Leipziger Forscher entdecken Alkoholismus-Gen: Therapie mit Medikamenten möglich

Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Berliner Leibniz-Instituts konnten in Experimenten nachweisen, dass eine genetische Veranlagung bei Menschen gerade unter Stress zu massivem Alkoholkonsum führt. +++

Wie aus einer Veröffentlichung im Fachjournal PLOS ONE hervorgeht, haben die Forscher Mäuse gezüchtet, denen das Gen für das Enzym Neprilysin fehlt. Die Forscher konnten bereits zeigen, dass es eine wichtige Rolle bei zwei der aktuell schlimmsten Zivilisationskrankheiten spielt, Alzheimer und Fettleibigkeit. In der aktuellen Studie konnte das Wissenschaftler-Team nun zeigen, dass die Mäuse stressanfälliger sind und sich unter Stress zu wahren Alkoholiker-Mäusen entwickeln.

Im Experiment wurde ein fremdes Mäuse-Männchen in den Käfig mit den genveränderten Mäusen gesetzt. Dadurch wurde innerhalb der Gruppe eine Stresssituation ausgelöst, in der sich die Mäuse zwischen einer Flasche mit Wasser und einer mit Alkohol entscheiden konnten. Die Mäsue wählten mehrfach den Alkohol. Auch bei Wiederholungen des Experimentes zeigte sich immer wieder dasselbe Bild.

„Die Studienergebnisse stimmen uns optimistisch, dass sie auf den Menschen übertragbar sind.“, sagte Studienleiter Prof. Thomas Walther. Er ist Biochemiker und internationaler Experte auf dem Gebiet der Identifizierung neuer Therapieansätze bei Zivilisationserkrankungen, vor allem des Herz-Kreislauf-Systems. „Der Zusammenhang zwischen der Neprilysin-Aktivität und stressbedingtem Alkoholkonsum ist jetzt hergestellt. Wir haben die Befunde sowohl in genetisch veränderten, als auch in pharmakologisch behandelten Tieren erhalten, was die Ergebnisse besonders stark macht. Damit können unsere Ergebnisse einen völlig neuen Therapieansatz aufzeigen. Auch wenn es bis zur Anwendung beim Patienten noch ein weiter Weg ist, könnte bei Alkoholikern in Zukunft medikamentös auf den Proteinstoffwechsel eingewirkt werden.“, so Walther abschließend.