Lehrer legen „aktive Mittagspause“ gegen Pläne des Kultusministeriums ein

Dresden - Die Verbeamtung sorgt bei Lehrern in der Landeshauptstadt weiterhin für Unzufriedenheit. Um ihrem Unmut Nachdruck zu verleihen, nutzten Lehrkräfte an vier Dresdner Schulen diese Woche ihre Mittagspause für Proteste. So zum Beispiel am Gymnasium-Plauen und am Vitzthum Gymnasium Dresden.

Die Klammer der Proteste an den jeweiligen Schulen sind die Ablehnung der Pläne der Landesregierung, die – nach Meinung der Protestierenden – den wirklichen Problemen, insbesondere dem Mangel an Lehrerkräften, nicht gerecht werden. „Die Landesregierung hat Jahre verschlafen und hat nun Pläne vorgelegt, die zu Lasten der Gleichbehandlung von Kolleginnen und Kollegen verschiedener Altersstufen gehen, das lehnen wir ab“, meint Jentsch.
Der Protest der Lehrkräfte entzündet sich auch an der Frage der Verbeamtung. Von dieser würden nur Lehrer bis zum abgeschlossenen 42. Lebensjahr profitieren. Zudem glauben die Organisatoren nicht daran, dass der Maßnahmenkatalog der Landesregierung die Attraktivität des Lehrerberufs in Sachsen erhöhen würde, was jedoch die Voraussetzung für mehr Lehrer sein würde.

© Steve Hollasky

Auch aus den Ergebnissen einer Befragung, die der Sächsische Lehrerverband an den Schulen im Freistaat Sachsen durchgeführt hat, wird die deutliche Forderung nach einem angemessenen Ausgleich für alle Lehrkräfte erhoben, die aus Altersgründen nicht mehr verbeamtet werden können. Vierhundert Schulen (ca. 30 Prozent) übermittelten das Votum ihrer außerordentlichen Personalversammlungen an den Sächsischen Lehrerverband. Forderungen zur Weiterentwicklung des Handlungsprogramms erwarten die Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten. Nahezu alle Kollegien fordern einen „gleich hohen, angemessenen Betrag als Ausgleich zur Verbeamtung“ für tarifbeschäftigte Lehrkräfte. Für Arbeitserleichterungen plädieren 94 Prozent. In Leistungsprämien sieht über Dreiviertel der Schulen nicht das geeignete Instrument, während sich Zweidrittel für eine deutlich höhere Quote der Höhergruppierungsstellen nach Entgeltgruppe 14 ausspricht. Die Staatsregierung beabsichtigt eine höhere Eingruppierung von 20 Prozent der tarifbeschäftigten Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien, Beruflichen Schulen, Oberschulen und Förderschulen.

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Bereits in der Phase der Erarbeitung des Handlungsprogramms hatte der Sächsische Lehrerverband viele Aktivitäten unternommen, um weitergehende Verbesserungen für alle sächsischen Lehrerinnen und Lehrer zu erreichen und den politischen Entscheidungsträgern Lösungsvorschläge unterbreitet. Zur Erhöhung des Nettoeinkommens tarifbeschäftigter Lehrer hat der SLV die Übernahme der VBL-Beiträge durch den Freistaat Sachsen, eine höhere Quote von Höhergruppierungsstellen und Zulagenregelungen vorgeschlagen. Zudem müssen Arbeitserleichterungen zügig umgesetzt werden. Laut SLV-Befragung stehen bei den Lehrkräften Anrechnungen bzw. Vergütungen für Klassenleiter- und Mentorentätigkeit weit oben auf der Liste der geforderten Arbeitserleichterungen, gefolgt vom Abordnungs- und Versetzungsschutz für Ältere und Anrechnungen für die Einarbeitung in fachfremden Unterricht.

„Statt wirklichen Verbesserungen und einer deutlichen Verringerung der Arbeitsbelastung bekommen wir mit den Ideen aus dem Kultusministerium eine verstärkte Ungleichbehandlung der KollegInnen in der Bezahlung und durch Leistungsprämien, die das Risiko von Konflikten in den Kollegien ebenfalls noch einmal erhöhen“, erklärt Steve Hollasky, einer der Organisatoren der Proteste in Dresden, die unter anderem am Gymnasium Plauen und am Vitzthum Gymnasium Dresden stattgefunden haben. Das Protestformat der aktiven Mittagspause kommt ursprünglich aus anderen Branchen. Beispielsweise machen Krankenschwestern und Pfleger auf dies Weise auf Personalnot aufmerksam. „Wir glauben, dass es da Parallelen gibt“, hält Hollasky fest.

© Steve Hollasky