Leben in der Großstadt. Eine Generation sucht das (urbane) Glück

Junge Menschen wollen dort hin, wo etwas los ist. Wo das Leben pulsiert, wo es coole Jobs und noch coolere andere Leute gibt. Das ist im Prinzip nichts Neues und es überrascht deswegen auch keineswegs, wenn gerade die Großstädte als bevorzugte Ziele der jüngeren Generation benannt werden. „Schwarmstädte“ heißen die inzwischen, sie sind die wichtigsten Anziehungspunkte für die jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren. Was hoffen sie dort zu finden, außer noch mehr junge Menschen? In der Hauptsache Zufriedenheit und Lebensglück. Aber dazu müssen auch die Städte selbst ihren Beitrag leisten.

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Die junge Generation schwärmt in die Städte – und stellt diese mit ihren Wünschen vor große Herausforderungen.

Urbane Attraktivität hat viele Gesichter

In der Generation, um die es im nachfolgenden geht, wird es vermutlich nur wenige geben, die mit den „Lichtern der Großstadt“ etwas anfangen können. Dabei nimmt der Film mit Charlie Chaplin vorweg, was 80 Jahre später tatsächlich immer noch aktuell ist – junge Menschen kommen in die Großstädte, um dort ihr Glück zu finden. In den meisten Fällen wird es weniger dramatisch und turbulent zugehen als im Film, es lässt sich dennoch nicht leugnen, dass die Anziehungskraft großer Städte offenbar ungebrochen ist.

Das Phänomen Schwarmstädte

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Sie ist sogar derart präsent, dass das Phänomen gleich einen eigenen Namen erhalten hat: Schwarmstädte sind die places-to-be für die jüngere Generation. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Dass junge Menschen bevorzugt dorthin gehen, wo sie schon viele von ihresgleichen vorfinden, mag einer davon sein. Berufliche Perspektiven sind ein weiterer Grund, aber spätestens hier muss dann schon differenziert werden – nicht jede Region und jede Stadt bietet in dieser Hinsicht ähnlich gute Chancen. Abgesehen davon ist die Aussicht auf Arbeit oft genug nicht der entscheidende Faktor, der eine Stadt für junge Leute besonders attraktiv macht.

     

Bisweilen reicht schon der Ruf, der einer Stadt vorauseilt. Beispiel Berlin: In der öffentlichen Wahrnehmung wahrscheinlich die deutsche Schwarmstadt schlechthin – obwohl es eine ganze Reihe von Städten gibt, in denen die Zahl der 20- bis 34-jährigen in den letzten Jahren deutlich mehr gestiegen ist.  Trotzdem gilt die Hauptstadt als hip, als vital, als kulturelles Zentrum, als Schmiede für aufstrebende Unternehmer. Viele sind genau deswegen schon hier und ihr Vorbild wiederum zieht andere an. Wie in anderen Schwarmstädten führt das gewissermaßen zu einer Konzentration junger Leute in bestimmten Regionen.

Sieht man sich dann die demografische Verteilung auf bundesweiter Ebene an, fällt ein größer werdendes Ungleichgewicht auf. Das hat auch mit einer Umkehrung der Vorstellung vom Leben in der Vorstadt und dem Arbeiten in der Innenstadt zu tun. Gesucht wird inzwischen häufiger der umgekehrte Weg, nämlich ein Job im Umland, der trotzdem noch durch relativ entspanntes Pendeln von der nächstgelegenen Großstadt erreichbar ist. Also dort, wo vermeintlich für alle das „wahre“ Leben stattfindet.

Das Problem Schwarmstädte

Das mag für die Betreffenden ein nicht zu verachtender Vorteil sein, allerdings hat der mindestens einen Haken. Die wichtigsten Schlagwörter im Zusammenhang mit negativen Auswirkungen auf die erhöhte Zuwanderung: steigende Mietpreise und Lebenshaltungskosten, eine immer eklatanter werdende Wohnungsnot und nicht zu vergessen – die Konkurrenzsituation um Arbeitsplätze wird durch noch mehr junge Menschen an ein und demselben Ort auch nicht entspannter.

