Lichtfest 2011 in Leipzig

Leipzig feierte mit seinem Lichtfest die friedliche Revolution von 1989. Aber nicht nur Leipzig feierte, sondern auch Danzig. Denn die Menschen in Danzig haben unserer friedlichen Revolution den Weg bereitet.

Heute ist Lichtfest in Leipzig – der Stadt der friedlichen Revolution. Eine Live-Video-Übertragung aus Danzig ist geplant und ich bin auf der Suche nach Jaroslaw.
Mit ihm habe ich mich verabredet. Jaroslaw lebt in Leipzig, stammt aber aus Polen. Aus Danzig – auch eine Revolutionsstadt. Da ist er und ich frage ihn – ist er ein Leipziger Danziger, oder ein Danziger Leipziger?

Interview: Jaroslaw Panknin

Heute ist der 9. Oktober. Ein historisches Datum. Denn 1989 war der 9. Oktober genau der Tag, an dem sich 70.000 Menschen hier in Leipzig gegen das DDR-Regime aufgelehnt hatten. An dem die friedlichen Demonstranten die bewaffneten Sicherheitskräfte zurückdrängten. Der Tag, der als das entscheidende Ereignis der Friedlichen Revolution gilt.

Die 89 ist auch für Jaroslaw eine besondere Zahl. Sie steht für einen Wendepunkt in seinem Leben Im Herbst 89 hat er Danzig den Rücken gekehrt – nach Dortmund ging er zunächst. Denn in Polen sah er zu dieser Zeit keine Zukunft für sich.

Dabei waren er und seine polnischen Landsleute die Wegbereiter für unsere friedliche Revolution hier in Deutschland.

Genau daran erinnert uns heute das Lichtfest. Auf der riesigen Leinwand an der Leipziger Oper sind wir per Videoübertragung direkt mit Danzig verbunden,erleben ein live Konzert der Danziger Philharmonie. Und sehen Bilder von den Danziger Aufständen, Bilder von der Lenin-Werft. Wo gesamte Belegschaft gestreikt hatte und unter der Leitung von Lech Walesa für eine freie Gewerkschaft demonstrierte.

Interview: Jaroslaw Panknin

Jaroslaw hat die Aufbrüche im Danzig der 80er Jahre hautnah miterlebt. Sogar 3 Jahre Kriegszustand. Danzig voller Panzer, überall Militär. 13 war er damals, meint Jaroslaw, aber er erinnert sich genau:

Interview: Jaroslaw Panknin

Später hat auch er auf einer Danziger Werft gearbeitet. Seine Werft lag genau neben der berühmten Lenin-Werft. auf der die polnische Streikbewegung ihren Anfang nahm, die sich später zur freien Gewerkschaft Solidarnosc entwickelt hatte. Klar, dass er von seiner Nachbarwerft aus vieles beobachten konnte.
 
Interview: Jaroslaw Panknin

All diese Erinnerungen an damals steigen wieder in ihm auf, spüre ich in diesem Moment, wo wir hier stehen und das Lichtfest mit all seinen Bildern auf uns wirken lassen.

Interview: Jaroslaw Panknin

Und dann erzählt mir Jaroslaw noch davon, dass auch er in Danzig Flugblätter verteilt hat und ein Peace-Zeichen am Kragen trug. Und davon, dass auch er die Gewalt des Militärs schmerzlich zu spüren bekam.

Interview: Jaroslaw Panknin

Davon merkt er längst nichts mehr. Seit 12 Jahren lebt er in Leipzig. Er erzählt von seiner Frau, den beiden Kindern und von seinem Polnischen Spezialitätenladen, mit dem er immer auf dem Leipziger Markplatz steht. Er ist angekommen, hier in dieser Stadt, meint Jaroslaw. Auch, wenn manchmal sein Polnisches Herz heftig in ihm schlägt, verrät er.

Interview: Jaroslaw Panknin

Aber Jaroslaw bleibt hier. Hier in Leipzig Denn Jaroslaw Panknin ist inzwischen längst ein Leipziger. Ein Danziger Leipziger. Ich habe wirklich von ihm gelernt und begriffen, dass die Danziger und die Leipziger vieles verbindet – Seit heute auch das Lichtfest.