Letzter Arbeitstag von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz

Gesundheitsbedingt legt sie die Amtsgeschäfte nieder und tritt nicht wieder zur Wahl an. Sechseinhalb Jahre hat sie die Geschicke der Stadt geleitet. Einen Rückblick auf Ihre Amtszeit sehen Sie auf www.dresden-fernsehen.de +++

Vor der Wahl zur Dresdner Oberbürgermeisterin war Helma Orosz sächsische Sozialministerin. 2008 kam dann der Wechsel ins Dresdner Rathaus. Orosz verfehlte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, gewann dann aber umso überzeugender mit 64 Prozent der Stimmen im zweiten Anlauf.

Da die Wahl von einem Dresdner angefochten wurde, zog Orosz zunächst als Amtsverweserin ins Rathaus ein. Im November folgte dann die offizielle Ernennung mit der Übergabe der Amtskette im Dresdner Stadtrat.  

Bevor sie das Amt angetreten hatte, hatten die Bauarbeiten an der umstrittenen Waldschlößchenbrücke bereits begonnen. Orosz sprach sich immer für den Weiterbau aus. Einer ihrer schwersten Kämpfe war der um den Erhalt des Welterbetitels. Wohl von vornherein ein aussichtsloser. Orosz reist noch nach Sevilla, um das UNESCO Welterbe-Komitee umzustimmen, doch das misslingt. Im Juni 2009 wird das Dresdner Elbtal von der Welterbeliste gestrichen. Die Einweihung der Brücke findet im August 2013 statt und die Dresdner feiern das neue Bauwerk.

Auch sonst kommt Dresden voran in den Jahren ihrer Amtszeit. Der Umbau des Kulturpalastes beginnt. Das Kraftwerk Mitte wird zum Kulturstandort und als Spielstätte für Staatsoperette und Theater Junge Generation umgebaut.  

Auch international macht Dresden positive Schlagzeilen, wenn es die Welt willkommen heißt. So etwa beim Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama im Juni 2009.

Schon 2008 jubelt Dresden über die Ernennung zum Austragungsort der Frauenfußball WM. Im Sommer 2011 bringen die Mannschaften dann internationales Fußballflair an die Elbe.

Die Ausgestaltung der Erinnerung an die Zerstörung Dresdens im 2. Weltkrieg ist ein Thema, das Helma Orosz in ihrer gesamten Amtszeit begleitete. Besonders heftige Ausschreitungen gibt es 2009 und 2010. Viele Menschen finden die Naziaufmärsche an diesem Tag zunehmend unerträglich. Es wird zu Sitzblockaden aufgerufen. Doch die bleiben nicht immer friedlich. Aber es kommt auch zu Ausschreitungen, Autos werden demoliert und Straßenbarrikaden brennen.

Orosz initiiert die Menschenkette, als friedliches Zeichen gegen rechts. 2010 findet sie erstmals statt mit überwältigendem Erfolg. Auch in diesem Jahr kamen wieder 10.000, um einen schützenden Ring um die Stadt zu legen.

Als die Ägypterin Marwa El Sherbini 2009 im Landgericht von einem Mann aus Hass auf Muslime ermordet wird, ruft Orosz das Marwa-El-Sherbini-Stipendium ins Leben. Und setzt damit Bildung blindem Hass entgegen.

2011 dann die Hiobsbotschaft- Helma Orosz ist an Brustkrebs erkrankt. Sie macht die Diagnose öffentlich und zieht sich danach zur Behandlung und Heilung zurück. Ein Jahr später, im März 2012 ist sie zurück im Amt. Und berichtet auch von den Genesungswünschen und der großen Anteilnahme.
 
Ihren 60. Geburtstag feiert Helma Orosz 2013 im Kreise von Weggefährten auf Schloss Albrechtsberg – und sprüht vor Energie. Und trotzdem, die Krankheit fordert ihren Tribut, auch wenn Sie den Krebs besiegt hat.
 
Die Stadtratswahl 2014 würfelt die Machtverhältnisse in Dresden komplett durcheinander.
Im Stadtrat gibt es nun eine linke Mehrheit aus Linken, Grünen, SPD und Piraten, die ankündigt, gefasste Beschlüsse über den Haufen zu werfen.
 
Immer lauter wird die Frage: tritt die CDU-Politikerin Helma Orosz, trotz gesundheitlicher Probleme bei der nächsten Wahl nochmal als Oberbürgermeisterin an? Im November gibt sie die Antwort und sie lautet: nein.
 
Es sind große Fußstapfen in die ihre Nachfolgerin oder ihr Nachfolger treten wird. Unter Helma Orosz blieb Dresden schuldenfrei, trotzdem wurden wichtige Bauprojekte voran gebracht. Ein großes Investitionsprogramm für Kitas und Schulen wurde angeschoben. Als ungelöstes Problem hinterlässt sie eine durch Pegida zerrissene Gesellschaft.
 
Helma Orosz will nun ihre Freizeit genießen, den Stress des Oberbürgermeisteramtes abstreifen. Ihre Meinung wird aber wohl auch zukünftig in Dresden gefragt sein.

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