Auf dem Land hingegen herrscht Wohnungsleerstand, von einem regionalen Leerstand ganz zu schweigen, der durch den vermehrten Weggang der Leute entsteht. Strukturschwache Regionen verlieren auf diese Weise häufig noch mehr an Boden im Vergleich zu den boomenden Großstädten. Lamentieren hilft indes wenig in dieser Situation. Vielmehr gilt es, sich zielgruppenorientiert weiterzuentwickeln.

Das Streben nach Glück: Die Stadt und die Generation Y

Eine solche Entwicklung setzt voraus, das Gegenüber zu kennen, seine Beweggründe, seine Ziele, seine Wünsche. Nun ist in diesem Fall der Gegenüber keine Einzelperson, sondern inzwischen eine ganze Generation. Was wiederum nicht ganz unproblematisch ist, zeichnet sich die Generation Y doch insbesondere durch ihren Hang zur Individualität aus. Dennoch gibt es genug übergreifende Merkmale, bei denen die Städte ansetzen können.

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Es wird voller in den Städten und damit gehen unter anderem Probleme auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt einher.

Lebensziele, Lebenserwartung: Eigenständig, autonom, mit einer Portion Selbstverwirklichung

Um wen es unter dem Gruppenbegriff der Generation Y geht, wurde eingangs schon skizziert: Es ist die Generation, die die Jahrtausendwende im Teenageralter erlebte und jetzt im Alter zwischen 20 und Mitte 30 ist. Als Nachfolger der berühmten Generation X werden diese jungen Menschen gehandelt, obwohl sie sich in ihrem Anspruchsdenken deutlich voneinander unterscheiden – auch wenn das letzte Lebensziel dann für die meisten doch das (persönliche) Glück ist. Die Ausgangslage ist ebenfalls eine andere: Während die Generation der Babyboomer-Jahre feststellen musste, dass es kein permanentes Wirtschaftswunder geben kann, wie es noch die Nachkriegsgeneration kannte, steht die Generation Y hingegen vor der prinzipiell aussichtsreichen Ausgangssituation, am Arbeitsmarkt vom Fachkräftemangel profitieren zu können. 

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Hinzu kommt ein im Durchschnitt wohlbehütetes Aufwachsen, in dem es wenige materielle Sorgen gab. Das prägt das Anspruchsdenken, denn mit weniger will sich ja später auch niemand zufrieden geben. Darüber hinaus sind diese Ansprüche mit einem deutlichen Hang zum Individualismus verbunden. Der steht in vielerlei Hinsicht vor gesellschaftlichen Normen, sollte aber nicht mit blankem Egoismus verwechselt werden, im Gegenteil:

Von Individualismus und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung getrieben, präsentiert sich die Generation Y als durchaus anspruchsvoll in jeder Hinsicht.

    

  • Offenheit im Sinne des Miteinanderteilens ist eines der hervorstechendsten Merkmale der Generation Y und diese Offenheit wird als Grundlage des Mitbestimmungsrechts auch eingefordert.
  • So sehr der Individualismus im Vordergrund steht, so wichtig sind doch inzwischen wieder Gemeinschaftsformen Allerdings handelt es sich dabei nicht länger um die bekannten Institutionen wie Parteien oder Religionsgemeinschaften – im Vordergrund stehen Communities, Peer Groups und Netzwerke.
  • Allerdings: Selbst beim Anschluss an so eine Gemeinschaft hat die individuelle Wahlfreiheit weiterhin Bestand. Gruppenzugehörigkeit wird bestenfalls noch bedingt als Abgrenzungsmechanismus verstanden, wichtiger ist stattdessen die Anschlussfähigkeit an die bevorzugte Gruppe. Die beinhaltet gleichermaßen die Möglichkeit, diesen Anschluss auch wieder aufzulösen und zugleich die Notwendigkeit, der individuellen Kreativität und der Selbstverwirklichung größeren Bedeutung einzuräumen.
  • Eine Abgrenzung zu anderen Generationen ist dagegen in aller Deutlichkeit der Lebensstil der Generation Y. Obwohl Digitalisierung, technologischer Fortschritt und neue Kommunikationsformen im Grunde jeden Menschen betreffen, ist dies die erste Generation von "Digital Natives", die sich von Anfang an mit den damit verbundenen Möglichkeiten auseinandersetzt – und diese ganz selbstverständlich in ihr alltägliches Leben einflicht.
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Berufs- und Karriereziele: Vernetzung, Werte und Erfolg

