Kurzarbeit in der Papierfabrik Lunzenau

Die Agentur für Arbeit hat am Donnerstag die Erwerbslosenzahlen für Chemnitz heraus gegeben.

Demnach kam dem Arbeitsmarkt im Februar vor allem eines zu Gute, das Instrument der Kurzarbeit. Durch sie konnten offenbar auch in der Region
zahlreiche Kündigungen verhindert werden. Auch in Lunzenau in der Papierfabrik wird kürzer gearbeitet, um länger durchzuhalten.

Die Lunzenauer Papier- und Pappenfabrik wurde bereits 1885 durch den Industriellen Wilhelm Vogel gegründet. Während früher Raufasertapeten gefertigt wurden, wird seit 2006 Roh-, Unterlags- und Wollfilzpappe hergestellt. In diesem Jahr übernahmen neue Gesellschafter, darunter der Leipziger Holger Reichel die Firma. Seine 34 Mitarbeiter produzieren normalerweise 24 Stunden von Montag bis Freitag im Schichtsystem.

Interview: Holger Reichel – Geschäftsführer

Neben der konjunkturellen Kurzarbeit gibt es noch zwei Sonderformen: die Saison- und die Transferkurzarbeit. Seit Jahresbeginn kann das Kurzarbeitergeld bis zu achtzehn Monate auch mit Unterbrechung bezogen werden. 

Interview:  Holger Reichel – Geschäftsführer

Nicht nur mittelständische Firmen, sondern vor allem viele kleine und ganz große Unternehmen melden Kurzarbeit an. Die Größe der Belegschaft hat keinen Einfluss auf die Entscheidung, ob Kurzarbeitergeld gezahlt werden kann. Auch Zeitarbeiter haben einen Anspruch. Um Kurzarbeitergeld erstattet zu bekommen, melden sich Firmen bei der Agentur für Arbeit.

In der Zeit von Oktober bis Dezember 2008 waren es 136 Betriebe für insgesamt 1.836 Beschäftigte. In der Arbeitsagentur werden die Chefs beraten, die Voraussetzungen abgesprochen. Der Arbeitnehmer muss dazu nicht vorbei kommen.

Interview: Michaela Barthel – Pressesprecherin Agentur für Arbeit

Meist ist das Unternehmen von einem erheblichen Arbeitsausfall betroffen, der auf wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis beruht.
Der Arbeitsausfall muss unvermeidbar sein.

Interview: Michaela Barthel- Pressesprecherin Agentur für Arbeit

Grundsätzlich beträgt konjunkturelles Kurzarbeitergeld 60 beziehungsweise bei Arbeitnehmern mit Kind 67 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts. Seitdem der Bundesrat am 20. Februar dem Konjunkturpaket II zustimmte, gibt es einige Änderungen. Zum Beispiel bezüglich der Sozialabgaben.

Interview: Michaela Barthel – Pressesprecherin Agentur für Arbeit

Dass die Arbeitgeber während der Ausfallzeiten ihre Beschäftigten qualifizieren können, ist ebenfalls neu. Die Höhe der Förderung ist abhängig von der Art der Qualifizierung, dem Personenkreis und von der Betriebsgröße.
Profitieren können Ungelernte, gering Qualifizierte oder auch Fachleute.
Sie nutzen die Ausfallzeiten in Absprache mit dem Unternehmer, um sich weiterzubilden. 

Interview:  Michaela Barthel – Pressesprecherin Agentur für Arbeit

Während der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes ist davon auszugehen, dass die Beschäftigen anschließend wieder in Vollzeit arbeiten. Das Holger Reichel bisher noch keinen seiner Angestellten entlassen musste, hat er nicht nur dem Kurzarbeitergeld zu verdanken. 

Interview: Holger Reichel – Geschäftsführer

In der Lunzenauer Papierfabrik ist es einfach die Länge der Durststrecke, die das Unternehmen überhaupt in Schieflage gebracht hat. Trotzdem ist der Geschäftsführer optimistisch. 

Interview: Holger Reichel – Geschäftsführer

Das Wirksamwerden des Konjunkturpaketes II und die damit möglich werdenden Sanierungen von öffentlichen Gebäuden und Schulen lassen auch die Bauwirtschaft hoffen. Und damit wird auch der Bedarf an notwendigen Material steigen, was wiederum zu einer verstärkten Nachfrage an den Produkten der Lunzenauer Papier- und Pappenfabrik führen könnte.

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