Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

Ian Kershaw und Timothy Snyder erhalten am 14. März im Gewandhaus den Leipziger Buchpreis für europäische Verständigung. Mit ihren Werken ermöglichen sie dem Leser ein tieferes Verständnis für Europas Schreckensgeschichte. +++

Kershaws »Das Ende. Kampf bis in den Untergang. NS-Deutschland 1944/45« und Snyders »Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin« ergänzen sich perfekt. Beide gehen den jüngsten Studien zum Zweiten Weltkrieg mit unterschiedlichen Fragestellungen an.

Kershaw findet neue Antworten auf die Frage, warum die militärisch bereits besiegten Deutschen noch fast ein Jahr lang weiterkämpften und bis zur totalen Verwüstung des Landes durchhielten. Anhand zahlloser einleuchtender Beispiele legt er eine Fülle unterschiedlicher Ursachen für die Selbstzerstörung der Deutschen dar.

In seinem erschienen Buch »Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin« verbindet Timothy Snyder genau recherchierte Daten über das deutsche und sowjetische Morden in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Erinnerung an individuelles Leid. Er erweitert unsere Vorstellung vom industrialisierten Massenmord, indem er Hunger und Terror als Todesursache für mehr als die Hälfte der Opfer in den Blick rückt. Dabei entgeht »Bloodlands« jederzeit der Gefahr des Abstumpfens: Hinter den unvorstellbaren Zahlen hält Timothy Snyder die Menschen und ihre einzelnen Schicksale stets sichtbar.

Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, seit 1994 jährlich vergeben und mit 15.000 € dotiert, zählt zu den wichtigen Literaturauszeichnungen in Deutschland. Das Preiskuratorium bilden der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. und die Leipziger Messe.