Das heißt eben auch, dass die allgemeinen Wesensmerkmale der Generation Y sich vom privaten Bereich in den beruflichen übertragen lassen. Für Arbeitgeber durchaus eine Herausforderung, denn sie müssen sich den Stellenwert der individuellen Perspektive ihrer zukünftigen Mitarbeiter stets vor Augen halten. Die wollen nicht nur als Einzelperson wahr- und ernstgenommen werden, sie bringen auch ganz eigene Vorstellungen von Erfolg und Karriere mit.

Solche Typen, die möglichst schnell die Karriereleiter emporsteigen wollen und ihr soziales Prestige aus ihrer Funktion ableiten, werden sich unter den Mitgliedern der Generation Y allerhöchstens noch sehr vereinzelt finden. Weil ihnen andere Werte im Beruf wichtiger sind:

  • Dazu gehören etwa sogenannte Wir-Werte wie Partnerschaft, Familie und Freunde einerseits, aber genauso solche rund um die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit.
  • Karriere im herkömmlichen Sinn ist deshalb weniger wichtig als die Möglichkeit, kreativ zu sein, eigene Ideen umsetzen und den Arbeitsplatz (im weitesten Sinne) mitgestalten zu können.

Diese veränderte Einstellung äußert sich ebenfalls im Antrieb der jungen Generation. Reichtum und materieller Wohlstand erscheinen weniger erstrebenswert als ein Beitrag zur Verbesserung der Welt. Wobei grundsätzlich nichts gegen den Materialismus spricht, er wird nur mehr als realer Tatbestand denn als zukünftiges Ziel betrachtet.

Eine ähnliche Einstellung hat die Generation Y auch zum bereits vielzitierten Individualismus: Natürlich wird er eingefordert, aber hauptsächlich im Zusammenhang mit Selbstverwirklichung. Die zugrundeliegende Individualität jedes einzelnen Menschen hingegen ist eine fast schon nicht mehr erwähnenswerte Selbstverständlichkeit.

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Nicht schön, trotzdem häufig genug die Realität in den Städten: Wohnblöcke, dicht an dicht.

Aufhübschen für das junge Publikum: Attraktivität als Herausforderung

Die Ansprüche der jungen Leute betreffen natürlich nicht allein ihr berufliches Umfeld, sie gelten in gleicher Weise für das Umfeld, in dem sie leben. Selbst wenn ersteres der ausschlaggebende Grund für einen Umzug Richtung Stadt ist, so wird eine optimistische Arbeitsmarktsituation alleine nicht dazu beitragen können, die Stadtschwärmer langfristig – oder wenigstens längerfristig – an Ort und Stelle zu halten. Woran jeder Stadt eigentlich gelegen sein sollte, versammelt sie doch so nicht nur kreatives Potenzial, sondern auch die Chance auf einen wirtschaftlichen Aufschwung insgesamt.

