Lehramt für Grund- und Mittelschule an der TU Dresden eingestellt

Dies ist am Donnerstag bekanntgegeben worden. Dies sei eine Fehlentscheidung mit fatalen Folgen, so Eva-Maria Stange, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag. +++

Lesen Sie hier die Pressemitteilung von Dr. Eva-Maria Stange, stellvertretende Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, dazu:

„Die heute bekannt gewordene endgültige Einstellung der Lehramtsausbildung für Grundschule und Mittelschule an der TU Dresden als eine Fehlentscheidung mit fatalen Folgen für die Lehrerversorgung in den kommenden zehn Jahren. Mehr als 30 Prozent der heute in Grund- und Mittelschulen beschäftigten Lehrkräfte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand und müssen durch ca. 2.950 Grundschul- und 3.040 Mittelschullehrkräfte ersetzt werden. Bereits heute ist absehbar, dass im Jahr 2014 der akute Bedarf an beiden Schularten mit den in Leipzig und Dresden in Ausbildung befindlichen Studierenden nicht gedeckt werden kann. Rund 200 Studierende streben aktuell ein Amt als Grundschullehrer an. Selbst bei hundertprozentiger Studienerfolgsquote kann damit nicht einmal die Hälfte des Bedarfs gedeckt werden. Noch dramatischer sieht es für die Mittelschule aus, für die laut Umfrage bei den Studierenden nur ca. 20 Studierende Interesse zeigen. Benötigt werden 2014 aber 150 und in den kommenden Jahren bis zu 500 pro Jahr.

Die Entscheidung 2004 unter dem damaligen Wissenschaftsminister Dr. Rößler, die Lehramtsausbildung in Leipzig, also an einem Standort zu konzentrieren, war von Anfang an falsch und wurde von der damaligen Expertenkommission bereits zu Recht kritisiert. Für die Lehramtsausbildung ist u.a. ein breites Netz von Praktikumsschulen erforderlich. Diese sind kaum im Umkreis von nur einer Großstadt zu erreichen – ganz abgesehen von der enormen Belastung der Lehrkräfte. Der ostsächsische Raum wird damit vollkommen abgehängt.

Wenn jetzt erneut von den Lehrkräften Solidarität gegenüber den Lehramtsabsolventen abverlangt wird, kann man das nur als zynisch bezeichnen. Seit 1992 verzichten Lehrer in Sachsen auf erhebliches Einkommen und zukünftige Renten – nicht nur um die Arbeitsplätze bei rückgängigen Schülerzahlen zu sichern, sondern auch weil die Klassenstärken deutlich erhöht wurden und vor allem, weil eine hohe Flexibilität im Lehrereinsatz damit für die Schulen und für das Kultusministerium ermöglicht wurde. Die hohe Zahl der Abwanderungen der Lehramtsabsolventen bereits vor dem Referendariat in die westlichen Bundesländer ist auch der Teilzeitregelung geschuldet. Wer anderswo die Chance hat, eine 100-Prozent-Stelle zu bekommen, wird nicht in Sachsen bleiben.

Seit Jahren wird die Schulpolitik vom Finanzministerium aus gesteuert. Zahlen über den tatsächlichen Bedarf wurden den Hochschulen und der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten. Jetzt brennt die Luft und es folgt wieder ein Schnellschuss zu Lasten der Lehrkräfte und der Schulen. Die Lehramtsausbildung muss an beiden Standorten erhalten bleiben, zumindest für die kommenden fünf Jahre. Die Bundesmittel aus dem Hochschulpakt, die ab 2011 für Sachsen zum Erhalte der Studienplätze zur Verfügung stehen, könnten für einen Ausbau der notwendigen Kapazitäten genutzt werden. Die Konzentration allein auf die Uni Leipzig würde zu einer weiteren Reduzierung der Studienanfängerzahlen in diesem sensiblen Bereich führen.“

Die SPD-Landtagsfraktion hat für den 15.März 2010 eine Anhörung zu dem Thema Lehrerbedarf im Landtag beantragt.

Quelle: Pressestelle SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag

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