Sächsische Landesregierung setzt auf Landarztquote (Video)

Der sächsische Landtag ist zu seiner 47. Sitzung zusammengekommen. Ein zentrales Thema hat dabei unter anderem die medizinische Versorgung auf dem Land gebildet.

Derzeit sind viele ländliche Regionen im Freistaat unterversorgt. Dies sei laut Landesregierung zwar ein gesamtdeutsches Problem, doch Sachsen sei von der Unterversorgung besonders betroffen. Deshalb hat die SPD das Thema in den Mittelpunkt der Aktuellen Debatte gestellt und auf die Landarztquote verwiesen, welche in diesem Jahr erstmals in Sachsen umgesetzt werden soll. Über diese Landarztquote, von 6,5 Prozent, werden 40 Medizinstudienplätze im Freistaat an junge Leute vergeben, die sich nach ihrer Facharztausbildung für 10 Jahre verpflichten in einer unterversorgten, sächsischen Region zu arbeiten. Dabei soll im Auswahlverfahren weniger der NC eine Rolle spielen, sondern mehr das Engagement und die Leidenschaft für den Arztberuf, was sich in in Praktika, Ausbildungen oder Medizinertests zeigen soll.

Dass diese Landarztquote nicht der einzige Lösungsansatz ist, betonte Alexander Dierks von der CDU. Sie sei nur ein Baustein für die Lösung. Weitere Projekte, wie der MEDiC-Studiengang in Chemnitz oder der Humanmedizinstudiengang im ungarischen Pécs gehörten ebenso dazu.

Auch die Grünen begrüßten die Einführung der Landarztquote. Besonders die Möglichkeit, an einen Medizinstudium zu gelangen, ohne auf ein Abiturdurchschnitt von 1,0 angewiesen zu sein bezeichnete Landtagsabgeordnete Kathleen Kuhfuß als eine Chance. Allerdings betonte Kuhfuß auch, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden müssten, da junge Leute heute andere Prioritäten hätten als früher. Unter anderem würden immer mehr junge Ärzte in einem Anstellungsverhältnis arbeiten wollen, statt sich mit einer Praxis selbstständig zu machen.

Die AfD begrüßte die Landarztquote ebenfalls, übte aber Kritik daran, dass diese zu spät komme und, dass ein ähnlicher Antrag der AfD-Fraktion im Jahr 2017 abgelehnt wurde. CDU und Grüne wiesen die Kritik zurück, da der AfD-Vorschlag, im Gegensatz zur jetzigen Landarztquote, nicht mit der Freiheit der Berufswahl zu vereinbaren gewesen sei.

Die Wohl größte Kritik für die Landarztquote kam aus den Reihen der Linken. Landtagsabgeordnete Susanne Schaper kritisierte, dass man von jungen Menschen nicht verlangen könne, ihren Weg schon zu Beginn des Studiums zu kennen. Außerdem sei sie besorgt über eine soziale Spaltung durch die Quote. Die Gefahr bestehe, dass Bewerber mit viel Geld einfach den NC umgingen und sich später aus der Verpflichtung freikauften, indem sie die Strafe bezahlten. Ob die Quote funktioniert werde sich Laut Schaper in ein paar Jahrzehnten zeigen. Sie rief allerdings dazu auf, sich jetzt nicht für die getroffenen Maßnahmen zu feiern, sondern die aktuellen Versorgungslücken weiter zu schließen. Man müsse sektorenübergreifend zusammenarbeiten, um auch kurzfristige Lösungen zu finden.

Abschließend beteiligte sich auch die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping mit einem Redebeitrag. Sie drückte ihre Freude über die laufenden Projekte aus, betonte allerdings, dass auch weiterhin viel zu tun sei. Besonders müsste man die Rahmenbedingungen verbessern und sich an die Bedürfnisse der jungen Ärzte anpassen. Außerdem betonte Köpping, dass nicht nur junge Ärzte direkt aus Sachsen ausgebildet werden müssten, man müsse auch Kräfte von außerhalb halten. Dies hätte in der Vergangenheit nicht immer geklappt, denn vor allem ausländische Ärzte hätten sich oft nicht willkommen gefühlt. Köpping sprach aber ihre Zuversicht dahingehend aus, dass viele junge Menschen die neuen Angebote nutzen werden.

Interessenten können sich vom 1. bis zum 15. April auf die Landarztquote bewerben. Mehr Informationen dazu finden Sie unter www.aerzte-fuer-sachsen.de.