und formulierten ihren Wunsch, die Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus am neuen Standort weiter auszubauen.

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Positive Stellungnahmen kommen auch vom neu gegründeten Kunstverein Dresden e.V., dem Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., von Memorare Pacem. Gesellschaft für Friedenskultur Dresden und dem Dresdner Geschichtsverein e.V. Auch die Architektenkammer Sachsen und der BDA Landesverband Sachsen lobten das vorgelegte Konzept. Zustimmung erhält das Konzept auch von überregionalen Kulturinstitutionen wie dem Bereich Bildende Kunst des Goethe-Instituts in München, der Bauhaus-­Universität Weimar, Fakultät Kunst und Gestaltung, dem Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen und dem Maxim Gorki Theater Berlin.