Leipziger Verleger Jonas Plöttner spricht erstmals über Insolvenz seines Unternehmens

Im Februar beantragte der Leipziger „Plöttner Verlag“ die sogenannte Regelinsolvenz. Seitdem kämpft das Unternehmen um die Existenz. In einer offiziellen Mitteilung spricht der Leipziger Verleger Jonas Plöttner erstmals über diese schwere Zeit. +++

In der offiziellen Stellungnahme von Jonas Plöttner heißt es wie folgt:

„Wir leben in einer vielschichtigen und pulsierenden Gesellschaft und erleben ständig die kleinen und großen Erfolge und Niederlagen. In der ganzen Kurzlebigkeit, versuchen wir mit einem hektischen Alltag zurechtzukommen. Für mich ist es das Buch, das in diesen Alltag Pflöcke zum Festhalten zu schlagen vermag. Deshalb bin ich Verleger geworden. Als in diesem Jahr im Februar der Plöttner Verlag in die Knie gegangen ist, war es ein herber Schlag für mich und meine Geschäftspartner: Autoren, Mitarbeiter des Verlages, sei es in Festanstellung oder als Honorarkraft, unsere Grafiker, Druckdienstleister oder vertrauensvolle Partner, die den Verlag finanziell unterstützt haben. In meiner eigenen privaten Enttäuschung liegt mir genau diese Last auf dem Herzen. Dieses Rad kann ich nicht zurückdrehen.

Viele haben mir geglaubt, dass wir was Großes auf die Beine stellen können. Ich war immer zuversichtlich und versuchte diese Zuversicht weiterzugeben. In etwas Tolles investieren. Leider habe ich trotz aufreibender Suche niemanden finden können, der unsere Vision mitträgt. Begeisterung war da, aber kein Geld. So kam es, dass ich Projekten Zusagen gemacht, eigene entwickelt habe (ich denke zuerst an das ehrgeizige Projekt einer mitteldeutschen Kulturzeitschrift „Kunststoff“), die ich gar nicht solide finanzieren konnte. Aber auch in Gothic Projekte wurde mit den wenigen Umsätzen investiert. Ich habe sehr hoch gepokert und bis zum Schluss gehofft, das Rad würde sich drehen. Nein. Wir standen alleine da. Ich war zu blauäugig. Aber unser Hamsterrad lief weiter und weiter und immer in der Hoffnung – da bewegt sich noch etwas, das Ruder kann noch herumgerissen werden. Unsere Ideen, unser Konzept waren so schlüssig. Ich war auch nicht in der Lage diesen Lauf aufzuhalten. Das ist wie ein Geschwindigkeitsrausch. Vielleicht auch Besessenheit. Am Schluss habe ich alle enttäuscht. Ich möchte sehr aufrichtig allen meine Entschuldigung anbieten. Glauben Sie mir, es war keine Berechnung, keine Absicht. Ich wollte mit dem Verlag und all meinen Mitarbeitern Erfolg haben. Jeder Einzelne hätte es mehrfach verdient.

Die Ende Februar beantragte Regelinsolvenz hat leider nicht nur mich auf den Boden der Realität geholt. Selbst an dieser Bruchstelle machte sich noch Hoffnung breit, es könnte weitergehen. Sanieren war das große Wort. Eine zähe und ungewisse Zeit. Das mühsam erstellte Sanierungskonzept konnte nicht umgesetzt werden. Die Einnahmen aus den Buchverkäufen durften für neue Projekte nicht verwendet werden. Einsehbar, das Geld gehörte den Gläubigern. Aus dieser Situation heraus, und natürlich auch meiner „Hartnäckigkeit“ „das es besser gehen könnte“, habe ich mit drei weiteren Gesellschaftern einen neuen Verlag gegründet. Jonas Plöttner Verlag UG (haftungsbeschränkt). Wir haben viele unserer Autoren mitgenommen und arbeiten mit ihnen weiter an neuen

Projekten. Eines der wichtigsten Instrumente für eine solide Sicht- und Handlungsweise ist der neu geschaffene Verlagsbeirat. Mit sehr kompetenten Partnern wird nicht nur Neues geplant, sondern auch auf die so wichtige Solidität geachtet. Ich möchte damit auch ganz klar herausstellen, dass ich KEIN Hans Dampf in allen Gassen bin, sondern meinen Beruf als Verleger sehr ernst nehme.

Wir haben in der Vergangenheit gute Bücher veröffentlicht. Ich bin unseren Autoren für Ihre Loyalität und für das Vertrauen sehr dankbar. Die noch offenen Honorare habe ich nicht vergessen. Wir haben mit drei Buchtiteln ein überschaubares Herbstprogramm auf die Beine gestellt. Für mich ist jetzt mehr als in der Vergangenheit die Verantwortung für unsere Autoren wichtiger denn je. Sie legen mir ihr kostbares Manuskript in die Hände und vertrauen mir, dass ich etwas daraus mache. Dass auch sie eine Chance auf dem wirren Buchmarkt haben. Dieses Vertrauen möchte ich nicht enttäuschen.

Ihr
Jonas Plöttner“