Kuratorium Stadtgestaltung – Empfehlungen

Zum Abschluss ihrer 6. Sitzung am Freitag im Rathaus Chemnitz haben sich die Mitglieder des Kuratoriums Stadtgestaltung auf folgende Empfehlungen verständigt:

TOP 1: Parkhaus Kellnberger, Fassadengestaltung
Das entstehende Parkhaus im Bereich der Innenstadt wird in Bezug auf die Lage und Nachbarbebauung als sehr wichtig eingeschätzt. Positiv wird die Funktionsunterlagerung des Gebäudes in der EG Zone mit Geschäftsnutzung gesehen. Das Kuratorium würdigt die Leistung des Architekten zu den Entwürfen der Fassadenentwicklung.

Die Variante 1 wird einstimmig als bevorzugte Lösung betrachtet. Sie greift die horizontale Formensprache des historischen Nachbargebäudes auf, wirkt aber zugleich ruhige und zurückhaltend. Die Fassadenöffnungen erlauben das Spiel mit Licht und Schatten bei Tag und bei Nacht. Zu klären bleibt, wie sich das Beleuchtungskonzept in die Gesamtgestaltung der Wallanlage einfügt. Wichtigster Diskussionspunkt ist die Materialwahl für die Fassadengestaltung. Wichtig ist den Kuratoren, dass der städtebaulich sehr dominierende 2,70 m auskragende Baukörper der Parketagen auch als Baukörper und nicht als Scheibe definiert wird. Eine transparente Fassade etwa aus Metallgeweben wird abgelehnt, da sie optisch zu durchlässig ist. Die vorgeschlagenen Materialien Stahl bzw. Aluminium und Glas wurden in dieser Kombination ebenfalls infrage gestellt. Angeraten wird, tendenziell naturnahe, nachhaltige Baustoffe wie Holz oder Naturstein zu verwenden, um den Aufenthaltswert im öffentlichen Raum zu erhöhen.

Top 2: Neues Baufeld zwischen Sparkasse und Zentralhaltestelle
Das betreffende Gebiet befindet sich derzeit in der Umlegung, außerdem hat sich bereits ein möglicher Investor positiv zu einer Baumaßnahme geäußert. Rundum wird der Stadtraum aktuell neu entwickelt und könnte durch einen zusätzlichen Baukörper noch stärker definiert werden, d.h., ein Gebäude – unabhängig von der Kubatur – könnte für den neu entstehenden Johannisplatz ein Standbein werden, während die Bebauung des gegenüberliegenden Baufeldes noch völlig offen ist.

Deshalb sollte man dieses Feld nicht ohne weitere Prüfung als Freifläche festlegen, sondern vorerst als Testfeld betrachten, auf dem die Bebauung mit kleinen, mittelgroßen und großen Massen möglich wäre, deren Form qualifiziert untersetzt werden müssen. Die Stadt sollte zeitnah ein geeignetes Verfahren entwickeln und durchführen, mit dem Varianten für die Bebauung gefunden werden. Konsenz herrscht im Kuratorium jedoch darüber, dass kein lückenloser Anschluss an das historische Sparkassengebäude denkbar ist.
Zur dritten Sitzung im Herbst rückt das Thema dann erneut auf die Tagesordnung.

TOP 2a: Gestaltung Johannisplatz
Es wird empfohlen, den entstehenden öffentlichen Raum frei zu stellen, um eine optische Durchlässigkeit zu erzielen. Störende Elemente sollten aus dem Blickfeld der Passanten entfernt werden.

TOP 3: Parkhaus Moritzstraße, Fassadengestaltung
Die Mehrheit des Kuratoriums spricht sich für die Bedeutung der Reitbahnstraße aus und bescheinigt dem Straßenzug eine positive Zukunft. Deshalb sollte dieses Baufeld an der Ecke Moritzstraße sehr behutsam betrachtet werden. Der Bau eines Parkhauses in dieser Baulücke wird von der Mehrheit des Kuratoriums grundsätzlich infrage gestellt, einige Mitglieder befürworten diese Funktion an dieser Stelle.

Wenn an den Plänen festgehalten wird, sollten folgende Auflagen erfüllt werden. Unablässig ist eine Funktionsunterlagerung im Erdgeschoss, mindestens im Bereich der Reitbahnstraße. Insgesamt müssen die Besonderheiten der Eckbebauung und die damit verbundenen städtebaulichen Funktionen stärker im Entwurf eingebunden werden.

Eine gestalterische Qualifizierung der Fassade und aller städtebaulicher Elemente ist dringend erforderlich. Auch entlang der Moritzstraße sollte im Erdgeschoss die Parkplatznutzung nicht erkennbar sein.

TOP 4: Gestaltung Theaterstraße, Brückenstraße
Es wurden sehr innovative und ambitionierte Lösungsvorschläge vorgestellt. Der Vorschlag von Herrn Bräuer und seinen Mitarbeitern zur Entwicklung der Theaterstraße harmonisiert mit den Workshop-Ergebnissen des Kuratoriums. Positiv hervorzuheben ist die Einengung der Verkehrsflächen zugunsten der Seitenbereiche sowie die Aufwertung des Straßenraumes durch raumbildende Baumpflanzungen. Auch die Nachverdichtung am Kreuzungspunkt Hartmannstraße und Theaterstraße wird gelobt. Das Kuratorium begrüßt die neue Zonierung des gesamten Straßenzuges in freiräumliche und städtebauliche Bereiche. Das Kuratorium würde sich sehr freuen, in den weiteren Qualifizierungsprozess einbezogen zu werden.

TOP 5: Gestaltung Vorplatz Schocken
Die vorgestellte Planung wird grundsätzlich begrüßt, vor allem mit Blick auf die Verringerung der Fahrspuren von zwei auf eine. Es ist lobenswert, dass eine städtische Straße an dieser Stelle und in dieser Form in Angriff genommen wird. Klärungsbedarf besteht allerdings noch bei der Frage, welche Vorteile mit der Schrägstellung der Parkplätze verbunden sind. Stattdessen wird empfohlen, die Längsparkrichtung beizubehalten und die vorhandenen Bäume in einen durchgehenden Grünstreifen zu integrieren.

Die Weiterentwicklung der Platzgestaltung vor dem Haus Schocken wird begrüßt. Die in den Boden eingelassenen Vitrinen als Gestaltungselement im öffentlichen Raum, die zugleich auf die Funktion des Archäologischen Museums hinweisen, werden trotz der eingeschränkten Praktikabilität positiv bewertet. Ebenfalls begrüßt wird die Hinführung zum Eingang des Museums durch die Bänke, die allerdings noch etwas benutzerfreundlicher gestaltet werden sollten. Außerdem muss die Verlegbarkeit der Platten im Format 60×40 cm bezogen auf die konkrete Geometrie des Platzes nachgewiesen werden. Entsprechende Pläne werden dem Kuratorium in der Mai-Sitzung vorgelegt.