Martin Schulz am Chemnitzer Brühl

Die Schließung des Clubs „Atomino“ hat in Chemnitz hitzige Diskussionen ausgelöst.

Die Stadt will für junge Leute attraktiv werden, doch allzu laut oder bunt kann es dabei offenbar nicht zugehen.

Dabei trifft es sich gut, dass gestern der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz gestern dem Brühl einen Besuch abstattete.

Hatte der hohe EU-Beamte vielleicht Tipps für die Chemnitzer parat?

Stadtentwicklung und Städtebauförderung – um diese beiden Themen sollte es sich beim Besuch des EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz auf dem Chemnitzer Brühl vor allem drehen.

Doch natürlich stellte sich zunächst sofort die Frage, wie der EU-Beamte zu dem Konflikt zwischen lebendiger Jugendkultur auf der einen Seite und dem Bedürfnis nach Lärmschutz auf der anderen Seite steht.

Martin Schulz gab sich dabei diplomatisch.

Interview: Martin Schulz (SPD) – Präsident des Europäischen Parlaments

Schulz, der selbst elf Jahre Bürgermeister einer Stadt in Nordrhein-Westfalen war, warb bei seiner Stippvisite auf dem Brühl für eine neue Vertrauenskultur.

Einerseits sollten die Bürger ihr häufiges Misstrauen gegen die Europäische Union ablegen.

Andererseits sollten die EU-Gremien mehr Vertrauen in ihre Bürger haben.

Dabei sollten EU-Gelder möglichst ohne große Hürden direkt an Projekte vor Ort fließen, da die lokalen Akteure selbst am besten wüssten, wie das Geld richtig eingesetzt werden kann.

Dabei diskutierte Schulz gemeinsam mit dem Referatsleiter Städtebau des sächsischen Innenministeriums, Michael Köppl, und dem Manager des Quartiers Brühl der Stadt Chemnitz, Urs Luczak.

Sie mahnten eine Entbürokratisierung der EU-Förderung an, die städtebauliche Projekte mit komplizierten, zeitaufwendigen Beantragungsprozessen häufig bremsen.

Dennoch profitiert Chemnitz im großen Maßstab von Fördergeldern der Europäischen Union – nicht nur am Brühl, sondern beispielsweise auch auf dem Sonnenberg oder im Reitbahnviertel.

Der Kampf um die EU-Mittel geht bereits jetzt in die nächste Runde.

Die neue Förderperiode des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung startet im kommenden Jahr.