„Leipzig und sein Umfeld profitieren.“ – Das sind die Vorteile des Citytunnels!

Der Leipziger Citytunnel wird viel kritisiert. Mit 960 Millionen Euro viel zu teuer und eine mit knapp zehn Jahren viel zu lange Bauzeit. Auch wenn diese Argumentation durchaus richtig ist, so hat das Bauprojekt durchaus Vorteile. LF Online mit einem Lanzenbruch. +++

Wirtschaftsförderung:
So wirkt sich der Citytunnel positiv auf die Entwicklung des Schienennetzes der gesamten Region aus. Und damit ist nicht nur Leipzig und Nordsachen gemeint. Durch die Schaffung der bisher fehlenden Nord-Süd-Achse wird auch der Bahnverkehr in Sachsen-Anhalt und Thüringen davon profitieren. Nicht zuletzt wird dadurch auch der Wirtschaftsstandort Leipzig gestärkt.
Ohnehin schon eines der Logistikzentren in Deutschland wird die Messestadt durch die bessere Anbindung auf der Schiene noch weiter zu einem internationalen Drehkreuz für Güter aller Art. Denn durch den Citytunnel wird der Hauptbahnhof von einem Kopf- zu einem Durchgangsbahnhof – ein großes Plus hinsichtlich des zeitlichen – und damit auch finanziellen Aufwandes beim Transport per Zug.

Zeitersparnis:
Für den „normalen“ Leipziger scheint die Unterquerung der Innenstadt durch den Citytunnel ein sinnloses Unterfangen. Schließlich ist die vier Kilometer lange Strecke vom Haupt- zum Bayrischen Bahnhof durchaus auch bequem zu Fuß, per Fahrrad oder den bisherigen Öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Allerdings ist keine Variante davon so schnell wie der Citytunnel.
So braucht man zu Fuß für die Strecke rund 30 Minuten. Mit dem Fahrrad sind es immerhin noch 15 Minuten. Mit dem Auto (abhängig vom Verkehr) sind es auch noch mindestens neun Minuten Fahrzeit. Durch den Citytunnel wird sich die Reisezeit auf höchstens sechs Minuten belaufen. Eine Zeitersparnis, die gerade für Berufstätige, die in der Innenstadt arbeiten, ein echter Segen sein dürfte. In Verbindung mit bereits bestehendem – bzw. dann angeschlossenem Fern- und Nahverkehr werden die Fahrzeiten auf manchen Strecken um bis zu 40 Minuten verkürzt.

Tourismus:
Leipzig ist eine attraktive Stadt. Eine Stadt, die lebt und pulsiert. Das wissen auch die zahlreichen Touristen, die täglich durch die Messestadt streifen. Aus aller Herren Länder kommen sie, um die sächsische Metropole zu besuchen. Durch den Citytunnel, so viele Unternehmer aus Leipzig, wird der Standort aus touristischer Sicht noch attraktiver als bisher schon.
„Ich denke, es bringt Leipzig auch sehr viel im Tourismusbereich. Wir vom Hotel- und Gaststättenverband unterstützen das auch. Das wird ein richtig schöner Magnet und Anziehungspunkt. Der Tunnel wird die Stadt aufwerten.“, so Holm Retsch vom DEHOGA in Leipzig.

Vorbildwirkung München:
Eines ist klar: Angesichts der Investitionshöhe von 960 Millionen Euro ist der Leipziger Citytunnel dazu verdammt, sich zu rentieren. Anders ist ein der derartige Summe, gepaart mit einer zehnjährigen Bauzeit nicht zu rechtfertigen. Dass es durchaus funktionieren kann, zeigt die Stadt München. Dort hatte man bereits in den 60ern im Vorfeld der Olympischen Spiele eine Tunnelverbindung gebaut, die im Vorfeld ähnlich heftig diskutiert wurde. Sinnlos und zu teuer, hieß es damals. Nach den Spielen würde kein Mensch diese Verbindung nutzen.
Mittlerweile ist die Strecke derartig stark frequentiert, dass sich die Bauherren heute ärgern, damals eine nur zweigleisige Tunnelanlage gebaut zu haben. Die als „erste Stammstrecke“ bezeichnete Durchfahrt, bekommt nun bald eine zweite zur Entlastung, die nördlich der ersten Tunnelstrecke verlaufen soll. Die Verträge dazu wurden im Juni 2012 unterzeichnet, Fertigstellung ist 2019 – mit sieben Jahren eine fast so lange wie die Bauzeit am Citytunnel. Kritik an diesem Vorhaben gibt es angesichts des gut funktionierenden Nahverkehrs in München nicht mehr.

Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) sieht den Citytunnel in Leipzig ebenfalls als sehr langfristige Investition: „Man baut ein Großprojekt im Bereich der Infrastruktur nicht für ein paar Jahre. Das ist ein Projekt, wo man in Kategorien von hundert Jahren denken muss. Wenn man sich das anschaut, dann bin ich mir sicher, dass man sich in Leipzig bereits in wenigen Jahren gar nicht mehr vorstellen kann, wie der S-Bahn-Verkehr in Leipzig ohne City-Tunnel überhaupt funktionieren konnte.“