Milder Winter in Deutschland – wie Flora und Fauna auf das Klima reagieren

Wenngleich es laut Kalender eindeutig Winterzeit ist, so sagt der Blick aus dem Fenster doch etwas anderes.

Hier und da blühen schon jetzt, Ende Januar, erste zarte Blumen, darunter Krokusse und Narzissen. Auch die Triebe von Sträuchern und Bäumen schlagen zum Teil bereits aus. Für den Menschen mag dies zwar durchaus angenehm sein – denn immerhin sparen wir effektiv Heizkosten und können auch den ungeliebten Eiskratzer im Handschuhfach lassen – doch Flora und Fauna reagieren empfindlich auf das ungewöhnliche Klima.

Trotz Winterzeit sind bereits die ersten Frühlingsboten zu entdecken. Was bedeutet diese Entwicklung für unsere Flora und Fauna?

Zunächst einmal scheint es, dass gerade Säugetiere, Vögel und Echsen ihren Nutzen aus dem warmen Wetter ziehen. Ganz einfach deshalb, weil sie noch immer problemlos Nahrung finden können. Dementsprechend häufig konnten über den gesamten Winter Amphibien wie Frösche und Molche oder Säugetiere wieder Igel angetroffen werden. Selbiges gilt für Eichhörnchen, die dieses Jahr kaum in Bedrängnis bei der Wintervorbereitung kamen. Gerade letztere haben in den vergangenen Wochen außerdem für Aufsehen gesorgt: denn sowohl von Eichhörnchen als auch Grauhörnchen werden derzeit besonders häufig sehr dicke Exemplare gesichtet, im Netz hat sich diesbezüglich bereits der Trend „fat squirrel“ etabliert, wie hier nachzulesen ist. Während zunächst noch davon ausgegangen wurde, dass der milde Winter an den wohlgenährten Nagern Schuld sei, so versichern Zoologen, dass dies wohl eher der Fütterung durch den Menschen geschuldet ist.

Bei einigen Tieren verändert das Wetter jedoch das gewohnte Verhalten bzw. den Jahreszyklus. Bei Zugvögeln ist beispielsweise zu beobachten, dass diese direkt in der Heimat bleiben oder erst sehr verspätet in den Süden aufbrechen. Problematisch gestaltet sich auch das Verhalten der Insekten, denn diese sollten im Winter eigentlich erfrieren oder in Starre fallen. In diesem Jahr sind sie allerdings noch zahlreich vertreten und lassen bereits erahnen, auf welche Insektenplagen sich der Mensch womöglich im Sommer einstellen muss.

Grundsätzlich sind die heimischen Tiere allerdings gut an milde Bedingungen angepasst – schlimmer wäre es hingegen, wenn eine unerwartete Kälteperiode eintreten würde. Allerdings bleibt durch den fehlenden harten Winter die natürliche Selektion kranker und schwacher Tiere aus, weswegen es im kommenden Frühjahr zu mehr Nachwuchs kommen könnte, beispielsweise bei Wildschweinen und Rehen.

Auch für Haustiere hat sich der milde Winter ausgezahlt: Hunde mussten sich kaum oder gar nicht vor Streusalz und Splitt unter den sensiblen Pfoten in Acht nehmen, Katzen sind hingegen generell kälteunempfindlicher, wenngleich viele der Samtpfoten Schnee und Eis nicht sonderlich mögen.

Hunde toben gerne durch den Schnee, die sensible Haut an den Pfoten leidet jedoch unter der Kälte und dem Streusalz.

Schwieriger wird es da schon bei kleineren Haustieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen. Während erstere meist schon im Herbst draußen gehalten werden und daher rechtzeitig ein dickes Winterfell bekommen, so reagieren Meerschweinchen deutlich empfindlicher. Die kleinen Nager stammen ursprünglich aus den Anden und sind widrige Wetterumstände zwar gewohnt, kommen jedoch nicht gut mit sehr kalten Temperaturen zurecht – die es hierzulande zwar nur selten, aber dennoch ein paar Wochen lang gab.

Bei Reptilien ist hingegen zu bedenken, dass diese zu den wechselwarmen Tieren zählen. Sie erzeugen also selbst nur wenig oder gar keine Wärme und nehmen stattdessen die Temperatur ihrer Umgebung an. Im Laufe der Jahre ihrer Evolution haben die verschiedenen Reptilienarten ihren Stoffwechsel an diese Bedingungen angepasst. Dies hat allerdings auch dazu geführt, dass sie sich nach jahreszeitlichen Gegebenheiten richten. Reptilienhalter müssen daher berücksichtigen, dass einige Arten Winterruhe halten und die entsprechenden Bedingungen dafür geschaffen werden. Denn wie ZooRoyal zu bedenken gibt, sind die Reptilien komplett von ihrem Halter abhängig und können ihren Biorhythmus nur dann aufrechterhalten, wenn Helligkeit und Temperatur korrekt eingestellt werden. Einige Tiere graben sich zu diesem Zweck ein, andere suchen geschützte Höhlen auf. In der Regel kümmert sich das Tier danach selbst um seine „Einwinterung“, trotzdem sind gewisse Vorsichtsmaßnahmen empfehlenswert.

