Neues Domizil für Stadtarchiv in Halle 12 der Alten Messe

Der ehemalige sowjetische Pavillon ist
aus Sicht der Stadtverwaltung der geeignetste Standort für das
Stadtarchiv. Ein Angebot der Leipziger
Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft hat
sich als das günstigste
herausgestellt. +++

Die Unterbringung des Stadtarchivs, das derzeit in der Torgauer Straße 74 seinen Sitz hat, ist seit mehreren Jahren ein Thema für Verwaltung und Stadtrat. Am 9. Februar 2011 hatten die Stadträte einen Planungs- und Finanzierungsbeschluss zum Neubau des Stadtarchivs auf einem städtischen Grundstück (BS/RBV V-676/11) gefasst. Aufgrund des Auftrages und der Besonderheit des Stadtarchivs als Gedächtnis der Stadt hatten sie sich nach vielen Diskussionen für einen Neubau durch die Stadt entschieden. Aber angesichts der Priorität, die den für dringend notwendigen Investitionen für neue Schulen und Kindertagesstätten eingeräumt wird, kam die Stadtverwaltung 2012 zu dem Schluss, lieber geeignete Räume langfristig zu mieten, wobei die Option auf einen späteren Kauf des Objektes ausdrücklich offen gehalten wurde.

An den neuen Standort des Stadtarchivs werden eine Reihe von Anforderungen gestellt. So soll er sich in zentraler Lage befinden und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein, eine ausreichende Anzahl von Besucherparkplätzen und Fahrradabstellplätzen bieten und bei Bedarf auch baulich erweiterungsfähig sein. Benötigt werden rund 6.000 m² Nutzfläche, davon 4.000 m² für die Magazine. Für die Magazinbereiche ist eine Deckentraglast von 1.200 bis 1.500 kg/m² erforderlich. Ferner muss gewährleistet sein, dass optimale klimatische Werte (16 bis 18 Grad Celsius, 45 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, Schadstoff-Freiheit) durch einen möglichst geringen Einsatz von Technik erreicht werden können.

Im Laufe des Verfahrens hat die Stadtverwaltung insgesamt 18 Angebote geprüft, von denen sechs in die engere Wahl kamen. Das von der LEVG unterbreitete Angebot ist nach Maßgabe der genannten Kriterien und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten das beste . Zu seinen Gunsten spricht auch die Tatsache, dass es sich bei der Messehalle 12 um eine städtische Immobilie handelt, auch wenn diese sich gegenwärtig in der Verfügungsgewalt der LEVG befindet. Die Unterbringung des Stadtarchivs auf dem Gelände der Alten Messe leistet einen Beitrag zur Entwicklung dieses wichtigen innerstädtischen Areals. Der Standort ist zentral gelegen, so dass das Stadtarchiv von Leipziger und auswärtigen Nutzern als Gedächtnis der Stadt und als moderne Dienstleistungseinrichtung wahrgenommen werden kann.

Die Halle 12 ist in den Jahren 1923 und 1924 nach einem Entwurf des Architekten Carl Crämer errichtet worden und diente zunächst aus Ausstellungsfläche der Maschinenindustrie. 1950-52 wurden Fassade und Innenraum nach dem Vorbild Moskauer Bauten der 1930er Jahre zum sowjetischen Pavillon umgebaut und der heute noch sichtbare Turm errichtet.

1977 erhielt die Hauptfassade die heutige Gestaltung. Die Grundkonstruktion der ursprünglichen Halle ist erhalten geblieben. Seit der letzten Frühjahrsmesse 1996 dient das Bauwerk nur noch eingeschränkt als Lagerfläche. Halle und Portikus stehen unter Denkmalschutz.

Der Umzug des Stadtarchivs in dieses herausragende Baudenkmal wäre ein Gewinn für Leipzig. Mit ihm würde die Halle 12 nachhaltig genutzt und bliebe der Öffentlichkeit erhalten. Besucher des Stadtarchives könnten ein markantes Stück Leipziger Baugeschichte erleben. Die Messehalle 12 ist für die Unterbringung dieser Einrichtung ausgesprochen geeignet. Das Atrium bietet sich als Lesesaal an. Der große, massive Baukörper des Portikus der Messehalle des ehemaligen sowjetischen Pavillons hat gute Voraussetzungen für die Unterbringung von Werkstätten und Verwaltungseinrichtungen, während die Magazine für die Archivalien in einem Teilbereich der eigentlichen Halle einen modernen Neubau erhalten, um optimale Lager- und Arbeitsbedingungen zu sichern. 

Der Stadtrat wird am 16. Juli grundsätzlich darüber entscheiden, ob der ursprüngliche Beschluss ? Eigenbau der Stadt selbst auf dem Barnet-Licht-Platz in der unmittelbaren Nähe des Technischen Rathauses ?

aufgehoben wird und dafür Verhandlungen mit der LEVG über das Mietangebot aufgenommen werden. Damit würde der Weg zu einem zukunftssicheren Standort für das Stadtarchiv geebnet werden. +++