Morddelikte in Dresden um mehr als das Fünffache angestiegen

Kriminalstatistik 2010 liegt vor – besonders Auto- und Fahrraddiebstähle sowie Kellereinbrüche haben deutlich zugenommen. Insgesamt gab es über 7 Prozent mehr Straftaten als im Jahr zuvor. +++

Polizeipräsident Dieter Hanitsch (55), Leiter der Polizeidirektion Dresden, zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2010: „Auch in diesem Jahr gibt es einen Anstieg bei den Eigentumsdelikten. Neben den Kfz-Diebstählen haben insbesondere Kellereinbrüche und Fahrradiebstähle deutlich zugenommen. Ein Beispiel für gute Arbeit war die kurzfristige Erweiterung unserer Mordkommission im Dezember 2010. Dadurch konnten wir bereits innerhalb eines Monats alle drei Tötungsdelikte aufklären.“

Eckpunkte der Kriminalitätsentwicklung

In der Landeshauptstadt Dresden mussten 2010 insgesamt 47.403 Straftaten erfasst werden und damit 3.198 (7,2 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die Häufigkeitszahl, die angibt wie viele Straftaten rechnerisch auf 100.000 Einwohner entfallen, stieg 2010 auf 9.168 (2009: 8.630).

Insgesamt 25.976 Straftaten (2009: 24.390) konnten aufgeklärt werden. Mit 54,8 Prozent (2009: 55,2 Prozent) ist die Gesamtaufklärungsquote leicht gesunken. Die Zahl der Opfer von Straftaten stieg auf 5.151, das sind 1,2 Prozent mehr als 2009 (5.091). 61,0 Prozent waren männlichen, 39,0 Prozent weiblichen Geschlechts. Die meisten Opfer waren erwachsen (3.835). Unter den 1.316 nichterwachsenen Opfern befanden sich 404 Kinder, 353 Jugendliche und 559 Heranwachsende. 303 Opfer einer Straftat waren 60 Jahre oder älter.

Der durch Kriminalität entstandene finanzielle Schaden betrug 64,1 Millionen Euro (2009: 48,2 Mio. Euro). Von den 16.621 ermittelten Tatverdächtigen (2009: 15.557) waren 72,6 Prozent männlichen und 27,4 Prozent weiblichen Geschlechts. Erfreulicherweise ging die Zahl nichterwachsener Tatverdächtiger weiter zurück. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger nahm um 356 auf 2.005 zu, was einem Anteil von 12,1 Prozent entspricht. 

Herausragende Veränderungen zum Vorjahr

Zunahme der Mord- und Totschlagdelikte

Die Fallzahlen im Deliktbereich Mord sind 2010 auf 22 angestiegen. Alle Fälle sind aufgeklärt (2009: 4; geklärt 4). Mit zehn Fällen sind die Fallzahlen bei den Delikten Totschlag und Tötung auf Verlangen leicht angestiegen (2009: 8).
Die Zunahme der Fallzahlen im Deliktbereich Mord ist im Wesentlichen auf mehrere versuchte und vollendete Morde in Dresden (insgesamt 19 Fälle) zurückzuführen. Dabei wurde einer Krankenschwester vorgeworfen, über einen längeren Zeitraum (ca. 7 Jahre) Personen aus ihrem näheren Umfeld durch Arzneimittel und sonstige pharmazeutische Erzeugnisse an ihrer Gesundheit geschädigt zu haben, um sich u. a. zu bereichern.

Zunahme der Diebstähle

Mit 41 Prozent machen Diebstahlsdelikte den Hauptteil an der Gesamtkriminalität in Dresden aus. In diesem Bereich ist ein Anstieg auf 19.283 Fälle (2009: 17.667) zu verzeichnen. Sie setzten sich zusammen aus 9.219 Diebstähle ohne erschwerende Umstände und weitere 10.064 besonders schwere Diebstähle. Die Aufklärungsquote stieg auf 31,5 Prozent.
Neben den Eigentumsdelikten im Zusammenhang mit Kraftfahrzeugen und Ladendiebstählen stellen auch weiterhin 2.713 Fahrraddiebstähle (2009: 2.243) und 2.507 Diebstähle aus Böden und Kellern (2009: 1.794) Schwerpunkte im Bereich der Eigentumskriminalität dar.

