“Linz-Bestand“ wird im Kupferkabinett in Dresden erforscht

Der “Sonderauftrag Linz“ war ein gigantisches Kunstbeschaffungsunternehmen, welches von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden untersucht wird. Dazu sind umfangreiche Archivrecherchen notwendig. +++

Zwischen 1939 und 1945 wurde von den damaligen Dresdner Galeriedirektoren Hans Posse und Hermann Voss ein umfangreiches Konvolut druckgrafischer Blätter und Handzeichnungen für den „Sonderauftrag Linz“ erworben. Es handelt sich um über 1.400 Werke, hiervon ca. 1.000 Blätter Druckgraphik, ca. 400 Zeichnungen und 11 Bücher. Der „Sonderauftrag Linz“ war ein gigantisches Kunstbeschaffungsunternehmen,  u.a. um das von Hitler geplante  – jedoch letztlich nie realisierte – Museum im österreichischen Linz an der Donau auszustatten.

Die Dresdner Galeriedirektoren Posse und Voss waren in Personalunion auch für diesen Sonderauftrag zuständig. Kriegsbedingt waren die genannten Werke 1945 im Dresdner Kupferstich-Kabinett verblieben. Die bei den Staatlichen Museen zu Berlin angesiedelte, mit Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien ausgestattete Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und –forschung fördert die systematische Erforschung dieses „Linz-Bestandes“. Somit konnte am 21. Juni mit dem auf zunächst ein Jahr angelegten Projekt begonnen werden,  für das die renommierte Kunsthistorikerin und „Linz-Expertin“ Dr. Birgit Schwarz gewonnen wurde. Sie arbeitet mit dem bei der Generaldirektion der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) angesiedelten Team der SKD-Provenzienzforschung um Prof. Dr. Gilbert Lupfer zusammen. Ein relevanter Teil der Kunstwerke, vor allem Gemälde, die im Rahmen des „Sonderauftrags Linz“ beschafft wurden, stammte aus jüdischem Eigentum beziehungsweise resultierte aus verfolgungsbedingtem Entzug während des „Dritten Reiches“.

Auch für den nun zu bearbeitenden „Linz-Bestand“ im Dresdner Kupferstich-Kabinett ist diese Frage wesentlich. Um den Bestand systematisch bearbeiten und die Provenienzen erforschen zu können, sind umfangreiche Archivrecherchen u.a. im Bundesarchiv Koblenz notwendig; Frau Dr. Schwarz hat damit bereits begonnen. Die ersten Ergebnisse geben einigen Anlass zu der Hoffnung, zumindest einen Teil der Provenienzen ermitteln zu können.  Sollte sich im Laufe des Projektes erweisen, dass zu dem genannten Konvolut im Kupferstich-Kabinett Werke gehören, die unrechtmäßig jüdischen Eigentümern abgepresst oder geraubt wurden, werden die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden versuchen, die Nachfahren zum Zwecke der Restitution ausfindig zu machen.

Quelle: SKD

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