Martin Luther trifft auf Karl Marx

Chemnitz – Martin Luther und Karl Marx – die Spuren dieser beiden Denker sind in Chemnitz nicht zu übersehen.

In der Stadt gibt es insgesamt drei Lutherkirchgemeinden – die imposante Lutherkirche an der Zschopauer Straße gibt dem gesamten umgebenden Stadtviertel seinen Namen: Lutherviertel.

Dem anderen wurde – als die komplette Stadt seinen Namen trug – im Zentrum ein Monument gesetzt. Der mal mehr mal weniger geliebte „Nischel“ des Karl Marx dient noch immer als wichtiges Instrument des Stadtmarketings.

Diese beiden – der Gesellschaftstheoretiker und der Theologe – haben mit ihren Thesen den Lauf der Weltgeschichte verändert und standen am Montag als Figuren einträchtig nebeneinander in der St. Jakobikirche. Hier informierten Vertreter von Kirche, Universität und Städtischem Theater über den Chemnitzer Beitrag zum 500. Jahrestag der Reformation.

1517 hatte der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen in Wittenberg bekannt gemacht und damit einen tiefgreifenden Bruch mit der römisch-katholischen Kirche vollzogen, die zum Entstehen des Protestantismus führte.

Chemnitz sei zwar kein Brennpunkt der Reformation gewesen, so Pfarrer Stephan Brenner, dennoch habe die Theologie großen Einfluss auf die Stadtentwicklung genommen. Vergleichbar stark sei der Einfluss durch die sozialistischen Theorien von Karl Marx gewesen, insbesondere natürlich zur Zeit der DDR.

Mit den Akteuren aus Kirche, Wissenschaft und Kunst sollen nun Luther und Marx in Beziehung gesetzt werden. Wo sind die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede? Welche Aktualität besitzen ihre Positionen? Gemeinsam wurde ein Programm ausgearbeitet, dass verschiedene Facetten der beiden Denker beleuchtet.

Die TU Chemnitz wird dabei verschiedene Vorlesungen beitragen, die Marx und Luther aus wissenschaftlicher Sicht beleuchten. Zudem steht die 4. Chemnitzer Lesenacht am 22. April im Kulturkaufhaus Tietz ganz im Zeichen dieser Diskussion.

Die Städtischen Theater Chemnitz werden bei dem Programm künstlerische Akzente setzen – ganz konkret durch Tanzaufführungen des Balletts an Orten in Chemnitz, an denen Luther und Marx im Stadtbild zu sehen sind, wie zum Beispiel am Marx-Engels-Denkmal vor dem Georgius-Agricola-Gymnasium. Diese Veranstaltung soll am 17. Juni stattfinden.

Mit dem Programm zum Reformationsjubiläum sollen Martin Luther und Karl Marx und ihr Wirken gegenüber gestellt und genau unter die Lupe genommen werden. In eine Beweihräucherung der beiden, bereits zu Ikonen stilisierten Männern, soll es dabei aber nicht kommen, betonen die Organisatoren.

Die Auftaktveranstaltung mit Diskussion, Musik und Tanz findet am Abend des 5. April in der Jakobikirche am Markt statt. Weitere Informationen zum Programm sind auf der Internetseite www.luther-und-marx.de zu finden.