Leipziger FDP fordert 665 Kitaplätze statt 665 Meter Kanal

Zum heute vollzogenen Baustart der 665 Meter langen Anbindung des Karl-Heine-Kanals an den Lindenauer Hafen geht die Leipziger Stadtratsfraktion der Liberalen auf Konfrontation zu OBM Burkhard Jung. +++

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Leipziger Stadtrat René Hobusch erklärte: „Der heute erfolgte Baustart von 665 Metern Kanal ist eine neuerliche Absage des Oberbürgermeisters an mindestens 665 neue Kitaplätze“, so der FDP-Stadtrat mit Verweis auf eine Erhebung der Universität Köln im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Danach koste ein neuer Platz im Bereich der Kindertagesbetreuung im Freistaat Sachsen durchschnittlich 5.860 Euro. „Mit Blick auf die städtischen Eigenmittel von rund 3,8 Millionen hätten daher etwa 665 Kitaplätze neu geschaffen werden können. Das ist für jeden Kanalmeter ein Platz – und dabei sind Fördermittel noch nicht berücksichtigt.“

„Alternativ könnten 9 bis 10 Schulen komplett mit neuen Fenstern ausgestattet werden.“ Kostenschätzung der Elternvertreter des Max-Klinger-Gymnasiums hatten ergeben, dass der Austausch aller 440 Schulfenster an ihrer Schule in Grünau rund 400.000 Euro kosten würde. „Darauf warten Schüler, Eltern und Lehrer jedoch seit Jahren vergebens. Stattdessen wird fast vor ihrer Haustür jetzt ein Kanal und ein Premium-Wohnquartier mit voraussichtlichen Nettokaltmieten von 8 Euro pro Quadratmeter aufwärts gebaut.“ Entsprechende Preise nannte die Immobilienwirtschaft in einem Workshop der Stadt als Minimum für die Wirtschaftlichkeit. „Ich halte das für die falsche Prioritätensetzung im Umgang mit Steuergeldern“, so der Liberale abschließend.