Urbane Attraktivität liegt im Auge des Betrachters

Andererseits ist das Thema "urbane Attraktivität" nicht nur vor dem Hintergrund des Schwarmstadt-Phänomens recht komplex. Denn wie soll sie überhaupt – vergleichbar und einigermaßen objektiv – beurteilt werden? Welche Maßstäbe sollen da angelegt werden? Fragestellungen, die an der Universität Siegen beantwortet werden sollen, mit dem Projekt "Attraktivität von Städten und Gemeinden". Denkbar wäre die Größe einer Stadt, ihre Wirtschaftskraft, die Lage, die Verkehrsanbindungen, möglicherweise aber ebenso gut das kulturelle Angebot oder sogar die Landschaft.

Aber selbst die können in einer Bewertung bestenfalls als relativ gelten, schon alleine wegen der nicht unwahrscheinlichen unterschiedlichen Einschätzung von äußerem Betrachter und Einwohner. Berücksichtigt werden müssen daher ebenso die subjektiven Beurteilungen durch die Bewohner. Denn generell werden unterschiedliche Personengruppen unterschiedliche Schwerpunkte setzen, wenn es um die Attraktivität ihrer Stadt geht. Was für die schwärmenden jungen Leute besonders interessant ist, kann daher für die etablierten Älteren gar nicht von Belang sein. Gleichwohl sind sie von manchen Konsequenzen des Zuzugs der Jüngeren ebenso betroffen.

Wohnen in der Stadt

Wie problematisch dieser verstärkte Zuzug junger Menschen gerade in Ballungsgebieten werden kann, wurde bereits angesprochen. Die Schwierigkeit liegt dabei auf der Hand: In weitgehend bebauten Innenstadtbereichen müssen entweder sehr kreative oder sehr unpopuläre Maßnahmen herhalten, um für ausreichenden Wohnraum zu sorgen. Der gleichzeitig auch noch bezahlbar sein soll.

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Als Standortfaktor sind die Bedingungen des Wohnungsmarktes jedenfalls kaum weniger wichtig als die des Arbeitsmarktes. Im Gegenteil bedingen sich beide gegenseitig: Lebensbedingungen und die Lebenshaltungskosten müssen den Einkommensmöglichkeiten gegenübergestellt werden, die Optionen sind in dieser Hinsicht begrenzt. Entweder der Verdienst reicht aus, um den Ansprüchen an das Wohnen in der Stadt zu genügen oder genau diese Ansprüche müssen soweit heruntergeschraubt werden, dass Einkommen und Mietkosten wieder in einem vertretbaren Verhältnis stehen.

Leben in der Stadt

Zentraler Faktor – nicht nur für das Leben in der Stadt, dort aber unter besonderen Vorzeichen – für die Menschen ist die Lebensqualität. Das ist ein ähnlich weiter Begriff wie die Attraktivität von Städten und jeder wird für sich wohl eine ganz eigene Antwort auf die Frage haben, was unter „Lebensqualität“ zu verstehen sei. Genau dieser Frage ist die Bundesregierung allerdings nachgegangen – und hat dann doch einige gemeinsame Nenner finden können, wie etwa

  • Gesundheit: Hierunter fällt zum Beispiel die medizinische Versorgung (unter anderem die Verfügbarkeit von Haus- und Fachärzten) oder das Verhältnis von – subjektiv empfundener – Gesundheit und dem Einkommen. Indikatoren für den Grad der Lebensqualität sind außerdem die Lebenserwartung, die Qualität der Pflege und die gesellschaftliche Verbreitung von Fettleibigkeit.
  • Arbeit: Darunter lässt sich eine Vielzahl an Faktoren und Indikatoren zusammenfassen, dazu gehört etwa die Arbeitslosenquote, die realen Nettoeinkommen, die Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit und daran anschließend der Wunsch nach ausreichend Zeit für Familie und Beruf.

Insgesamt kommt der Regierungsbericht zur Lebensqualität in Deutschland auf zwölf wesentliche Dimensionen, die sozusagen ein gemeinsames Rahmenwerk bilden. Das sollte dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pluralität unbedingt auch ein relevanter Faktor ist: Tatsächlich ist es gerade die gesellschaftliche Offenheit, die so viele verschiedene Familien- und Lebensformen zulässt, die zu einem wesentlichen Teil das Leben in Deutschland lebenswert macht. Die Städte können in dieser Hinsicht als Kulminationspunkt betrachtet werden, denn hier kommen alle diese unterschiedlichen Lebensstile zu einem großen Ganzen zusammen.

