Lok Leipzig: Verkorkste Hinrunde und Herzrhythmusstörungen

Beim 1. FC Lok Leipzig sieht es zum Jahreswechsel alles andere als rosig aus. Die Spieler sind frustiert und Trainer Achim Steffens musste am Herzen operiert werden.

Mike Sadlo übernimmt das Team, damit sich Achim Steffens von seinem operativen Eingriff am Herzen erholen kann. Der Übergangstrainer vom 1. FC Lok Leipzig sprach im Lokruf-Interview über Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges.

Mike, kurz vor den Festtagen wurde es offiziell, dass Du Achim Steffens vorerst auf der verantwortlichen Trainer-Position ersetzen wirst. Wie verlief der Entscheidungsprozess und musstest Du lange über Deine Zusage nachdenken?

Achim wusste schon länger von der Geschichte und den Problemen. Bereits im Oktober hat er mich darüber informiert, dass bei ihm ein operativer Eingriff ansteht. Deswegen hat er zu mir gesagt: ‚Pass auf, Mike. Wie es aussieht, wirst du in Kürze übernehmen müssen. Traust du dir das zu?‘ Ich habe sofort „Ja“ gesagt und somit war die Entscheidung gefallen.

Diese Hiobsbotschaft des Ausfalls von Achim Steffens war nur das negative I-Tüpfelchen einer turbulent verkorksten Hinrunde. Welche Spuren hat sie in der Mannschaft hinterlassen?

Ab einem gewissen Zeitpunkt in der Vorrunde war die Mannschaft so mental festgefahren, hat überhaupt nicht mehr daran geglaubt, etwas gewinnen zu können. Da sind so viele Negativerlebnisse auf sie eingeprasselt. Wenn ich vom heutigen Stand ausgehe, denke und hoffe ich, dass jeder Einzelne die freie Zeit des Weihnachtsfestes dazu nutzt, einfach mal vom Fußball gänzlich abzuschalten, einfach mal den „Reset“-Knopf für sich drückt. Ab dem 3. Januar wird es unsere Aufgabe sein, endlich mal wieder für Erfolgserlebnisse zu sorgen, möglicherweise eine Serie zu starten und dass die Mannschaft dadurch auch wieder den Glauben an sich selbst zurückgewinnt.

Vor wenigen Tagen wurde Mittelfeldspieler Heiner Backhaus verpflichtet. In welche Rolle soll er – schnellstmöglich – hineinwachsen?

Neben seinem spielerischen Potential erwarte ich in allererster Linie, dass er direkt eine Führungsposition übernimmt. In der Vergangenheit haben die Spieler zu schnell und zu oft den Kopf in den Sand gesteckt und Spiele, die eng wurden, leichtfertig preisgegeben. Da erwarte ich mir von ihm eine Führungsrolle. Er soll dabei helfen, dass die jungen Spieler vor allem in fremde Stadien fahren und etwas darstellen. Wir müssen unsere breite Brust zurückgewinnen.

Hast Du noch unerfüllte Wünsche, was das Personal angeht?

Dazu muss man wissen, dass der Spielermarkt in dieser Phase nicht allzu viel hergibt. Es wäre utopisch zu glauben, wir pflücken uns einfach noch einen Stürmer, einen Abwehrspieler und einen Zauberfuß vom Weihnachtsbaum. Mit dem ein oder anderen Kandidaten, der uns eventuell noch verstärken könnte, sind wir in Gesprächen. Nicht mehr und nicht weniger. Allerdings setze ich auch große Hoffnungen auf die Spieler, die nun nach langer Zeit aus dem Lazarett zurückkehren und uns dadurch wieder größere Alternativen zur Verfügung stehen.

Es ist natürlich wagemutig, voreilige Versprechungen abzugeben. Aber was für eine Mannschaft werden die Lok-Fans im neuen Jahr zu Gesicht bekommen?

Ich kann und will keinen Tabellenplatz versprechen, aber ich kann versichern, dass das gesamte Trainerkollektiv, die gesamte Mannschaft alles zur Verfügung stehende in die Waagschale werfen wird, um da unten herauszukommen. Ich kann garantieren, dass sich jeder Spieler dafür zerreißen wird, damit wir im Verlauf der Rückrunde schon bald nichts mehr mit Abstiegsgespenst zu tun haben werden.