LF-Theatertipp Nathan der Weise

Ein dramatisches Gedicht, Sonntag, 19.30 Uhr, Theater der Jungen Welt, Lindenauer Markt 21; LVB Linien 7, 8, 15; Hst. Lindenauer Markt +++

Hier die Beschreibung zum Stück (Quelle: Theater der Jungen Welt):

Rund 125 Seiten geballte deutsche Aufklärung – Kernstück europäischen Bildungsgutes und damit Lehrplanbestandteil an deutschen Schulen, von Lehrern und Schülern scheinbar gleichermaßen ungeliebt, sind natürlich eine Herausforderung für den Spielplan eines Kinder- und Jugendtheaters. Um so mehr, wenn es gilt, die bittere Aktualität der uralten Botschaft von Toleranz, Vernunft und Menschlichkeit über alle Religionsgrenzen hinweg für junge Menschen mit Sinn und theatraler Sinnlichkeit zu erfüllen. Denn die Geschichte oder vielmehr die Geschichten haben es in sich: Ein Jude zieht ein christlich getauftes Mädchen an Kindes statt auf, obwohl es Christen waren, die seine Familie töteten. Ein Christ verliebt sich in eine Jüdin. Ein Moslem findet in einer Jüdin und in einem Christen die Kinder seines verschollenen Bruders wieder. Wenn Lessing am Ende die Geschichten seiner Figuren zusammenführt, scheint es aus heutiger Sicht fast wie der Griff in die Trickkiste einer Dailysoap – so rührend märchenhaft, so utopisch unrealistisch ist das Happyend, das sie alle Juden, Christen, Moslems als Mitglieder einer einzigen großen Familie eint. Es scheint so einfach, so vernünftig und so nachvollziehbar und ist doch wie die letzten 200 Jahre Menschheitsgeschichte bis zum heutigen Tag beweisen, so schwer zu realisieren: das friedliche, tolerante Nebeneinander von Ethnien und Religionen.