Leipziger Buchmesse informiert über Analphabetismus

7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können laut der Studie Leo.Level-One aus dem Jahr 2011 nicht richtig lesen und schreiben. In Sachsen sind rund 200.000 Menschen betroffen. +++

Diese so genannten „funktionalen Analphabeten“ beherrschen das Lesen und Schreiben nicht gut genug, um ganz alltägliche Situationen zu meistern. Sie können beispielsweise Fahrpläne, Behördenpost oder Aufklärungsbögen beim Arzt nicht verstehen. Undenkbar für sie, gleich im Amt ein Formular auszufüllen oder auf einen Elternbrief aus der Schule zu antworten. Oft stolpern die Betroffenen zudem über Fallstricke im Alltag, z.B. bei Verträgen oder Produktaufschriften, mit zum Teil weitreichenden Folgen.

Nicht lesen und schreiben zu können ist ein Thema, das in der Bevölkerung häufig mit Unwissen und Scham besetzt ist. Daher wenden die Betroffenen sehr viel Energie und Einfallsreichtum dafür auf, dass ihre Schwäche geheim bleibt. Sie trauen sich nicht, über ihre Lese- und Schreibprobleme zu sprechen und bleiben mit ihren Nöten und Ängsten oft allein. Dieses Tabu wird auf der Leipziger Buchmesse gebrochen. Die Koordinierungsstelle Alphabetisierung (koalpha) ist auch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. als Aussteller vertreten. Sie präsentieren Erkenntnisse zu Entstehung und Ausmaß von Analphabetismus und informieren über Hilfs- und Beratungsangebote sowie Unterrichtsmaterialien. Neben der multimedialen Ausstellung „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“, mit Videos, O-Tönen und leicht lesbaren Texten, werden auch die Betroffenen selbst zu Wort kommen. Einige sächsische Lernergruppen haben bereits den Besuch am Stand angekündigt, um mit Lernern anderer Bundesländer und auch den Messebesuchern ins Gespräch zu kommen.

Der Stand kann vom 14. bis 17. März 2013 täglich von 10 bis 18 Uhr in der Glashalle im Erdgeschoss (Stand 06) besucht werden. In Sachsen ist koalpha seit 2010 Anlauf- und Beratungsstelle zum Thema funktionaler Analphabetismus. Die Mitarbeiterinnen beraten betroffene Menschen, deren Familien- und Freundeskreis sowie Multiplikatoren zu Lernangeboten im regionalen Umfeld und unterstützen eine entsprechende Vermittlung in die vorhandenen Kurse. „Es ist nie zu spät, das Lesen zu lernen. Ziel muss es sein, die Zahl der Analphabeten zu verringern und damit die Lebensqualität und Beschäftigungschancen der Betroffenen spürbar zu verbessern“ erklärte Kultusministerin Brunhild Kurth.

Um die Hemmschwellen bei den Betroffenen zu überwinden und die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, stünden in Sachsen Beratungsstellen zur Verfügung. „Wir hoffen, dass dadurch mehr Betroffene den Mut aufbringen, die vorhandenen Hilfsmöglichkeiten anzunehmen. Das Überwinden ihrer Lese- und Schreibschwierigkeiten kann ihnen stärkeres Selbstvertrauen geben sowie Unabhängigkeit in vielen Lebensbereichen ermögli-chen“, so Kurth. Sicher Lesen und Schreiben zu können, sei die Grundlage für jede weitere Bildung und für gesellschaftliche Teilhabe. Neben den Angeboten an den Volkshochschulen und anderen anerkannten Weiterbildungseinrichtungen, die über die Weiterbildungsförderungsverordnung finanziell unterstützt werden, gibt es im Freistaat Sachsen seit vielen Jahren durch die EU und das Land geförderte Alphabetisierungskurse.

Durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Land werden in der Förderperiode 2007-2013 für den Vorhabensbereich „Alphabetisierung funktionaler Analphabeten“ Fördermittel i. H. v. insgesamt rund 14,8 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Neben Alphabetisierungskursen mit sozialpädagogischer Betreuung zum Erlernen alltagstauglicher Lese- und Schreibfähigkeiten wird die Koordinierungsstelle koalpha finanziert. Seit 2007 bis Ende Februar 2013 wurden 188 Alphabetisierungsmaßnahmen im Umfang von ca. 13,2 Mio. Euro bewilligt. Insgesamt haben über 1350 Menschen im Freistaat eine Maßnahme abgeschlossen. Derzeit lernen 575 Teilnehmer in laufenden ESF-geförderten Alphabetisierungskursen.

Quelle: Sächsisches Staatsministerium für Kultus

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