Mahnmal an die Zeiten der Diktatur

Chemnitz – Das ehemalige Gefängnis auf dem Chemnitzer Kassberg war einst der größte Abschiebeknast der DDR. Nun erinnert ein aufwendig gestalteter Gedenkort an die vielen politischen Häftlinge, die dort in den letzten einhundert Jahren unter Teils unmenschlichen Beduingungen einsaßen.

Mit einem Festakt ist am Montagnachmittag der Gedenkort am ehemaligen Kaßberg-Gefängnis eröffnet worden. Rund fünf Jahre hat sich der Verein „Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis“ in ehrenamtlicher Arbeit dafür eingesetzt, diesen Ort des Gedenkens zu verwirklichen. Gerade für die jungen Generationen soll der Ort als Mahnmal an die Zeiten der Diktatur erinnern.

Für den Gedenkort wurde ein Teil der Gefängnismauer entfernt und durch gläserne Infotafeln ersetzt. Auf diesen wird zum einen an die Geschichte des historischen Ortes als Stasi-Untersuchungsgefängnis erinnert. Die ehemalige Haftanstalt auf dem Kaßberg war einst das größte Abschiebegefängnis der DDR. In den Jahren 1963 bis 1989 wurden mehr als 30.000 von der BRD freigekaufte Menschen von hier aus mit Bussen nach Westdeutschland gebracht.

Zum anderen wird an die Nutzung des Ortes während der NS-Diktatur erinnert. Für politische Gegner stellte die Haftanstalt oft das „Tor zur Hölle“ dar. Mit der Darstellung einiger biografischer Schicksale wird der Geschichte zudem ein Gesicht verliehen.

Während an der zur Straße liegenden Seite die Geschichte des Ortes als Stasi-Untersuchungsgefängnis erläutert wird, führt eine Lücke ins Innere der Haftanstalt und gibt den Blick auf die Rückseite des Gedenkortes frei. Hier wird an die Nutzung während der NS-Diktatur und an die Anfänge als Königlich-Sächsische Haftanstalt erinnert.

Für den Verein des „Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis“ ist damit ein wichtiger Meileinstein auf dem Weg zur Schaffung einer Gedenkstätte geschafft. Denn auch der historisch wichtige Teil der Haftanstalt mit Zellentrakt soll für die Nachwelt erhalten bleiben.  Vereinsmitglieder, die häufig ehemalige Häftlinge sind, veranstalten regelmäßig darin Führungen – zum Beispiel mit Schulklassen.

Der Gedenkort am ehemaligen Kaßberg-Gefängnis ist für alle Chemnitzerinnen und Chemnitzer frei zugänglich. Um dies zu ermöglichen, wurde der Zaun vor dem Gefängnis geöffnet. Einen Eindruck von der neuen Erinnerungsstätte und dem Gefängnisinneren können sich alle Interessierten auch zur Museumsnacht am 20. Mai machen.