Medikamententest in der DDR

Prof. Dr. med. habil. J. Schulze (Präsident der Sächsischen Landesärztekammer) fordert Aufklärung für Betroffene. +++

Alle Medikamententests in der DDR unterlagen den üblichen Standards für klinische Studien.

Das DDR-Recht hat dazu ähnliche Vorgaben gemacht, wie westliche Staaten. Dazu gehörte auch eine umfangreiche mündliche und schriftliche Aufklärung sowie Einwilligung des Patienten.

Wenn ein Arzt damals diese Aufklärung nicht durchgeführt oder der Patient nicht eingewilligt hat, so hat sich dieser nach DDR-Recht strafbar gemacht.

Sollten Patienten damals ohne ihr Wissen für Medikamententests missbraucht worden sein, so ist eine lückenlose Aufklärung notwendig. Zudem müsste über eine Entschädigung der Opfer oder deren Angehörigen diskutiert werden, wenn es nachweislich zu körperlichen Schäden bis hin zur Todesfolge durch die Tests gekommen sein sollte.

Eine endgültige Aufklärung der Medikamententests könnte das Forschungsvorhaben „Medikamentenversuche – Klinische Arzneimittelforschung in der DDR von 1961 bis 1989“ erbringen, welches die Sächsische Landesärztekammer ausdrücklich unterstützt.

Wie viele Kliniken in Sachsen Medikamententests für westdeutsche Pharmaunternehmen durchgeführt haben, ist der Sächsischen Landesärztekammer nicht bekannt.