Leipziger Buchmesse 2019 – Neuer Besucherrekord!

Im letzten Jahr sorgte ein plötzlicher Wintereinbruch für Schneechaos und verlieh der Leipziger Buchmesse einen winterlichen Beigeschmack. 2019 sah es ganz anders aus. Die Sonne sorgte mit ihrer Wärme für frühlingshafte Temperaturen. Das lockte mehr Besucher als vergangenes Jahr auf die Messe. Insgesamt waren es 286.000 – ein neuer Rekord.

Hunderte Autorinnen und Autoren präsentierten auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse ihre Bücher. Darunter befanden sich der britische Bestseller-Autor Simon Beckett, Krimi-Autor Sebastian Fitzek, Köchin Sarah Wiener und die Gewinnerin des Preises der Messe, Anke Stelling. Viel Aufmerksamkeit konnte der Musiker und Neu-Schriftsteller Bela B. Felsenheimer mit seinem Roman „Scharnow“ sein Eigen nennen.

Wer dem Trubel etwas entkommen wollte, fand „Zuflucht“ am Gemeinschafsstand der Kleinverlage. Lokale Autorinnen aus Leipzig präsentierten gemeinsam ihre Werke dem Publikum. Dabei war die Genrevielfalt gut aufgestellt. Unter anderem gab es Kinderbücher von Kristin Franke zu entdecken, die insgesamt elf ihrer Titel ausstellte – inklusive des neuesten Buches „Linus im Frühling“. Interessierte Besucher kamen so in den Genuss von „Literatur von Nebenan“ und stießen auf unerwartetes Terrain.

Ein viel diskutiertes Thema auf der Messe war auch die Pleite des Buchzwischenhändlers KNV. Der Insolvenzverwalter Tobias Wahl konnte in Leipzig zwar keine eindeutige Entwarnung geben, machte aber mit leichtem Optimismus Hoffnung auf einen guten Ausgang des Verfahrens.

Deutschland 30 Jahre danach

Ein großer Themenkomplex der diesjährigen Messe war „Deutschland 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution 1989.“ Passend dazu fragte Frank Richter in seinem neuen Buch rhetorisch: „Gehört Sachsen noch zu Deutschland?“. Der ehemalige Chef der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen thematisiert darin die neuen Rechte, die besonders stark in Sachsen hervorstechen. Nach der Analyse des Autors liegt der Grund unter anderem am sächsischen Bildungssystem.

Schriftsteller Ingo Schulze pflegte am Sonntag auf der Messe eine forschere Gangart und forderte eine Diskussion über das Grundgesetz ein. „Da könnte es beispielsweise um ein Recht auf Wohnen gehen. Oder um ein Recht auf Arbeit“, so Schulze. Seine Gedanken und Vorstellungen hat er gemeinsam mit Holk Freytag im Buch „Gespaltenes Land“ niedergeschrieben.

Der Autor Frank Biess, nominiert für den Sachbuch-Preis der Buchmesse mit seinem Titel „Republik der Angst“, beschäftigt sich für seine Analyse der deutschen Gesellschaft mit der tieferliegenden Vergangenheit. Er skizziert die Bundesrepublik als ein Land, dessen Geschichte seiner Ansicht nach von kollektiven Ängsten beherrscht wird.

Bei einer Diskussion zum Jubiläum „30 Jahre Friedliche Revolution“ verbanden der tschechische Schriftsteller Jaroslav Rudiš, die ungarische Lyrikerin Kinga Tóth und der polnische Journalist Michal Sutowski ihre persönlichen Erinnerungen mit Erwartungen an die Zukunft Europas. Aus ihrer Sicht ist das europäische Gemeinschaftsgefühl in der heutigen Zeit nicht genug ausgeprägt.

Gastland Tschechien voller Hoffnung

Begeisterte Autorinnen und Autoren, eine immer gut besuchte Lesearena und generell großes Interesse am Gastlandauftritt – für Tschechien hat sich die diesjährige Buchmesse in Leipzig gelohnt. Projektkoordinator Martin Karfl hofft nun auf einen nachhaltigen Effekt für die Literatur des osteuropäischen Staates.

Die Wendejahre ab 1989 spielten auch beim Auftritt Tschechiens in Leipzig eine Rolle und zogen sich wie ein roter Faden durch viele Veranstaltungen der diesjährigen Messe. Gleiches galt ebenso für die Themen Leseförderung und die Krise auf dem Buchmarkt.

Programmvielfalt: Jungautoren, Newcomer & Lokalmatadoren

Neben dem Angebot für Besucher fanden aber auch Autoren selbst ein vielfältiges Programm vor. Ob Fachbeiträge zum erfolgreichen digitalen Publizieren, Informationen rund um den korrekten Verlagsvertrag bis hin zu einem gut aufbereiteten Exposé erhielten angehende Autoren das richtige Handwerkszeug, um in ihrer Branche die Weichen zu stellen.