Milbradt: Eine „Kultur der Verantwortung“ aufbauen

Mit einem Appell für mehr bürgerschaftliches Engagement hat Ministerpräsident Georg Milbradt am Samstag den 3. Sächsischen Stiftungstag in Leipzig eröffnet.

“Wir wollen in Sachsen eine Kultur der Verantwortung aufbauen, die das Füreinander und Miteinander der Bürger wieder stärker in den Vordergrund rückt und öffentlich würdigt“, hob Milbradt hervor. Er verwies dabei auf die Kampagne „Wir für Sachsen – bürgerschaftliches Engagement“, die die Staatsregierung dazu bereits ins Leben gerufen hat.„Die Bereitschaft, sich zum Wohl seiner Mitmenschen und seines Gemeinwesens einzusetzen, erscheint vielen als altertümlich und unattraktiv. Wir müssen daher wieder deutlich machen, dass freiwillige gemeinschaftliche Tätigkeiten, ob nun in Vereinen, Bürgerinitiativen oder auch in Stiftungen, das entscheidende sinn- und identitätsprägende Element einer echten Solidargemeinschaft bilden. Nicht das abstrakte und anonyme Sozialsystem ist das Lebenselixier einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft, sondern vielmehr das breite und vielfältige Engagement ihrer Bürger“, betonte Milbradt. „Die damit verbundene Kultur der Verantwortung spiegelt sicht beispielhaft in den über 250 Stiftungen in Sachsen wider. Denn etwas zu stiften, eine Stiftung zu gründen oder einer beizutreten zeigt, dass hier Bürger bereit sind, freiwillig für das Wohl ihrer Mitbürger aktiv zu werden und damit Verantwortung auch für die Gemeinschaft zu übernehmen“, würdigte der sächsische Regierungschef die Arbeit der Stiftungen.Im Anschluss an seine Rede verlieh Ministerpräsident Milbradt den erstmals ausgeschriebenen und mit 5000 Euro dotierten „Sächsischen Initiativpreis für Kunst und Kultur 2005“ an die Schaubühne Lindenfels aus Leipzig. Der von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ausgelobte Preis soll einen Anreiz für wegweisende Formen des kulturellen Engagements in Sachsen schaffen und die Öffentlichkeit auf vorbildliche Initiativen aufmerksam machen.Der Sächsische Stiftungstag findet seit 2003 jährlich statt, in diesem Jahr erstmals in Leipzig. Die beiden Jahre zuvor wurde er in Dresden ausgerichtet. Er wird von der Bürgerstiftung Dresden und der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen veranstaltet und will über die Präsentation schon bestehender Stiftungen sowie mit Workshops und Diskussionen über das Stiftungswesen informieren und zu Neugründungen ermuntern.In Sachsen gibt es rund 250 rechtsfähige Stiftungen. Damit liegt der Freistaat mit Sachsen-Anhalt zusammen an der Spitze der ostdeutschen Länder. Seit 1990 wurden jährlich durchschnittlich 15 Stiftungen neu gegründet, 54 Altstiftungen wurden weitergeführt.Hinsichtlich der regionalen Verteilung konzentrieren sich die meisten Stiftungen in Sachsen mit 137 im Regierungsbezirk Dresden, gefolgt vom Regierungsbezirk Leipzig mit 60 und dem Regierungsbezirk Chemnitz mit 54. Die meisten Stiftungen engagieren sich im Bereich der Kultur- und Denkmalpflege (über 100) und im sozialen Sektor (über 90). Schwerpunkte bilden darüber hinaus Wissenschaft und Forschung, Erziehung und Bildung sowie Kinder-, Jugend- und Altenhilfe. Weitere Tätigkeitsfelder sind der Umwelt-, Natur und Landschaftsschutz, Sport, Medizin und Gesundheit sowie die Kirchen.