Oper-Indendant Schirmer dirigiert Richard Strauss’ klanggewaltige Symphonieoper „Elektra“

Erste Premiere nach seiner Wahl zum Intendanten der Oper Leipzig – unter seinem Taktstock erklingen in dieser Spielzeit außerdem Richard Wagners „Parsifal“ und „Die Walküre“.

Einen lebendigen, vielfältigen Spielplan mit überwiegend Neuproduktionen, mit zeitgenössischen Werken und Ausgrabungen, wie auch den Ausbau eines „soliden, haltbaren“ Repertoires, bestehend aus rund 40 Produktionen, hat sich Ulf Schirmer für seine am 1. August 2011 beginnende Amtszeit als Intendant der Oper Leipzig auf die Fahnen geschrieben. Werke von Richard Strauss dürfen in einem solchen Repertoire nicht fehlen – für Schirmer, der sich mit Opern- und CD-Produktionen längst einen Namen als Strauss-Experte gemacht hat, sind sie Chefsache. Bereits in der laufenden Spielzeit leitet der GMD und designierte Intendant der Oper Leipzig die Premiere (16. April) und Folgevorstellungen der „Elektra“ in der Regie von Chefregisseur Peter Konwitschny.

Das Gewandhausorchester und das exzellente Sängerensemble versprechen Aufführungen der Spitzenklasse, wenn die in Städten wie Paris, Berlin, Wien und Tokio gefeierte Janice Baird als Elektra neben Grun-Brit Barkmin auf der Bühne steht, welche als ihre Schwester Chrysothemis an die Oper Leipzig zurückkehrt, wo sie in der letzten Saison als Elsa im „Lohengrin“ bewundert wurde. Ebenfalls hochkarätig be­setzt ist die Partie der Klytämnestra, für die mit Doris Soffel und Renée Morloc gleich zwei international bekannte Sängerinnen verpflichtet wurden. Die 1909 an der Dresdner Hofoper uraufgeführte einaktige Tragödie setzte nicht nur den Erfolg von „Salome” fort, sie begründete auch die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten Richard Strauss und dem Dichter Hugo von Hofmannsthal. „Elektra” erzählt die Familiengeschichte der fluchbeladenen Atriden weiter und passt damit im Spielplan der Oper Leipzig genau zwischen Glucks „Iphigenie in Aulis“ und „Iphigenie auf Tauris“.  

Peter Konwitschnys Regieansatz für „Elektra“ ist wie immer ein gesellschaftspolitischer, gleichzeitig aber auch ein tiefenpsychologischer, legt er doch besonderes Augenmerk auf die in der Oper selbst nicht thematisierte Vorgeschichte der Protagonistin: Als Kind wurde Elektra Zeugin der Ermordung ihres Vaters Agamemmnon, angezettelt von der eigenen Mutter Klytämnestra. Von dieser traumatischen Erfahrung wird sie sich nicht mehr erholen, ein normales Familienleben ist für sie nicht lebbar. Als einziges Lebensziel bleibt ihr die Rache an ihrer Mutter und all denjenigen, die mit ihr in Verbindung stehen. Für die explodierenden Aggres­sio­nen und Ängste der Figuren am Königshof von Mykene stellt Hans-Joachim Schliekers Bühnenraum dieser Produktion ein luxuriöses, aber beklemmendes Gefängnis dar.  

Erklärtes Ziel Ulf Schirmers ist es, Leipzig als Wagner-Stadt stärker zu profilieren – so steht die szenische Umsetzung des „Rings des Nibelungen“ in den Jahren 2013 bis 2016 auf der Agenda der Leipziger Oper. Bereits in den kommenden Monaten wird der künftige Intendant als Wagnerdirigent am Pult des Gewandhausorchesters sowohl im Orchestergraben als auch auf der Bühne der Leipziger Oper zu erleben sein: Am 22. April leitet GMD Schirmer die Wiederaufnahme des „Parsifal“ in der Regie von Roland Aeschlimann, eine Folgevorstellung unter seinem Taktstock gibt es am 30. April. Außerdem setzt Schirmer mit zwei Aufführungen der „Walküre“ am 19. und 25. Juni seinen 2009/2010 begonnen konzertanten „Ring“ fort.

Foto: Christian Kaufmann, Agentur Overtones