Mehr Dresdner brauchen Schuldnerberatung

Dresden - Im Jahr 2019 suchten 4.000 Menschen Unterstützung in den Dresdner Schuldnerberatungsstellen der freien Träger, davon 3.000 zum ersten Mal. Das sind 180 Ratsuchende mehr als im Jahr zuvor. 2019 setzte sich die steigende Altersarmut fort. Etwa 10 Prozent der Ratsuchenden sind Rentner. Aber auch die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt bringt Menschen zunehmend in Notlagen.

Das teilten die Schuldnerberatungsstellen der AWO Sonnenstein gemeinnützige GmbH, des Caritasverbandes für Dresden e.V. und der Gemeinnützigen Gesellschaft Striesen Pentacon e.V. in der Landeshauptstadt Dresden mit: 

Die Überschuldung ist nicht nur auf Niedrigeinkommen bzw. Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Die Ursachen sind weit gefächert. Auch plötzlich eintretende Schicksalsschläge, Mietsteigerungen oder Leichtfertigkeit bei Kreditabschlüssen - hierzu gehören insbesondere Kreditkarten und Finanzierungsverträge - haben ihre Wirkung. Unter Berücksichtigung der Familiensysteme der Ratsuchenden profitierten 6.479 (2018: 6.109) Personen von der Schuldnerberatung der freien Träger, davon 2.146 (2018: 2059) Kinder unter 18 Jahren.

Über 43,5 Prozent der Neuklienten bezogen ausschließlich oder ergänzend zu ihrem sonstigen Einkommen Leistungen nach SGB II (Hartz IV). Etwa 16,8 Prozent dieser Klienten waren mit Mietschulden, fast 9,4 Prozent mit Schulden beim Energieversorger und ca. 8,9 Prozent mit Strafoder Bußgeldern konfrontiert. Bei diesen so genannten Primärschulden besteht sofortiger Handlungsbedarf, um Folgen für die Betroffenen wie Verlust der Wohnung, Unterbrechung der Stromversorgung oder eine Inhaftierung zu verhindern. Wenn solche Krisensituationen bewältigt sind, suchen die Schuldnerberater mit den Klienten nach einer Perspektive für eine Zukunft ohne Schulden.

Die Wohnsituation ist in vielen Großstädten seit Jahren angespannt. Zu wenig sozialer und kommunaler Wohnraum und massiv steigende Mieten im privatwirtschaftlichen Bereich bringen Menschen zunehmend in Notlagen. Diese Entwicklung verdrängt Familien mit geringem und inzwischen auch mittlerem Einkommen. Dresden steht dieser Entwicklung mittlerweile nicht mehr nach. Die Gründe sind bekannt, wirkungsvolle Gegenmaßnahmen rar. Mit der Gründung der WiD (Wohnen in Dresden) bemüht sich die Landeshauptstadt Dresden um höhere Kapazitäten bei kommunalem Wohnraum, aber dies dürfte in den nächsten Jahren ein Tropfen auf den heißen Stein bleiben. Die Baukosten sind derart gestiegen, dass preiswertes Bauen und Vermieten nicht mehr zu realisieren ist. 

Für die persönliche Unterstützung der Betroffenen gibt es in Dresden ein gut ausgebautes und kompetentes Hilfesystem, finanziert von der Stadt Dresden und ausgeführt durch viele soziale Projekte. Wohnen bleibt aber ein Wirtschaftszweig mit maximaler Gewinnorientierung, obwohl es sich um etwas Existenzielles handelt, wie Wasser, Luft und Licht. Dieser Widerspruch wird die Gesellschaft in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen. Altersarmut nimmt zu 2019 setzte sich die steigende Altersarmut fort. Etwa 10 Prozent der Ratsuchenden sind Rentner. Älteren Menschen ist ihre prekäre finanzielle Lage oft außerordentlich unangenehm. Sie scheuen die Offenbarung ihrer Schwierigkeiten gegenüber Dritten und die Inanspruchnahme von Hilfe. Die Dunkelziffer ist somit sehr hoch. Haben sie sich entschlossen, eine Schuldnerberatung aufzusuchen, werden sie von den Fachkräften als besonders dankbar erlebt.