Neonazi-Demo blieb aus – Bilanz vom Protest-Wochenende in Leipzig

Ein turbulentes Wochenende liegt hinter unserer Stadt und somit auch hinter den Leipzigern. Alle Infos zum Samstag und die daraus folgenden Konsequenzen haben wir für Sie noch einmal zusammengefasst. +++

Leipzig am 20. August 2011. Ein ganz normaler, sonniger Tag in einer ganz normalen, sonnigen Stadt… könnte man meinen.

Gut, OK, Das Polizeiaufgebot am Hauptbahnhof war am vergangenen Samstag etwas höher als gewohnt und… eines der bekannteren Wahrzeichen zeigte bereits seit einigen Tagen Flagge. OK, vielleicht war am Wochenende nicht alles ganz genau so, wie immer.

Denn was man auf den, relativ ruhigen, Straßen nicht vermutete, zeigte sich beim ein oder anderen Blick in die Sozialen Netzwerke Facebook und Twitter. Der Leipziger Aktivist Mike Nagler erklärte per Facebook die Situation:

„Guten Morgen – das OVG Bautzen hat es tatsächlich durchgezogen – die Versammlungen (alle) dürfen nicht statt finden. Totales Demonstrations- und Versammlungsverbot – das heißt: Offiziell geht am Hauptbahnhof gar nix – auch keine Nazikundgebung. Wir bleiben aber erst mal in der Spur – und wenn dem so sein sollte – treffen wir uns (herzliche Einladung) 11 Uhr im Volkshaus, Innenhof, Karl-Liebknecht-Straße 32, Südvorstadt.“

Kurz darauf meldeten sich auch andere bekannte Leipziger mit eigenen Berichten von dem, was da in Leipzig verboten wurde.

Egal ob bei der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar, der LINKE Stadträtin Juliane Nagel oder dem Leipziger GRÜNE-Vorstand Jürgen Kasek: Jetzt verabredeten sich die Neonazigegner im Hinterhof des Volkshauses zur Alternativ-Kundgebung. Man wollte sich das Demonstrieren gegen Rechts nicht einfach so verbieten lassen.

Jürgen Kasek – nicht nur als GRÜNER sondern auch als Anwalt bekannt – bewertete die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts schlichtweg als…. falsch.

Interview mit Jürgen Kasek

Während auch die NPD-Anhänger über Twitter dazu aufriefen, sich außerhalb der Stadt an einem neuen Versammlungsort zu treffen, meldeten deren Gegner eine neue Demonstration an – mit Erfolg.So ging es für Kasek, Nagel, Lazar und Co. unter Trommelschlägen vom Südplatz zur MB – ganz ohne Gewalt.

Und dennoch fühlte man sich offenbar betrogen, denn Medienberichten zufolge möchten Anhänger von Kirche, Parteien und Vereinen nun gegen die vorherige Verbotsaussprache mit einer Verfassungsbeschwerde vorgehen.

Wo genau sich die Neonaziszene am Samstag versammelte, soll an dieser Stelle nicht geklärt werden. Das Aktionsbündnis Leipzig nimmt Platz jedenfalls konnte einen Erfolg erzielen. Oder, um es mit Jürgen Kaseks Worten zu… zwitschern…
„kundgebung am platz vor der moritzbastei, ungefaehr 400 menschen und es ist friedlich“