Neue Stolpersteine werden verlegt

Am Dienstag und Mittwoch werden in Chemnitz weitere 15 Stolpersteine verlegt – Zeichen der Erinnerung an Opfer des NS-Regimes.

Verlegung durch Gunter Demnig, Künstler und Initiator der Stolpersteine-Aktion, beginnt am Dienstag, 18. Oktober, 16 Uhr, in Anwesenheit von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig am Wohnort von Max Schindler (1880-1938) in der Horststraße 10a.

Am Dienstagnachmittag (18. Oktober) sowie am Mittwochvormittag (19. Oktober) werden 15 Steine an zehn Orten in Chemnitz verlegt und damit an einst jeweils an Ort und Stelle lebende und wohnhafte Bürger der Stadt erinnern.

In Anwesenheit von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wird Gunter Demnig am Dienstag, 18. Oktober, 16 Uhr, vor dem Haus Horststraße 10a den an diesem Tag ersten Stein verlegen – erinnern wird der Stein an Max Schindler (1880-1938), der hier einst lebte und wohnte.

Teil 1 der Verlegung findet am Dienstag, 18. Oktober ab 16 Uhr statt, Teil 2 der Verlegung am Mittwoch, 19. Oktober ab 08:30 Uhr

Verlegung am Dienstag, 18. Oktober:

16:00 Uhr: In der Horststraße 10a wird ein Stolperstein an den Schauspieler Max Schindler (Jahrgang 1880) erinnern: Er wurde während des Novemberpogroms 1938 von den Nationalsozialisten verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ genommen und starb am 2. Dezember 1938 im Konzentrationslager Buchenwald.

16:30 Uhr: In der Eulitzstraße 15 werden drei Stolpersteine für Angehörige der hier einst wohnenden Familie Pfifferling verlegt: Karl Pfifferling und seine Frau Elsa Pfifferling geborene Friedrich, beide Jahrgang 1890 – beide wurden im Mai 1942 deportiert und im Ghetto Belzyce bei Lublin ermordet. (Das Ghetto war in der polnischen Stadt von den Deutschen während des 2. Weltkrieges eingerichtet worden.) Sohn Edgar Pfifferling, Jahrgang 1917, wurde 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Zwei Töchter konnten 1939 aus Deutschland emigrieren.

16:50 Uhr: In der Rudolf-Bretscheid-Straße 4 wird ein Stolperstein an den Kapellmeister Erich Kohnke (Jahrgang 1900) erinnern: Er flüchtete vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten 1938 nach Holland, wurde im sogenannten Durchgangslager (KZ-Sammellager) Westerbork interniert, 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und hier am 23. September 1943 ermordet.

17:15 Uhr: Am ehemaligen Antonplatz 15 (heute: Käthe-Kollwitz-Straße/Karl-Liebknecht-Straße) wird ein Stolperstein verlegt. Dort befand sich von 1940 bis 1943 das Jüdische Altersheim. Mit dem Stein wird an den kaufmännischen Vertreter Hermann Rosenthal, Jahrgang 1879, erinnert, der im Mai 1942 in das Ghetto Belzyce verschleppt und dort ermordet wurde.

17:45 Uhr: In der Brauhausstraße 1 werden drei Stolpersteine verlegt und an hier lebende, im Mai 1942 deportierte und im Ghetto Belzyce ermordete Chemnitzer Bürger erinnern – an die drei Schwestern Elsa Hartmann, Jahrgang 1885, Grete Hartmann, Jahrgang 1883 und Nani Hartmann, Jahrgang 1879. Für ihren im Februar 1941 im Konzentrationslager Dachau ermordeten Bruder Hans Hartmann war bereits im Juni 2010 ein Stolperstein verlegt worden.

18:10 Uhr: In der Zschopauer Straße 85/Ecke Ritterstraße wird ein Stolperstein an den Geschäftsinhaber Hirsch Leib Elstein (Jahrgang 1889) erinnern: Er flüchtete vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten 1939 nach Belgien, wurde in Mechelen interniert, 1942 deportiert und am 30. September 1942 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

18:30 Uhr: In der Senefelder Straße 12 wird ein Stolpersein an den Händler Israel Miller, Jahrgang 1886, erinnern – er wurde 1936 wegen so genannter Rassenschande verhaftet und in das Zuchthaus Waldheim gebracht. Nach seiner Entlassung wurde er 1939 des Landes verwiesen und 1942 in Lublin ermordet.

Verlegung am Mittwoch, 19. Oktober:

08:30 Uhr: In der Kreherstraße 75 wird ein Stolperstein an Albert Hähnel (Jahrgang 1903) erinnern: Der antifaschistische Widerstandskämpfer wurde von den Nationalsozialisten mehrfach verhaftet, zuletzt 1944 von der Gestapo Chemnitz und am 27. März 1945 in Neukirchen erschossen.

09:00 Uhr: In der Hofer Straße 4 wird ein Stolperstein an die Lehrertochter Elisabeth Voigt (Jahrgang 1887) erinnern, die ein Opfer der nationalsozialistischen Euthanasieverbrechen wurde: Aufgrund ihrer Erkrankung wurde Elisabeth Voigt 1929 in die Heil- und Pflegeanstalt Zschadrass eingewiesen. Von dort wurde sie am 15. August 1940 in eine der NS-Tötungsanstalten, nach Pirna-Sonnenstein gebracht und hier noch am selben Tag bei der „Aktion T4“ ermordet.

09:30 Uhr: In der Fürstenstraße 12 werden zwei Stolpersteine verlegt: Ein Stein wird an Moritz Zudkowitz (Jahrgang 1891) und ein weiterer an seine Frau Masza Zudkowitz geborene Malinski (Jahrgang 1897). Die Eheleute, die die polnische Staatsangehörigkeit besaßen, wurden Ende Oktober 1938 im Rahmen eines landesweiten Aktion nach Polen ausgewiesen und 1942 im Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) ermordet.