Vielfalt der Lebensformen: Gewünschte Herausforderung

Das ist zu gleichen Teilen erfreulich wie herausfordernd. Denn es bedeutet nichts anderes als die Notwendigkeit, dieser Vielfalt begegnen zu können. Städte müssen daher in zunehmendem Maße multifunktional sein, sie müssen die Bedürfnisse vieler Personengruppen befriedigen können und darunter sind eben nicht nur junge Menschen – so sehr das die Diskussionen um die Schwarmstädte auch suggerieren mag. Vielmehr lockt deren Angebot die älteren Generationen genauso an. Nicht nur, weil die immer länger im Berufsleben stehen und ebenfalls dorthin gehen, wo sie Arbeit finden. Sondern weil sie auch immer länger mobil sind und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und wollen.

Einmal mehr könnte an dieser Stelle auf die Auswirkungen im Bereich Wohnen hingewiesen werden, wo Singlehaushalte ebenso eine Daseinsberechtigung haben wie generationsübergreifende Wohnformen – selbst wenn das nicht, wie früher üblich, mehrere Generationen einer einzigen Familie sein sollten. Ähnlich wie der Wohnungsmarkt und korrespondierend zu den vielfältigen urbanen Lebensstilen müssen alle Funktionen der Stadt ausdifferenziert werden, allen voran die Infrastruktur: Ob Einkaufsmöglichkeiten, Ärzteversorgung oder kulturelle Angebote, bei der Versorgung der Einwohner kommt es in Zukunft noch mehr auf Vielfalt an als bislang. Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und Freizeitangebot bedingen gleichzeitig eine Steigerung der Lebensqualität wie auch die Attraktivität der Stadt.

Selbstverwirklichen in der Stadt

Unabhängig von der Bedeutung, beschränkt sich Selbstverwirklichung in der Stadt nicht allein auf das Privatleben – es wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, wie eng die Verbindung von privater und beruflicher Entfaltung für die Generation Y ist. Ein wichtiger Faktor ist in dieser Hinsicht die Vereinbarkeit der beiden Bereiche – und nicht erst im Berufsleben.

Studium, Kind, Stadt – geht das?

Für viele gilt es schon während der Studienzeit, die Balance zwischen einem Abschluss und der Kindererziehung zu finden. Was in dieser Lebensphase doppelt schwer ist, weil noch dazu die Finanzen einen sehr engen Rahmen dessen vorgeben, was möglich ist. Damit der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten nicht mit dem Wunsch zur Gründung einer Familie kollidiert, erfahren junge studentische Eltern inzwischen weitreichende Hilfestellungen.

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Üblicherweise umfasst diese Hilfe Beratungen, allerdings gehen die Angebote auch weit darüber hinaus: In Berlin beteiligt sich das Land an den Betreuungskosten, die durch die Inanspruchnahme eines Kita-Platzes entstehen. Mit den Kita-Gutscheinen wird der Geldbeutel junger studierender Familien entlastet, fällig wird lediglich ein kleiner Eigenanteil. In Leipzig betreibt das Studierendenwerk sogar eigene Kitas, eine der vielen Maßnahmen, mit denen das Studieren mit Kind an der Universität Leipzig erleichtert oder gar erst ermöglicht werden soll.

Bildung als Chance für alle: Beispiel Leipzig

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Leipzig hat sich als florierende, wirtschaftsstarke Schwarmstadt etablieren können und ist so zum Vorbild für eine ganze Region geworden.

