Narrenhäusel spaltet die Gemüter

Dresden - Aktuell wird diskutiert, welcher architektonische Entwurf für das Narrenhäusel an der Augustusbrücke in Dresden realisiert wird. Am Nachmittag spitzte sich die Situation um das Bauwerk jedoch zu. 

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain sagte seine Teilnahme an der heute geplanten Gutachtersitzung zum Wiederaufbau des Narrenhäusels ab. Grund dafür ist, dass der Bauherr Frank Wießner die drei Entwurfsvarianten vorab an Medienvertreter zur Veröffentlichung übergeben hat. Der Bauherr benannte gegenüber den Medien auch bereits seine Vorzugsvariante. Die Sächsische Zeitung kündigt gleichzeitig an, dass SZ-Leser nun auch im Internet abstimmen können, welcher der drei Entwürfe ihnen am besten gefällt.

„Ich übe deutliche Kritik an dem von Herrn Wießner gewählten Vorgehen. Bei mir bleibt der Eindruck, dass auf die Meinung eines Gutachtergremiums offensichtlich kein Wert gelegt wird. Ich habe es noch nicht erlebt, dass ein Bauherr, der sich auf ein Wettbewerbsverfahren eingelassen hat, dieses dadurch zu beeinflussen versucht, dass er die Entwurfsvarianten vorher an die Öffentlichkeit gibt und sich auch noch öffentlich positioniert, welcher Entwurf aus seiner Sicht gewinnen müsse“, erläutert Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain seine Sicht. „Deshalb habe ich für mich entschieden, am heutigen Gutachtergremium nicht teilzunehmen“, so Schmidt-Lamontain weiter.

Der Bauherr Frank Wießner plant den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkriegs zerstörten Narrenhäusels an der Augustusbrücke. Grundsätzlich soll die historische Fassadenansicht, die es zum Zeitpunkt der Zerstörung gegeben hat, wiederaufgebaut werden. Zeitgenössische Nutzungsansprüche und Normen erfordern jedoch Abweichungen vom Original und bedürfen einer planerischen Auseinandersetzung. Vor allem größere Öffnungen für den optimalen Betrieb einer gastronomischen Einrichtung oder die Berücksichtigung der DIN zur Belichtung von Aufenthaltsräumen werden Veränderungen mit sich bringen. Außerdem muss die Nordfassade neu interpretiert werden, denn in der ursprünglichen städtebaulichen Konstellation schlossen an das Narrenhäusel in Teilen andere Gebäude bzw. Gebäudeteile und eine Treppenanlage an. Um die bestmögliche Lösung für diesen städtebaulich hochwertigen Standort zu finden, wurde der Bauherr aufgefordert, drei alternative Fassadenentwürfe in Auftrag zu geben. In einer Gutachtersitzung mit Vertretern der Gestaltungskommission soll über die drei Varianten befunden werden.