Mehr Schüler schwänzen Unterricht

Dresden (dapd-lsc). In Sachsen ist der Anteil der Schulschwänzer wieder leicht angestiegen.

Vom Schuljahr 2005/2006 bis zum Schuljahr 2009/2010 erhöhte sich die Zahl der Schulschwänzer um 0,03 Punkte auf 1,23 Prozent, wie das Kultusministerium am Freitag in Dresden auf dapd-Anfrage mitteilte. Gründe für das Schwänzen seien häufig Probleme in der Schule und im Elternhaus. Derzeit verbüßen mehrere Schüler eine Arreststrafe wegen Schulschwänzens. Der sächsische Lehrerverband forderte mehr Schulsozialarbeiter.

Im Schuljahr 2005/2006 gab es in Sachsen 5.428 Schulschwänzer, 2009/2010 waren es 4.656. Zwar sank damit die absolute Zahl der Schwänzer, doch wenn diese auf die im gleichen Zeitraum gesunkene Schülerzahl bezogen wird, ergibt sich laut Kultusministerium ein höherer prozentualer Anteil an Schulschwänzern. Als Schulschwänzer gilt in Sachsen, wer mindestens fünf Tage im Schulhalbjahr unentschuldigt fehlt.

2010 wurden dem Ministerium zufolge in Sachsen 2.802 Bußgeldverfahren gegen Schulschwänzer eingeleitet – 382 mehr als im Vorjahr. Die Einnahmen aus den Bußgeldern stiegen 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 49.194 Euro auf 337.639 Euro.

Als Gründe für das Schwänzen nannte das Ministerium unter anderem psychische Probleme, Vernachlässigung durch die Eltern, häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch. In der Schule spielten unter anderem ein schlechtes Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern sowie fehlende Anerkennung eine Rolle. Zudem tragen laut Ministerium Mobbing, Angst vor dem Versagen in der Schule, Angst vor Lehrern oder Mitschülern und auch ein geringes Selbstwertgefühl dazu bei.

Wer in Sachsen die Schule schwänzt, muss allerdings nicht gleich eine Geldstrafe zahlen. Ab dem dritten unentschuldigten Fehltag im Schulhalbjahr wird ein Gespräch mit den Eltern geführt. Erst ab dem fünften Fehltag im Schulhalbjahr wird ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet, das ein Bußgeld von bis zu 1.250 Euro nach sich ziehen kann.

Außerdem kann der Schüler auf Antrag der Schule von der Polizei zuhause abgeholt und zum Unterricht gebracht werden. Auch kann gegen den Schüler eine Arreststrafe verhängt werden. Derzeit verbüßten in Sachsen zwei Schülerinnen und zwei Schüler wegen Schulschwänzens eine Strafe in Gefängnis, sagte ein Sprecher des Justizministeriums.

Statistiken über die Zahl der Arreste würden allerdings nicht geführt. Unter anderem wurden die Zahlen 2006 einmal erfasst. Damals wurden im Freistaat nach Angaben des Kultusministeriums mindestens 608 Arreststrafen gegen Schulschwänzer verhängt, darunter rund 400 vom Amtsgericht Leipzig.

Um die Schwänzer wieder zurück in die Schule zu bringen, setzt das Kultusministerium unter anderem auf Projekte wie „Camp+“, bei dem leistungsschwachen Schülern geholfen werden soll.

Der Vorsitzende des sächsischen Lehrerverbandes, Jens Weichelt, forderte mehr Sozialarbeiter und Psychologen an Schulen. „Die Wartezeiten beim Schulpsychologen dauern oft Monate“, kritisierte Weichelt. Es müsste zusätzliches Personal eingestellt werden, das gezielt mit Schulschwänzern über ihre Probleme rede.

dapd