Museum im Stasi-Bunker Machern – gesonderte Öffnungszeiten

Am kommenden Dienstag und Mittwoch, von 13 – 16 Uhr finden Führungen durch die unterirdische Anlage statt. Die beiden Tage zwischen Weihnachten und Neujahr können genutzt werden, um an einem Rundgang durch die unterirdische Anlage im Naherholungsgebiet „Lübschützer Teiche“ bei Machern teilzunehmen.

Der von 1968 bis 1972 errichtete Bunker ist eine der wenigen erhaltenen Anlagen, deren Bausubstanz und Inneneinrichtung noch im Originalzustand besichtigt werden kann. Mit seiner heute fast vollständigen Einrichtung verdeutlicht das Museum die ausufernde Planung der Staatssicherheit auch für den sogenannten „Ernstfall“. Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ als ehemaliger Sitz der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit und das Museum im Stasi-Bunker bei Machern bilden eine bundesweit einmalige Gedenkstättenkombination.

Im „Ernstfall“ sollten zirka ¾ der Mitarbeiterschaft der Leipziger Bezirksverwaltung für Staatssicherheit und der dazugehörigen 13 Kreisdienststellen Ausweichobjekte östlich von Leipzig belegen. Vorgesehen waren vor allem Konsumgaststätten, aber auch ein Internat, ein Ferienlager oder ein Heimatmuseum. Die Anwohner oder Nutzer der Objekte wussten in der Regel nichts von diesen Plänen. Zur Umsetzung der Pläne und Belegung der Ausweichobjekte einschließlich des Bunkers kam es zum Glück nie.

Wer wissen will, welche weit reichenden Vorbereitungen die Leipziger Staatssicherheit für den Fall eines Krieges traf, kann dies bei einer Führung durch den Bunker erfahren. Über 20 Jahre bis 1989 stand der Bunker für den Leipziger Stasi-Chef und weitere 100 hauptamtliche Mitarbeiter bereit, um von hier aus die geheimpolizeiliche Tätigkeit weiterführen und den Macht- und Kontrollanspruch des SED-Regimes aufrechtzuerhalten. 5 Meter tief unter der Erde stand alles Notwendige zur Verfügung: im Bunker waren Nachrichtenverbindungen zum Regierungsnetz nach Berlin, Chiffriertechnik und komplette Versorgungssysteme installiert. Für 6 Tage waren die lebensnotwendigen Reserven ausgelegt, um in der als Ferienobjekt des VEB Wasserwirtschaft getarnten Anlage die Fäden in der Hand zu halten. Auch für den Fall eines Bürgerkrieges hätten all die Planungen zum Einsatz kommen können.

Aller Geheimhaltung zum Trotz wurde der ehemalige Stasi-Bunker bei Machern im Dezember 1989 – vor genau 21 Jahren – auf Initiative der Bürgerkomitees Leipzig und Wurzen entdeckt. Dass das MfS eine unterirdische Ausweichführungsstelle für den Ernstfall stets funktionsbereit hielt, hatte bis zu diesem Zeitpunkt keiner geahnt. Im September 1996 wurde das Museum im Stasi-Bunker eröffnet und kann seit dem regelmäßig besichtigt werden.

Die eineinhalb-stündige Führung durch den Bunker kostet 3,00 Euro (2,00 Euro ermäßigt). Gruppen können auch 2011 jederzeit einen gesonderten Termin für eine Führung durch das Museum vereinbaren.