Das muss auch als Reaktion auf verschiedene Entwicklungen verstanden werden: Zum einen wird der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Zukunft auf gut ausgebildete Frauen angewiesen sein. Es gilt also, diesen die Bildungschance und damit die bestmöglichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu gewährleisten. Davon profitieren aber nicht nur junge Mütter (oder Familien im Allgemeinen), sondern die Stadt selbst. Leipzig hat sich als Wirtschaftsstandort etabliert und ist mittlerweile Heimat für eine Vielzahl unterschiedlicher Branchen geworden – von der Automobil- und Zulieferindustrie über Energie- und Umwelttechnik, den Gesundheitsbereich bis zur Logistik und weiteren Wirtschaftszweigen.

 

Damit ist die sächsische Metropole zugleich ein Paradebeispiel dafür, dass es durchaus in den Händen der Städte liegt, ihre Attraktivität für die umherschwärmenden jungen Menschen zu steigern. Gleichzeitig entwickelt Leipzig eine Strahlkraft, die sich auf eine ganze Region auswirken kann. Immerhin liegen Städte wie Halle und Magdeburg in relativer Nähe, die Anbindung an eine Großstadt, mit all ihren (vermeintlichen) Vorteilen ist somit gegeben, gleichzeitig können gerade junge Leute von den Vorteilen der „kleineren“ Städte profitieren – die Stärkung von Metropolregionen wäre somit ein denkbares Mittel, dem demografischen Ungleichgewicht, das durch die Schwarmstädte entsteht, entgegenzuwirken.

Umgestaltung der Stadt

Den Menschen einen Platz zum Leben zu bieten, heißt inzwischen auch, einen Mindeststandard hinsichtlich der Lebensqualität zu bieten. Was wiederum bedeutet, mehr als nur die Grundbedürfnisse erfüllen zu können und das nicht nur im Jetzt, sondern auch in Zukunft. Wie kann eine zukunftsfähige Stadt also aussehen, in der den bestimmenden Themen wie Vielfalt der Lebensformen oder Nachhaltigkeit Rechnung getragen wird?

Die Städte müssen grüner werden

Ein wichtiger Punkt, der bei der infrastrukturellen Planung nicht übersehen werden darf, ist die Bedeutung der Natur für die Lebensqualität, selbst im urbanen Raum. Aus diesem Grund hat daher das Bundesamt für Naturschutz erst kürzlich in Leipzig eine neue Praxisbroschüre vorgestellt. Um „Urbane grüne Infrastruktur“ geht es darin, weil sie als Grundlage für attraktive, zukunftsfähige Städte erkannt wurde.

Damit soll der Trend zur Urbanisierung mit der daraus resultierenden Versiegelung natürlicher Flächen wieder aufgebrochen werden, damit Stadtnatur und Stadtgrün wieder ihren Teil zu einem gesunden Leben beitragen können. Nachhaltige Stadtentwicklung sorgt somit auch zu einer Verbesserung des gesamten Ökosystems, in vielerlei Hinsicht: Denn Grün- und Freiflächen haben nicht allein einen ökologischen, sondern darüber hinaus einen sozialen und ästhetischen Nutzen. Die Stadt Leipzig hatte schon Anfang Mai eine eigene Freiraumstrategie vorgestellt, nach der das städtische Grün- und Gewässersystem gestaltet werden soll.

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Mit einer eigenen Freiraumstrategie soll Leipzigs Stadtgrün in Zukunft weiter ausgestaltet werden, um einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Lebensqualität zu leisten.

Knappheit macht kreativ I: Neue Wohnformen

Auf der anderen Seite gilt es selbstverständlich weiterhin, dem Problem des mangelnden Wohnraums aktiv entgegenzutreten. Neben dem (gezwungenermaßen) kreativen Umgang mit Beständen oder der Erschließung noch vorhandener Brachflächen stellt möglicherweise das genossenschaftliche Wohnen einen interessanten Lösungsansatz dar. Fraglich ist hierbei, ob der gemeinschaftliche Grundgedanke und die hybride Wohnform zwischen Mietverhältnis und Eigentum für die an sich recht mobile Generation Y in Betracht kommen. Dafür spricht beispielsweise die Aussicht, doch noch vergleichsweise kostengünstig in eine attraktive Lage ziehen zu können.

