“Nathan der Weise“ in der Synagoge Dresden

Achtung Spielplanänderung am 24.09.2011, 19.30 Uhr: Auf Grund von Erkrankung im Schauspielensemble wird an Stelle von „Benefiz“ die Inszenierung „Nathan der Weise“ aufgeführt. +++

Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge: trotz des vorübergehenden Waffenstillstands beharren Muslime, Christen und Juden auf ihrer Vormachtstellung in der Stadt. Alle drei Religionen leiten ihr Recht vom hier zu findenden Ursprung ihres Glaubens ab. Zudem will niemand auf die durch den Ort verlaufenden, günstig gelegenen Handelswege verzichten. Täglich kann es wieder Krieg geben … In dieser Situation versucht Saladin, der muslimische Herrscher Jerusalems, einen reichen Juden mit seiner Frage nach der „wahren Religion“ in eine intellektuelle Falle zu locken, um später von ihm Geld leihen zu können. Nathans überraschende Antwort – die Parabel von den drei Ringen, in der er für ein gleichberechtigtes Nebeneinander der Religionen eintritt – ist zum bekanntesten Toleranzplädoyer der deutschen Literaturgeschichte geworden.

 Nathans Beispiel von gelebter Humanität und Respekt vor dem Fremden findet beim Hören und Lesen meist ungeteilte Zustimmung. Doch was bedeutet Toleranz heute, wenn in der Schweiz Minarette oder in Frankreich der Ganzkörperschleier verboten werden? Was sagen Angehörige von Opfern des 11. September, wenn in der Nähe von „Ground Zero“ eine Moschee entsteht und wie verkraften konfessionslose Eltern die Liebe ihrer Tochter zu einen Moslem? Wie verträgt sich gern gepredigte „absolute“ Toleranz mit einer Realität, die zunehmend von Tendenzen der Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit, Gleichgültigkeit und des Rassismus geprägt ist?

 Solange wir medial miterleben, dass täglich Menschen durch religiös gerechtfertigte Gewalt sterben, scheint es unumgänglich, sich auf die humanistischen Ideale der Aufklärung zu besinnen.

 An welchem Ort könnte dieser Versuch nachdrücklicher sein als an einem religiösen? Alle Vorstellungen der Inszenierung werden in Kirchen, Gemeindesälen von Synagogen oder in Räumen muslimischer Gebetshäuser stattfinden. Der sakrale Raum, in dem der Glaube an die Kraft des einen Ringes die Akzeptanz der anderen nicht ausschließt, könnte zum Sinnbild werden für eine offene Diskussion über die Freiheit des Geistes und die Toleranz kultureller und religiöser Überzeugungen.

Quelle: Landesbühnen Sachsen

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