Neue Kindergrabanlage für St.-Pauli-Friedhof

Der St. Pauli-Friedhof im Hechtviertel erhält demnächst eine neue Grabanlage für 225 Säuglinge und Kleinkinder von Zwangsarbeiterinnen. Die Kinder starben von 1943 bis 1945 in der sogenannten Ausländerkinder-Pflegestätte in Hellerberge. +++

Der Verein Jugend Arbeit Bildung e. V. stellt am heutigen Donnerstag den Gestaltungsentwurf für die Grabanlage für 225 Säuglinge und Kleinkinder von osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen auf dem St.-Pauli-Friedhof vor.

„Insbesondere der Gedanke, die Individualität jedes einzelnen Kindes hervorzuheben, fand sich in fast allen Entwürfen wieder“, berichtet Detlef Thiel, Amtsleiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft.

Jedes Kind soll eine kleine, individuell gestaltete Tafel aus modellierbarem Kunststein erhalten, auf der Name und Lebensdaten festgehalten werden. Diese Tafeln werden aneinandergefügt einen etwa 90 Meter langen Fries ergeben und damit die Größe der Grabstätte und die Dimension der Geschehnisse verdeutlichen.

Der Karton, welcher statt eines Sarges zur Beerdigung diente, wird von den Jugendlichen als Gestaltungselement aufgegriffen. Einige solcher Kartons werden nachgestaltet und zu einer Skulptur zusammengefügt, auf der ein Text über das Schicksal der Kinder Platz findet.

Im Fokus steht nun die Umsetzung. Interessierte aller Generationen werden herzlich eingeladen, sich einzubringen und eine Tafel oder mehrere Tafeln für die verstorbenen Kinder zu gestalten.

Wer sich beteiligten möchte, meldet sie sich bitte telefonisch oder per E-Mail bei Annika Dube-Wnḝk, E-Mail: sopa3@jab-dd.de oder Telefon (01 52) 23 42 58 45, (03 51) 2 89 25 28) an. Sie koordiniert und leitet gemeinsame Treffen an.

Konkrete Termine stehen noch nicht fest, sollen aber ab November angeboten werden. Finanziert wird die Umsetzung durch Bundesfördermittel für Kriegsgräber. Die neu gestaltete Kindergrabanlage soll 2015, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus eingeweiht werden.

Auf dem Dresdner St.-Pauli-Friedhof befindet sich ein Sammelgrab für 225 Kinder von ehemaligen osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen. Die Säuglinge und Kleinkinder starben von 1943 bis 1945 aufgrund mangelhafter Ernährung und unzureichender Pflege in der sogenannten Ausländerkinder-Pflegestätte in Hellerberge.

Derzeit weist nur ein Stein mit der Inschrift: „Hier ruhen Kinder der Bürger der polnischen Republik und Kinder der Bürger der U.D.S.S.R 1939 – 1945“ auf das Schicksal der Kinder hin. Der überwiegende Teil der Grabstätte ist als solche nicht zu erkennen.

Schülerinnen und Schüler verschiedener Dresdner Schulen haben sich mit diesem relativ unbekannten Kapitel der Stadtgeschichte beschäftigt und Entwürfe zur Neugestaltung der Grabanlage erarbeitet. Diese Entwürfe stellten sie am 27. Mai 2014 auf dem St.-Pauli-Friedhof vor. Jetzt geht es um die Umsetzung eines gemeinsamen Entwurfes. Informationen: www.zwangsarbeiterkinder-dresden.de

Quelle/Bildquelle: Landeshauptstadt Dresden