Naturhistorische Sammlungen Dresden nach Frankfurt „vergeben“

Ab dem 1. Januar 2009 gehören die Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden und das Görlitzer Naturkundemuseum zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung mit Sitz in Frankfurt/Main. Darüber informiert Sachsens Kunstministerin Dr. Eva-Maria Stange heute im Anschluss an die Vertragsunterzeichnung.

„Mit dieser Fusion gewinnen alle Partner. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung erweitert ihr Forschungsspektrum vor allem auf dem Gebiet der Biodiversität, im Gegenzug werden die sächsischen Standorte vor allem in der internationalen Wahrnehmung gestärkt“, sagte Staatsministerin Dr. Stange. So biete die Bündelung und Stärkung der wissenschaftlichen Kernkompetenzen innerhalb des Senckenberg-Verbundes Vorteile bei der Einwerbung internationaler Forschungsmittel.

Die Fusion ist Teil einer nationalen Initiative, um in einem neuen Verbund ein breit gefächertes Forschungsmuseum von nationaler und internationaler Bedeutung zu schaffen. „Auch in der fusionierten Einrichtung gilt es, die sächsische Identität zu wahren, so bei Ausstellungsaktivitäten“, ergänzte Frau Dr. Stange.

Die Übertragung der beiden sächsischen Forschungsmuseen resultiert aus der wissenschaftlichen Zusammenarbeit der Einrichtungen. 2005 empfahl der Senat der Leibnizgemeinschaft eine Integration in die Senckenberg-Gesellschaft. Mit der Integration geht nun für die sächsischen Standorte die Aufnahme in die vom Bund und Ländern gemeinsam getragene Leibniz-Gemeinschaft einher.
Mit der Übertragung gehen die Arbeits- und Ausbildungsplätze ebenfalls zu Senckenberg über. Die Sammlungs- und Bibliotheksbestände bleiben – soweit sie bis zum 31. Dezember 2008 zum Bestand der sächsischen Einrichtungen gehörten – Eigentum des Freistaates Sachsen und werden an den Senckenberg-Verbund für Forschung, Lehre und Präsentation verliehen.

Hintergrund:

Staatliche Naturhistorische Sammlungen Dresden (SNSD):
Zu den Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen gehören das Museum für Mineralogie und Geologie und das Museum für Tierkunde. Beide Museen stehen in der Tradition der kurfürstlich sächsischen Naturalienkammer. Zum 1. Juli 2000 wurden das Museum für Mineralogie und Geologie mit dem Museum für Tierkunde zu den „Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden“ (SNSD) zusammengefasst. Ein deutlicher Schwerpunkt der SNSD liegt in der Forschung.
Die Sammlung des Museums für Mineralogie und Geologie umfasst ca. 500.000 Gesteine, Mineralien und Fossilien sächsischer Fundorte. Die Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Mineralogie, Petrographie und Paläontologie.
Die Sammlungen des Museums für Tierkunde Dresden umfassen über sechs Millionen Objekte. Schwerpunkte sind Wirbeltiere und Insekten. Die Bibliothek des Museums ist mit 60.000 Bänden und 60.000 sonstigen Einheiten die größte zoologische Fachbibliothek Sachsens. Die wissenschaftliche Arbeit des Museums umfasst Arbeiten auf dem Gebiet der Taxonomie, der Tiergeographie, der Ökofaunistik und der Fauna und Wissenschaftsgeschichte Sachsens.

Staatliches Museum für Naturkunde Görlitz:
Das Staatliche Museum für Naturkunde Görlitz besitzt eine der bedeutenden Forschungssammlungen in Deutschland. Die Hauptforschungsrichtung liegt auf dem Gebiet der Bodenbiologie. Darüber hinaus gibt es die traditionellen Bereiche Zoologie, Botanik und Geologie. Hier werden Millionen Insekten, Tausendfüßer, Milben, Schnecken, Muscheln, Wirbeltiere, Pflanzen und Pilze sowie tausende von Mineralien, Gesteinen und Fossilien aufbewahrt, präpariert und wissenschaftlich bearbeitet.
Am 10. April 1811 gründete J. G. Kretzschmar die „Ornithologische Gesellschaft zu Görlitz“, die sich am 13. Mai 1823 in „Naturforschende Gesellschaft zu Görlitz“ umbenannte. 1855 – 1860 baute die Naturforschende Gesellschaft für ihre Sammlungen ein Museum. 1860 bezog die Gesellschaft das eigene Haus, das jetzige Naturkundemuseum, und begann mit Ausstellungen und Vortragstätigkeit.
Heute ist das Museum ein Ort der Informationsvermittlung über die Natur und eine Institution der Wissenschaft, in der aktiv geforscht wird.

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Der Name „Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung“ würdigt den Arzt und Naturforscher Dr. Johann Christian Senckenberg (1707-1772). Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) ist Träger der Senckenberg Forschungsinstitute und Naturmuseen und föderal organisiert mit Standorten in Hessen, Thüringen, Niedersachsen und Hamburg – und seit 1.1.2009 auch mit Standorten in Sachsen und Brandenburg. Das Haupthaus – und gleichzeitig die größte Einheit – befindet sich in Frankfurt a. M., wo auch die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung 1817 (unter dem Namen „Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft“) gegründet wurde. Seine wissenschaftlichen Sammlungen gehören mit etwa 20 Mio. Objekten zu den größten in Deutschland. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Meeresforschung und die Paläontologie. Die Forschungsstationen bilden zusammen mit dem Stammhaus ein Forschungsnetzwerk, das nicht an Abteilungsgrenzen halt macht. So werden alle großen Forschungsthemen interdisziplinär an allen Standorten bearbeitet. Das Senckenbergmuseum in Frankfurt ist eines der großen Naturkundemuseen in Deutschland und zeigt auf 7000 qm die heutige Vielfalt des Lebens (Biodiversität) und die Entwicklung der Lebewesen (Evolution) sowie die Verwandlung unserer Erde über Jahrmillionen hinweg. Neue Forschungsergebnisse aus allen Bereichen der Biologie, Paläontologie und Geologie werden vorgestellt.

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