Offener Brief zur Diskussion zur „Porta-Ansiedlung“

Hier der komplette Inhalt des Offenen Briefes von Dr. Dieter Füsslein, stellv. FDP Fraktionsvorsitzender, an die Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, im Zusammenhang mit der gescheiterten Ansiedlung des Möbelhauses Porta und den anstehenden Aufgaben der Innenstadtentwicklung.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig,

die Diskussion um die Porta-Ansiedlung hat meines Erachtens zwei
Aufgaben verdeutlicht:

1. Der Punkt des Archimedes

Das vorrangigste städtebauliche Ziel ist die Weiterentwicklung des
Johannisplatzes zwischen Straße der Nationen, Brückenstraße und
Bahnhofstraße.
Dies ist für unsere Stadtentwicklung der Punkt, nach dem Archimedes
einst verlangte!

Mit den leer stehenden Gebäuden Rawema, Landeszentralbank, dem
aufwändig sanierten aber nahezu leeren Sparkassengebäude, der
schleppenden Entwicklung des ehemaligen Schockens, den Brachflächen an
der Bahnhofstraße steht ein riesiger Handlungsbedarf im Stadtumbau und
der Innenstadtentwicklung an.

Chemnitz hat lediglich 11 Prozent, das sind 60.000 qm, Einzelhandelsfläche
in der Innenstadt, das Chemnitz-Center in Röhrsdorf nahezu 100.000 qm
Einzelhandelsfläche.

Die Ungleichgewichte zwischen außen und innen sind erheblich,
Flächenpotenziale am Johannisplatz sind zum Ausgleich vorhanden. Die
Ansiedlung von Saturn in der Galerie Roter Turm hat die City sichtlich
gestärkt. Sie war möglich, weil ich vor 8 Jahren gegen den Rat der
Finanzpartner mich entschied, statische und haustechnische Vorsorge
für eine Aufstockung der Galerie trotz „unrentabler Mehrkosten von 11
Prozent“ zu treffen.

Auch heute sollten die Handelsunternehmen kompromissorientierte
Lösungen mit Chemnitz anstreben.

Bei einem Büroleerstand von ca. 160.000 qm sollte eine Büro sprich
Arbeitsplatzinitiative Innenstadt durch die CWE gestartet und
geleistet werden.

Der Wall muss in Richtung Tietz fertig gestellt werden, damit ein
endlich ein abgeschlossener „Rundgang“ entsteht, welcher nicht zuletzt
die bereits ansässigen unmittelbaren Innenstadt-Händler und
Gewerbetreibenden stärkt.

2. Auch am Hartmannplatz reicht der Status Quo nicht!

Der Beitrag des Volksfestplatzes an der Hartmannstraße für die
überregionale Attraktivität der Chemnitzer City sollte gesteigert
werden.

Der Volksfestplatz umfasst eine innerstädtische Fläche von ca. 30.000
qm von der lediglich ca. 6.000 qm, also 20 Prozent an 52 Tagen im Jahr für
Frühlings-, Sommer- und Herbstfest und Zirkus genutzt werden.

Natürlich haben öffentliche Plätze – seit ihre Entwicklung vor 6000
Jahren in Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris begann – eine hohe
Symbolik für das Stadtbürgertum.
Mit den öffentlichen Plätzen entwickelte sich bürgerliches Denken,
gemeinschaftliches Denken. Ganz so auch bei uns in Chemnitz. Deshalb
ist die öffentliche Diskussion verständlich.

Allerdings ist es mit dem Status Quo auch nicht getan.

Die Nutzung dieses Areals sollte jetzt überdacht werden:

– Das denkmalgeschützte Gebäude von Richard Hartmann ist seit Jahren
ungenutzt. Weil die zeitgemäße Nutzung über die Erhaltung des Denkmals
entscheidet, sollte bis zum Hartmann-Jahr 2009 eine Nutzung, eventuell
auch zeitweilig, initiiert werden.

– Der Schaustellerverband sollte für eine größere überregionale
Ausstrahlung und Attraktivität der Volksfeste gewonnen werden.
– Open-Air Veranstaltungen könnten die Nutzung bereichern.

Jetzt sehe ich die Verwaltung – das Marktamt und das Planungsamt –
gefordert, weitergehende Nutzungen zu arrangieren.

Sehr geehrte Frau Ludwig,

bei der Verwirklichung dieser Aufgaben haben Sie mich und meine FDP
Fraktionskollegen mit herzhafter Vernünftigkeit an Ihrer Seite.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. oec. habil. Füsslein