Mehrheit der Sächsischen Unternehmen würde Flüchtlinge beschäftigen

IHK-Unternehmen zeigen eine hohe Bereitschaft Flüchtlinge zu beschäftigen oder sogar ausbildzubilden. Laut einer neuen Studie würden bei entsprechenden Rahmenbedingungen 63 Prozent der Unternehmer Asylsuchende einstellen. +++

Inwieweit sind Unternehmen im Freistaat überhaupt bereit Asylsuchende zu beschäftigen oder sogar auszubilden?Das hat jetzt erstmals eine im großen Umfang angelegte Studie der sächsischen IHKs abgefragt. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch vorgestellt.

Rund 2.600 IHK-Unternehmen haben an dieser deutschlandweit in dieser Form ersten größeren Umfrage teilgenommen.

Detailreich gibt sie Aufschluss über Mindestvoraussetzungen für die Anstellung von Flüchtlingen und sogar über Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb sächsischer Unternehmen.
Fast zwei Drittel der befragten sächsischen Unternehmen zeigen eine Bereitschaft Asylsuchende zu beschäftigen oder sogar auszubilden. Mit diesem Ergebnis ihrer Studie hätten auch die drei IHK-Chefs von Dresden, Leipzig und Chemnitz nicht gerechnet.

26 Prozent der Firmen schließen derzeit grundsätzlich die Einstellung eines Flüchtlings aus verschiedenen Gründen aus.

Zu den Ergebnissen der Studie zur Bereitschaft sächsischer Unternehmen Asylsuchende einzustellen oder auszubilden, haben wir mit Dr. Detlef Hamann, Geschäftsführer IHK Dresden,  und Dr. Gert Ziener, IHK zu Leipzig gesprochen.

Doch wie praxisrelevant sind diese Ergebnisse? Das und mehr haben wir die Dresdner Unternehmerin Viola Klein gefragt.

Die Statements und viele weitere Informationen sehen Sie im Video!

Weitere Informationen zur Studie im Überblick:

Flüchtlinge und Asylsuchende im Fokus der Wirtschaft

Das Thema Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern ist in den Mitgliedsbetrieben der sächsischen IHKs vor allem aus unternehmerischer Sicht außerordentlich präsent. Dies macht nicht zuletzt die hohe Beteiligung an einer sachsenweiten Befragung der Kammern Chemnitz, Dresden und Leipzig im Oktober 2015 deutlich, an der sich mehr als 2.500 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel, Verkehr, Gastgewerbe und Dienstleistungen beteiligten. Rund die Hälfte der Befragten (49 %) ist davon überzeugt, dass die Zuwanderung Asylsuchender auch eine Möglichkeit ist, den demografisch bedingt drohenden Fachkräftemangel in der Region abzumildern.

Unternehmen signalisieren hohe Einstellungsbereitschaft

Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg signalisieren 63 % der Befragten ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Beschäftigung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Mit 78 bzw. 74 % dominieren das Gastgewerbe und die Industrie, am zurückhaltendsten ist der Handel mit 50 %. Deutlich ist die Abhängigkeit von der Beschäftigtenzahl. So würden Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern in 53 % der Fälle Flüchtlingen und Asylbewerbern Chancen auf Beschäftigung bzw. Ausbildung einräumen, Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern hingegen zu 89 %. Neun von zehn Unternehmen machen ihre Einstellungsbereitschaft von einer bereits erteilten Aufenthaltserlaubnis abhängig. 

Konkrete Einstellungsperspektiven bereits für 2016 offerieren 45 % der Unternehmen, wobei auch hier das Gastgewerbe (71 %) und die Industrie (52 %) die meisten Nennungen auf sich vereinen. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg entfallen 46 % aller Stellenangebote auf un- und angelernte Tätigkeiten, 43 % auf Tätigkeiten, die eine Berufsausbildung voraussetzen, und 11 % auf Akademiker.

Konkrete Anforderungen an Bewerber

Die Unternehmen verbinden ihre Einstellungsbereitschaft jedoch mit hohen Anforderungen an die potenziellen Bewerber. So nennen 59 % gute bis sehr gute Deutschkenntnisse, und 45 bzw. 43 % eine nachweislich abgeschlossene Berufs- bzw. Schulausbildung als Mindestvoraussetzungen.

Ausbildungsunternehmen fordern klare Bleibeperspektive  

Hinsichtlich der Bereitschaft zur Berufsausbildung liegt der Wert naturgemäß unter dem der Beschäftigungsmöglichkeiten, da allein 35 % der Befragten nicht über eine Ausbildungsberechtigung verfügen. Weitere 40 % Prozent der Unternehmen sind grundsätzlich bereit, Flüchtlinge und Asylbewerber auszubilden, wobei 78 % der genannten Ausbildungsrichtungen auf gewerblich-technische und 22 % auf kaufmännische Berufe entfallen.

Im Kontext der Berufsausbildung kommt der Bleibeperspektive der jungen Leute eine besondere Bedeutung zu. So würden fast zwei Drittel der Firmen (64 %) ein Ausbildungsengagement daran knüpfen, dass der Aufenthalt ihrer Auszubildenden – zumindest temporär – auch nach Abschluss der Ausbildung gesichert ist. 36 % könnten sich eine Ausbildung auch dann vorstellen, wenn das Bleiberecht zumindest bis zur Beendigung der Ausbildung gewährleistet werden kann.

Einstellungshürden für Beschäftigung und Ausbildung

Für Beschäftigung und Ausbildung gleichermaßen bedarf es aus Sicht der Unternehmen des Abbaus verschiedener Hürden. Mit jeweils 55 % werden hierbei am häufigsten die undurchschaubare Rechtslage und Unsicherheiten über das Qualifikationsniveau genannt. Es folgen mit 42 und 38 % die großen kulturellen Unterschiede und hohe bürokratische Hürden. Die Höhe des Mindestlohns wird von 28 % der Unternehmen als Einstellungshemmnis angesehen.

Unterstützungsmöglichkeiten der IHKs

Die Kammervertreter wiesen im Rahmen der Vorstellung der Umfrageergebnisse noch einmal auf ihre Unterstützungsmöglichkeiten hin. Dazu gehören die Information und Beratung ihrer Mitgliedsunternehmen zu allen Fragen rund um den Integrationsprozess; die Beratung zur Anerkennung und Gleichstellung von im Ausland erworbener beruflicher Qualifikationen im IHK-Bereich; die Unterstützung der Agenturen für Arbeit und Integrationsinstitutionen bei der Berufsorientierung; die Eingliederung in aufnahmebreite Unternehmen mittels Einstiegsqualifizierungen (EQ); Kompetenzfeststellungen und Ergänzung der beruflichen Vorkenntnissen durch Teilqualifizierungen (TQ) gemeinsam mit Bildungsträgern; die Vermittlung in Ausbildung durch das Projekt „Passgenaue Besetzung“; Kursangebote für eine verbesserte interkulturelle Kompetenz von Mitarbeitern und Unternehmen sowie die Beratung von angehenden Existenzgründern.

Quelle: IHK Dresden