Nur jeder vierte Baum ohne erkennbare Schäden

Dresden/Coswig - Hohe Temperaturen und lang anhaltende Trockenheit sorgten zu einer massiven Vermehrung der Borkenkäfer. Diese sind unter anderem der Grund, dass bereits jetzt die Gesamtschadholzmenge im sächsischen Wald bei 2,6 Millionen Kubikmeter liegt. Zusätzlich zerstörten knapp 150 Brände den Wald im Freistaat.

»Die verheerenden Waldschäden haben sich im Jahr 2019 leider unvermindert fortgesetzt«, sagte Staatsminister Thomas Schmidt am Donnerstag bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes 2019 im Forsthaus Kreyern in Coswig (Landkreis Meißen). »Die Situation ist sogar schlimmer geworden. Inzwischen ist nur noch jeder vierte Baum in Sachsens Wäldern ohne erkennbare Schäden. Die sächsischen Wälder erleben die größten Borkenkäferschäden seit dem Zweiten Weltkrieg. Bereits jetzt liegt die Gesamtschadholzmenge im sächsischen Wald bei 2,6 Millionen Kubikmeter. Davon entfallen mehr als eine Million Kubikmeter auf den Privat- und Körperschaftswald«, so Staatsminister Schmidt. »Die Sanierung der betroffenen Waldflächen muss konsequent fortgeführt und das Niveau weiterer Schäden möglichst gering gehalten werden. Ich danke allen Akteuren, insbesondere den Forstleuten und Waldbesitzern, für ihre immensen Anstrengungen in diesem Jahr.«

Den Wald an den laufenden Klimawandel durch den Umbau in stabile, arten- und strukturreiche Mischwälder anzupassen, gewinne durch die aktuelle Situation noch mehr an Bedeutung. »Deswegen hat der Freistaat Sachsen in diesem Jahr die bisherigen Förderangebote zum Waldumbau ausgebaut sowie eine Unterstützung im Bereich Waldschutzmaßnahmen für die Waldbesitzer neu etabliert«, sagte Staatsminister Schmidt. So sind für das Jahr 2019 zusätzliche Mittel in Höhe von 4,5 Millionen Euro bereitgestellt worden. Damit können neben der notwendigen Wiederbewaldung unter anderem die Borkenkäferüberwachung und -bekämpfung, die notwendige Holzabfuhr aus dem Wald und das Anlegen von Holzlagerplätzen unterstützt werden. Im kommenden Jahr wollen Bund und Freistaat weitere zehn Millionen Euro insbesondere für die Förderung des Waldumbaus bereitstellen. »Auf zwei Sachsenwaldkonferenzen haben wir zudem gemeinsam mit Vertretern der Waldbesitzer und Naturschutzverbände, der Holzwirtschaft und Verwaltung, der Forstunternehmer nach Lösungen gesucht, an einem Strang gezogen und einen Katalog mit Maßnahmen aufgestellt, mit denen wir unseren Wald fit für die Zukunft machen können.«

»Hohe Temperaturen und lang anhaltende Trockenheit beeinträchtigen die Vitalität aller Baumarten, aber besonders Fichten und Kiefern haben aufgrund der vorjährigen extremen Belastungen gelitten. Die Bedingungen für eine massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern waren noch nie so gegeben, wie in diesem Jahr: Geschädigte und geschwächte Bäume bieten hervorragende Brutmöglichkeiten«, sagte Landesforstpräsident Utz Hempfling. Die Witterung hat eine schnelle Entwicklung der Käfer befördert und teilweise drei Käfergenerationen innerhalb eines Jahres ermöglicht. Zudem ist die Käferpopulation über die Jahre stark angewachsen. Der stärkste Befall wurde in den Landkreisen Görlitz, Mittelsachsen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge registriert. »Aber nicht nur die Borkenkäferpopulation wird durch die anhaltende Trockenheit begünstigt, auch das Risiko für Waldbrände. Allein im Jahr 2019 wurden 145 Brände in Sachsen auf einer Gesamtfläche von 41 Hektar gezählt – der größte Brand auf 25 Hektar im Naturschutzgebiet ‚Gohrischheide und Elbterrasse Zeithain‘ war besonders erschütternd«, sagte Hempfling. »Viele Menschen, Schulklassen, Unternehmen, und Vereine bieten den Forstleuten und Waldbesitzenden ihre Unterstützung bei der Mammutaufgabe an, den Wald zu erhalten und zukunftssicher zu machen. Sie spenden für Aufforstungen, wollen beim Pflanzen des Zukunftswaldes helfen oder sammeln Eicheln zum Säen«, so Hempfling. »Deswegen wird der Staatsbetrieb Sachsenforst gemeinsam mit anderen forstlichen Akteuren eine Initiative unter dem Motto ‚Wir.Schaffen.Sachsens.Zukunftswald!‘ starten. So sollen die vielen Waldinteressierten die Möglichkeit erhalten, sich im und für den Wald zu engagieren.«