Kriminalität rund ums Kfz bleibt weiter ein Schwerpunkt

Ein weiterer Anstieg ist im Bereich der Diebstähle rund ums Kfz zu verzeichnen. Im Vorjahr wurden insgesamt 1.081 Fahrzeuge (2009: 893) in Dresden gestohlen oder versucht zu stehlen (siehe Abbildung 5). Diebstähle in/aus Kfz sind mit 1.168 Fällen (2009: 1.920) rückläufig (vgl. Abbildung 6). Das gilt auch für Diebstähle von motorisierten Zweirädern (2010: 195; 2009: 225). Die Fallzahlen Diebstähle an Kraftfahrzeugen sind gestiegen (2010: 809; 2009: 720).

Sozialleistungsbetrug

In Folge eines gesteigerten Anzeigeverhaltens der Jobcenter ist für den Bereich des Sozialleistungsbetruges ein Anstieg auf 1.304 Fälle zu verzeichnen (2009: 316). Hierbei entstand ein Schaden von 1,1 Millionen Euro. 

Ausgewählte Kriminalitätsbereiche

Rauschgiftkriminalität

Im Jahr 2010 stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte minimal auf 917 (2009: 910). Die Aufklärungsquote betrug 92,4 Prozent. Die Dresdner Polizei ermittelte 795 Tatverdächtige (2009: 797). Im Bereich der Polizeidirektion Dresden wurden im Jahr 2010 vier Drogentote (2009: 5) registriert. Im Rahmen der Ermittlungsverfahren wurden unter anderem ca. 16 Kilogramm Marihuana und 325 Gramm Chrystal sichergestellt.

Gewaltkriminalität

Die Zahl der Gewaltstraftaten sank minimal auf 1.038 (2009: 1.084). Bei einer Aufklärungsquote von 69,4 Prozent sind 886 Tatverdächtige ermittelt (2009: 1.000) worden. 67,2 Prozent (698 Fälle; 2009: 703) aller registrierten Gewaltdelikte waren gefährliche und schwere Körperverletzungen. Weitere 28,1 Prozent (292 Fälle; 2009: 341) bildeten die Raubdelikte. Mord- und Totschlagdelikte haben einen Anteil von 3,1 Prozent (32 Fälle; 2009: 12).

Wirtschaftskriminalität

Die Wirtschaftskriminalität stieg auf insgesamt 711 Delikte (2009: 659) an. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich betrug 97,3 Prozent. 358 Tatverdächtige wurden ermittelt. Der finanzielle Schaden betrug rund 34 Millionen Euro (2009: 24 Mio. Euro). 30 Millionen Euro sind darunter infolge von Insolvenzstraftaten entstanden.

Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität sank leicht auf 10.846 Fälle (2009: 10.965). Die Aufklärungsquote lag bei 15,9 Prozent. Insgesamt wurden 1.682 Tatverdächtige ermittelt.

Massenkriminalität
 
Im Bereich des Ladendiebstahls ist eine Zunahme der Fallzahlen zu verzeichnen. 2010 wurden 4.073 derartige Fälle registriert (2009: 3.666). Es entstand ein Schaden von 256.452 Euro (2009: 240.197 Euro). Die Aufklärungsquote betrug im vergangenen Jahr 92,9 Prozent. Insgesamt wurden 2.903 Tatverdächtige ermittelt.

Die Fallzahlen von Leistungserschleichung stiegen leicht auf 4.620 an (2009: 4.564).

Quelle: Polizeidirektion Dresden

++
Immer aktuell informiert – mit dem DRESDEN FERNSEHEN Newsletter!