Kranke Tiere sollten nur mit Vorsicht eingewintert werden, da sie unter Umständen einen geschwächten Stoffwechsel haben und nicht mehr aufwachen.Bei einer tierärztlichen Kontrolle empfiehlt es sich, weibliche Tiere nach noch nicht abgelegten Eiern zu kontrollieren und eine jährliche Blutuntersuchung bei älteren Tieren durchzuführen.Die hierzulande vermutlich am häufigsten gehaltenen Tiere, die Winterruhe halten, sind Landschildkröten aus dem Mittelmeerraum. Bei ihnen findet eine schrittweise Gewöhnung an das kältere Klima statt und auch die Nahrungsaufnahme wird immer weniger, bis sie schließlich komplett eingestellt wird. Ebenfalls beliebt sind Bartagamen und andere Echsen, die teilweise für nur 4, teilweise aber auch bis zu 16 Wochen Winterschlaf halten. Auch hier sind Fressunlust und Vergraben deutliche Merkmale für ein Bedürfnis nach Winterschlaf.Sehr große Unterschiede gibt es außerdem bei den verschiedenen Schlangenarten, auch bezüglich der Temperaturen – ganz unabhängig davon, ob draußen wirklich Winter herrscht oder eben nicht.

Damit es im Winter angenehm warm ist, dreht der Mensch in den kalten Monaten die Heizung auf. Die so entstehende Heizungsluft ist allerdings weder für Mensch noch Tier gesund. Die warme Luft trocknet die Haut und Schleimhäute aus. Dadurch können Atembeschwerden, Bindehautentzündungen oder sogar Luftröhrenentzündungen entstehen. Dies gilt vor allem für Katzen, die bevorzugt auf der warmen Heizung schlafen, aber auch Hunde, Meerschweinchen und sonstige Nager sind gefährdet. Wer Abhilfe schaffen will, der kann dies aber bereits mit einer Schale Wasser an oder auf der Heizung tun – das Wasser verdunstet und befeuchtet die Luft, dafür muss es aber täglich aufgefüllt werden. Denselben Effekt hat übrigens das Aufhängen von nasser Wäsche.

Streng genommen sind die niedrigen Temperaturen gut für die Pflanzen, denn sie fangen früher an zu blühen und erwachen aus ihrem Winterschlaf. Davon profitieren beispielsweise auch die Landwirte, denn ihre Saat wird in diesem Jahr voraussichtlich früher hochkommen und kann geerntet werden. Gefährlich wird es dann, wenn die Temperaturen doch wieder fallen und der Frost zurückkehrt. Denn sind die Pflanzen erst aus dem Boden gebrochen, so verfügen sie über keinen effektiven Schutz mehr vor niedrigen Temperaturen und können durch den Frost zerstört werden. Die Rede ist hierbei von sogenannten Auswinterungsschäden, welche mitunter zu einem erheblichen Verlust der Ernte führen können. In den letzten wärmeren Wintern ist diese Rechnung laut des Warum Magazins allerdings stets für die Bauern aufgegangen, die sich über einen steigenden Flächenertrag freuen durften.

Zudem müssen die Pflanzen im kommenden Frühjahr mit deutlich mehr Blattläusen zurechtkommen, da diese das Klima sehr gut überstehen und sowohl Winterweizen als auch -gerste mit dem Gelbverzwergungsvirus infizieren könnten.

Der milde Winter – ein typisches Vorzeichen des Klimawandels?

Sei es der milde Winter, Starkregen oder heftige Gewitter im Sommer: die Erderwärmung betrifft mittlerweile jeden und ist deutlich spürbar, wenn auch hierzulande nicht unbedingt heftig. Das vergangene Jahr wird als das wärmste in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 betrachtet, so ein Artikel der Apotheken-Umschau. Demnach lagen die Durchschnittstemperaturen bei 10,3 Grad und auf milde, nahezu frostfreie Wintermonate folgte ein angenehmer Frühling. Einerseits folgten warme Sommermonate, andererseits gab es aber auch immer wieder Sturmtiefs, die zu heftigen Gewittern und starken Regenfällen führten. Kurzum: das Wetter verändert sich zusehends und wird in allen Facetten ein wenig extremer, so scheint es. Meteorologen wie Thomas Deutschländer vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach können sich vorstellen:

„In Zukunft könnten häufiger solche Jahre erlebt werden: Auf einen milden, oft auch feuchten Winter folgt ein etwas trockenerer Sommer, der jedoch von heftigen Gewittern und starken Regenfällen unterbrochen wird.“

Grund dafür ist die stetige Erderwärmung, wobei die große Mehrheit der Wissenschaft davon ausgeht, dass der Mensch diesen Anstieg enorm beeinflusst hat. Zu befürchten ist außerdem, dass diese Wetterextreme noch weiter zunehmen. Denn durch die immer höheren Temperaturen verdunstet mehr Wasser und es befindet sich mehr Wasserdampf in der Atmosphäre. Dies bringt häufigeren und stärkeren Regen mit sich. Auch die Anzahl und Stärke von Stürmen könnte zunehmen. Im speziellen Fall von Deutschland gilt, dass künftig eine starke Erwärmung in Süddeutschland erwartet wird, bis zum Ende des Jahrhunderts wird mit einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2,5 bis 3,5 Grad Celsius gerechnet.

Bild 1: 87508834 – Spring snowdrop flowers with snow in the forest Image ID: 169193165 © butterfly-photos.org

Bild 2: Word-Grafik
Bild 3: 100352250 – four golden retriever dogs running outdoors in winter © ots-photo