Michael Kretschmer zu Gast in Rom

Rom- Auf seiner Reise in die italienische Hauptstadt hat der sächsische Ministerpräsident unter anderem für den Standort Sachsen geworben und einen Corona-Überlebenden aus Bergamo getroffen, der in Leipzig behandelt wurde.

Rom wurde nicht nur nicht an einem Tag erbaut, es führen auch alle Wege dahin. Zumindest der Weg des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Der Grund: Ein Empfang anlässlich des Tages der Deutschen Einheit. Der wird in der Deutschen Botschaft in Rom jedes Jahr von einem anderen Bundesland ausgerichtet, diesmal war Sachsen an der Reihe. Eine gute Gelegenheit für den Ministerpräsidenten, neue Kontakte zu knüpfen, und langjährige Partner zu treffen.

Dranbleiben will man ebenso an den Bemühungen um die bereits seit fünf Jahren bestehende und erfolgreiche Partnerschaft mit der knapp sechs Millionen Einwohner zählenden Region Lazio, deren wichtigste Stadt die Hauptstadt Rom ist, einstiges Zentrum des antiken Römischen Reiches – dessen Reste hier von jährlich mehr als 30 Millionen Touristen bestaunt werden.

Zur Erneuerung und Vertiefung der Regionalpartnerschaft in den nächsten fünf Jahren haben der sächsische Ministerpräsident und Lazios Präsident Nicola Zingaretti eine Erklärung unterzeichnet.

Ein Vorzeigeprojekt in Sachen Kulturaustausch ist die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo. Vor mehr als 100 Jahren gestiftet vom Berliner Unternehmer Eduard Arnhold, bietet die Einrichtung in einem weit angelegten Park mit beeindruckendem altem Baumbestand perfekte Bedingungen für 10 Künstler – die sich für ein 10-monatiges Stipendium bewerben können. Mehrere Tausend Bewerbungen aus Deutschland gehen jährlich hier ein, kein Wunder.

Neben den großzügigen Ateliers mit angeschlossener Wohnung umfasst die Förderung ein Barstipendium von 2500 Euro monatlich. Einer der Rom-Preisträger ist Carsten Saeger, bildender Künstler aus Halle an der Saale und Absolvent der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig.

Kein Müßiggang für die Delegation aus Sachsen – stattdessen steht der Besuch bei Luiss en Labs auf dem Plan. Auf über 5.000 Quadratmetern treibt die Start-up-Fabrik hier im historischen Flügel des Bahnhofs Termini die Gründung und Entwicklung innovativer Unternehmen voran. In nur wenigen Jahren hat Luiss en Labs über 55 Start-ups unterstützt und über 1.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt hier bei unter 30 Jahren – gearbeitet wird in Co-Working-Spaces an zumeist digitalen Projekten – mitten in Rom über den Bahnsteigen des Hauptbahnhofs. Auch ein Büro von Facebook ist hier zu finden.

Weitere Gespräche stehen im Anschluss auf dem vollgepackten Reiseplan, etwa mit dem Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgetti und dem Gesundheitsminister Roberto Speranza, bei dem die Bekämpfung der Coronapandemie im Vordergrund steht. In Italien sind bereits mehr als 80 Prozent der Menschen geimpft, dennoch werden die umfangreichen Schutzmaßnahmen hier nach wie vor sehr ernst genommen.

Mit vertrauten Klängen werden die Gäste in der Villa Almone, der Residenz des deutschen Botschafters, empfangen. Das Landesbergmusikkorps Sachsen aus Schneeberg vertritt hier musikalisch sein Bundesland. Etwa 600 Gäste aus Italien und Deutschland sind zum Empfang eingeladen, es gibt Sekt aus Radebeul, Bier aus Radeberg und Prosciutto und Parmesan aus Lazio.

Mitgebracht haben die Sachsen auch Vertreter der heimischen Wirtschaft und Kultur. Neben Porzellan aus Meißen und Uhren aus Glashütte können die Gäste hier Innovationen aus dem Silicon Saxony bestaunen. Das Fraunhofer-Institut ist ebenso vertreten wie die Softwareschmiede Wandelbots. Die Senkrechtstarter aus Dresden, seit 1. Oktober mit dem neuen Marketingchef Bernd Heinrichs, haben sich Roboterprogrammierung für jedermann auf die Fahne geschrieben.

Auch die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen ist vor Ort und präsentiert touristische Ziele in der Region, die Stadt Chemnitz stellt sich als Kulturhauptstadt 2025 selbstbewusst mit ihren Projekten vor.

Mit den Nationalhymnen von Italien und Deutschland beginnt der offizielle Teil des Abends. Der Botschafter Viktor Elbling begrüßt die Gäste. Der sächsische Ministerpräsident erinnert an die Zusammenarbeit beider Länder in der wohl größten Krise der letzten Zeit.

Im Frühjahr hatte Deutschland 44 Corona-Intensivpatienten aus dem Ausland aufgenommen, darunter aus der schwer betroffenen Stadt Bergamo. Acht Patienten wurden in Sachsen behandelt.

Der sicherlich bewegendste Moment des Abends. Von den acht in Sachsen behandelten Patienten hatte nur einer überlebt. Felice Perani war eigens aus Bergamo angereist, um sich bei Michael Kretschmer zu bedanken, stellvertretend auch für die Mediziner der Uniklinik Leipzig, wo er mehr als zwei Monate lang auf der Intensivstation behandelt worden war.

Eine Einladung nach Bergamo nahm der Ministerpräsident gerne an. Die Nachbildung des Turiner Grabtuches, das Felice Perani als Geschenk überreichte, soll nun einen würdigen Platz in Dresden finden – auch als Erinnerung an die tiefe Verbundenheit der beiden Länder, die in Zeiten der Krise nur noch mehr gewachsen ist.