Nach Suizid nun Mordversuch: Leipziger Knast kommt nicht zur Ruhe

Leipzig – Auch im neuen Jahr sorgt die JVA Leipzig weiter für Negativschlagzeilen. Nach dem Suizid am Montag wurde nun ein neuerlicher Zwischenfall bekannt: Demnach haben zwei Häftlinge versucht einen Mitgefangenen zu erhängen. Es ist bereits das dritte schwerwiegende Vorkommnis seit Oktober.

 

Laut Medienberichten ereignete sich der Vorfall bereits am vergangenen Samstag. Zwei Mithäftlinge hätten versucht ihr Opfer, einen 38-jährigen Deutschen, am Zellengitter zu erhängen. Nach der gescheiterten Tat wurde dieser mit schweren Verletzungen in das Uniklinikum Leipzig eingeliefert. Der Schwerverletzte hatte sich mit den Tätern die Unterbringung geteilt. Ein vierter Mitgefangener soll sich bei dem Vorfall schlafend gestellt haben. Die Täter sollen versucht haben den Mord als Suizid zu tarnen.

Bereits am Montag war öffentlich geworden, dass ein 28-jähriger Insasse in der vergangenen Woche Selbstmord begangen hatte. Im Oktober vergangenen Jahres machte die Justizvollzugsanstalt bundesweit Schlagzeilen, als sich der terrorverdächtige Syrer Dschaber al-Bakr kurz nach seiner Einlieferung und trotz höchster Sicherheitsstufe selbst das Leben nahm. Ob auch einer dieser Selbstmorde einen fremdverschuldeten Hintergrund haben, darüber lässt sich nur mutmaßen, aber da die JVA die Vorfälle nicht abwenden konnte, trägt sie zumindest Anteil am Raum für Spekulationen.

 

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Die Leitung um JVA-Chef Rolf Jacob begründete das Versagen damals mit Personalnot, weswegen die Kontrollzeiten nicht engmaschiger hätten durchgeführt werden können. Zudem habe das Gutachten der betreuenden Psychologin keine Suizidalität nahegelegt. Die direkte Verantwortung wurde an andere oder höhere Ebenen übertragen.

Gerade im Fall al-Bakr war daher auch der sächsische Justizminister Sebastian Gemkow in die Kritik geraten, der Begriff der "sächsischen Verhältnisse" machte die Runde. Trotz Gemkows Beteuerungen, die Probleme des Freistaates im Strafvollzug zu beseitigen, produziert dieser also auch im neuen Jahr bereits wieder Negativschlagzeilen.

Die Probleme der JVA Leipzig scheinen zumindest teilweise auch von höherer Ebene verschuldet, denn: Mit 398 Gefangenen auf 397 Plätze ist der Leipziger Knast überbesetzt. Wie René Selle, Vorsitzender des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands, gegenüber der Leipziger Volkszeitung erklärte, sei ein Gefängnis bei 90-prozentiger Auslastung bereits voll belegt, da Platz für eine Gefangenendifferenzierung bleiben müsse. Zu deutsch: Es muss Raum da sein, um Streithähne voneinander zu trennen.

Eine solche Trennung war scheinbar nicht möglich - das schwer verletzte Opfer teilte sich mit seinen Peinigern zu viert eine Unterbringung, die eigentlich nur für drei Gefangene ausgelegt war.