Meteorologische FAQ´s zum Atom-Desaster in Japan

Aufgrund zahlreicher Anfragen senden wir Ihnen nachfolgend eine Zusammenstellung der wichtigsten meteorologischen Fragen und Antworten zum Atom-Unfall in Japan.

Verantwortlich für die Zusammenstellung ist Wetter-Experte Dominik Jung vom Wetterdienst WETTER.NET.

Sind weitere Nachbeben zu befürchten?

Durch das starke Beben vom Freitag wurde die japanische Insel Honshu um über 2 Meter versetzt. Außerdem wurde die Erdachse ein weiteres Mal verschoben. Weitere Nachbeben sind daher sehr wahrscheinlich. Durch die Plattentektonik der Erde sind Folgebeben auch in anderen Regionen möglich.

In welche Richtung bewegt sich die „radioaktive Wolke“?

In den letzten Stunden kam in fast ganz Japan der Wind aus Norden und wehte nach Süden. Das bedeutet, dass die radioaktiven Emissionen Richtung Mittel- und Südjapan verfrachtet wurden und damit auch in Richtung der Millionen-Metropole Tokio. Vor 4 bis 6 Stunden hat nun der Wind auf Nordwest gedreht. Jetzt werden die Emissionen nach Südosten und damit auf den offenen Ozean getragen.

Dies betrifft jedoch nur die bodennahem Emissionen. Durch bereits erfolgte starke Explosionen und die noch zu erwartenden weiteren Reaktorexplosionen werden die verstrahlten Partikel weit nach oben in die Atmosphäre geschleudert – fast ähnlich einer starken Vulkaneruption. Dort gelangen sie zum Teil in die Westwindzone, wenn eben die Explosion heftig genug ausfällt.

Radioaktivität schafft damit den Sprung auf den „Eilzug“ Richtung Nordamerika (USA und Kanada). Auf dem Weg dorthin schwächt sich die Belastung allerdings rasch ab. Partikel werden zerstreut, fallen aus oder werden von Niederschlägen vom Himmel geholt und landen im Ozean.

Wie groß ist die Gefahr für die japanische Bevölkerung vor Ort?

Diese ist sehr hoch. Es scheint, als Stünde das schlimmste noch bevor. Die Umgebung unmittelbar um den Reaktor ist bereits verstrahlt. Dieses Gebiet wird sich weiter ausbreiten. Die Region wird analog zu Tschernobyl auf Jahrzehnte verseucht bleiben. Nichts mehr wird dort so sein wie vorher.

UND: Irgendwann wird der Wind auch wieder in südliche Richtung drehen und damit die Radioaktivität über weite Teile der Insel Honshu verteilen.

Worst Case: Große Teile Honshus werden auf längere Zeit unbewohnbar sein.

Wird die Atom-Wolke auch Europa und Deutschland erreichen?

Das hängt ganz von den weiteren Vorgängen in den Reaktoren ab. Kommt es zu weiteren schweren Explosionen, wird immer mehr Strahlung in die Atmosphäre gebracht. Zunächst wird diese nach Nordamerika verfrachtet.

Es kommt auf die Stärke der Explosion und die Menge des verstrahlten Materials an, welches freigesetzt wird. Im schlimmsten Fall ist die Menge so umfangreich, dass selbst in Europa und Deutschland noch Radioaktivität nachgewiesen werden könnte.

Somit bekommt Europa unter Umständen nicht nur das Wetter von Übersee, sondern gleich noch die Radioaktivität frei Haus geliefert.

ABER: Es wird sich zu 95 % nur um eine leichte Belastung handeln, die keine Gefahr für die Bevölkerung darstellt. Klar ist aber auch: Keiner kann eine Gefahr für Europa zum jetzigen Zeitpunkt zu 100% ausschließen. Trotzdem: Es gibt derzeit keinen Grund sich mit Geigerzählern oder Jod-Tabletten einzudecken. Diese Panik ist fehl am Platz!

Wie ist die aktuelle Wetterlage vor Ort, wie sind die weiteren Aussichten ?

Aktuell ist es spätwinterlich kalt. Die Temperaturen erreichen am Tag zunächst nur 5 bis 7 Grad, zum Wochenende wird es wärmer mit Werten bis 11 Grad. Niederschläge, die die radioaktiven Emissionen aus der Atmosphäre auswaschen stehen erst wieder zu Wochenbeginn an. Schlecht für die vielen obdachlosen Menschen vor Ort: In den kommenden Nächten gibt es immer wieder Frost bis minus 5 Grad. Die gute Nachricht: Der Wind wird zunächst günstig wehen und keine neue Radioaktivität nach Tokio bzw. in den Südteil von Honshu transportieren.

Wie sehen die Evakuierungspläne aus?

Stunde um Stunde wird die Bedrohung größer. Über die Medien und besonders das World Wide Web schaut die ganze Welt nach Japan und verfolgt den ersten echten nicht hausgemachten (im Gegensatz zu Tschernobyl) Super-Gau in der Geschichte der Menschheit. Das Entsetzen und die Angst ist groß, dass so etwas auch woanders auf der Welt passiert oder sogar direkt vor unserer Haustür- mitten in Deutschland.

Die Frage aller Fragen muss aber lauten: Was ist mit den Menschen in Japan? Wann und wie sind Evakuierungen geplant? Wer holt die Menschen dort weg, wenn sich der Super-Gau nach und nach über weiten Teilen der Insel verteilt?