 

Mit Hilfe des genossenschaftlichen Wohnens könnte außerdem das Problem der ungleichen Altersdurchmischung abgemildert werden. Ähnliche Gedanken spielen auch bei den vielfach angestrebten Umgestaltungen von Stadtquartieren eine Rolle. Im Vordergrund stehen dabei meist Sanierungsmaßnahmen, die die Bestände erhalten und gleichzeitig verschiedene Wohnformen ermöglichen. Was wiederum die Attraktivität der Quartiere vergrößert und langfristige Belegungen wahrscheinlicher macht. Eine Win-Win-Situation für Stadt und Einwohner.

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Das alte Townhouse-Konzept erfährt in der Diskussion um knappe Flächen, knappen Wohnraum, Wohnqualität und Klimaaspekte ein Revival in moderner Form.

Knappheit macht kreativ II: Neue Bauformen

Dennoch sind besonders für junge Familien andere Bauformen notwendig. Auch die zieht es in die Städte bzw. die Innenstädte. Während es in den Randlagen vielfach noch möglich ist, das Familienleben in einem Einfamilienhaus zu gestalten, entsteht durch die Raumknappheit in den Städten eine nicht von der Hand zu weisende Problemlage. Der Wohnungsbestand ist für derartige Ansprüche kaum ausgerichtet, Wohnungen mit entsprechender Größe und Raumanzahl sind Mangelware.

Eine Alternative könnte eine neue Wohnform sein, bei der es sich prinzipiell jedoch um eine alte handelt. Die sogenannten „Townhouses“ gehören in das Stadtbild vieler niederländischer und britischer Städte. Die schmalen Stadthäuser verbinden einen geringen Flächenbedarf – oder umgekehrt formuliert: die Notwendigkeit möglichst geringer Flächennutzung – mit dem Wunsch nach hoher Wohnqualität, die sich in diesem Fall eben mehr in der vertikalen Ausdehnung (bis zu vier oder fünf Geschosse sind nicht unüblich) unterbringen lässt.

Als innerstädtische Bauform sind sie aus verschiedenen Gründen interessant, die Anlage als Reihenhäuser ermöglicht in Sachen Ökologie und Energieeffizienz gute Werte. Gleichzeitig muss nicht auf eine individuelle Gestaltung der einzelnen Häuser verzichtet werden, womit der Pluralität der Lebensstile Genüge getan wird. In Dresden wurden die Vorteile innerstädtischer Townhouses bereits vor Jahren (wieder-)entdeckt und auch bundesweit ist die Wiederbelebung dieser Bauform durchaus denkbar.

Wie die klassischen Townhouses ist auch bei anderen urbanen Bautypen eine Uminterpretation durchaus denkbar: Eigentumswohnungen in Stadtvillen und Atriumhäuser oder Maisonette-Wohnungen sind je nach Größe und Grundrissgestaltung eine Alternative zum Einfamilienhaus.

 

Städte und Schwärmer: Gemeinsam für die Zukunft

Die Generation Y stellt sich in vielerlei Hinsicht als Herausforderung dar. Für Arbeitgeber, die es mit selbstbewussten Mitarbeitern zu tun bekommen, denen ihre Selbstverwirklichung ein ernstes und ernstzunehmendes Anliegen ist. Für die Städte, die zum einen mit einer wachsenden Zahl junger Menschen klarkommen muss und zum anderen die Vielfältigkeit beachten muss, die deren ausgeprägter Individualismus mit sich bringt. Profitieren können letztlich beide Seiten voneinander, denn mit den Vertretern der Generation Y kommen zugleich die kreativen Lösungen in die Städte, die diese für ihre Zukunftsfähigkeit brauchen.