Opposition kritisiert Kita-Betreuungsschlüssel

Dresden - Sachsen möchte die Qualität der Kinderbetreuung deutlich verbessern. Dazu hatte das Kultusministerium unter anderem eine groß angelegte Befragung von Eltern und Pädagogen durchgeführt. Auf Antrag der Koalitionsfraktionen CDU und SPD haben die Abgeordneten im Sächsischen Landtag über die Qualität in den Kindertagesstätten diskutiert.

Kultusminister Christian Piwarz erwartet eine bessere finanzielle Unterstützung vom Bund. Laut dem Minister ist die Betreuungsquote bei Kindern unter drei Jahren im Freistaat sehr hoch. Laut der Bertelsmann Stiftung werden 75 Prozent der Kinder im dritten Lebensjahr in Kitas betreut. In anderen Bundesländern, wie Baden-Württemberg, liegen die Quoten bei rund 24 Prozent. Piwarz erhofft sich deshalb eine Reform bei der Verteilung der Bundesmittel. Statt wie bisher den Personalschlüssel als Maßstab zu verwenden, sollte die relative Anzahl an Betreuungsplätzen analysiert werden. Gleichzeitig machte der Minister auf die hohe Anzahl an Fachkräften aufmerksam, die in Sachsen arbeiten.

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Betreuungsschlüssel bleibt großer Kritikpunkt

Der Betreuungsschlüssel von 1:12 in Kitas und 1:5 in Krippen sorgte erneut für Diskussionen. Laut Opposition wird der gesetzlich festgelegte Betreuungsschlüssel nicht eingehalten. Urlaub und Weiterbildungsmaßnahmen werden nicht zur Berechnung des Personalbedarfs herangezogen. Desweiteren werden mögliche Krankheitsfälle nicht bedacht. Dadurch können viele Kitas die Auflagen nicht erfüllen. Hinzu kommt, dass viele Einrichtungen ihre Öffnungszeiten in der Vergangenheit ausgedehnt haben. Statt eine Betreuung für acht Stunden zu ermöglichen, sind viele Kitas zehn Stunden pro Tag geöffnet. Der Betreuungsschlüssel orientiert sich allerdings an acht-Stunden-Tagen der Erzieher.

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Vor- und Nachbereitungszeit nicht umsetzbar

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Die Ergebnisse der Kita-Umfrage im Mai 2018 waren eindeutig: Die Erzieher wünschen sich mehr Vor- und Nachbereitungszeit. Zwei Stunden sollen die Pädagogen dafür wöchentlich eingeräumt bekommen. Allerdings, so die Fraktion Die Linke, kommt die Vor- und Nachbereitungszeit nur bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden pro Woche zum Tragen. Im Freistaat sind die Erzieher jedoch im Durchschnitt mit 32 Wochenstunden in Teilzeit beschäftigt. Die Partei forderte, die Vor- und Nachbereitungszeit bereits ab zwei Wochenstunden zuzubilligen. Gleichzeitig soll der Betreuungsschlüssel auf 1:3 in Krippen und 1:7,5 in Kitas verringert werden. Auch im Hort sollen Anpassungen erfolgen. Hier soll nach Vorstellungen der Fraktion ein Erzieher auf 16 Kinder aufpassen.