Pegida: Erste wissenschaftliche Erkenntnisse

Politikwissenschaftler der Technischen Universität Dresden begleiten die Abendspaziergänge seit dem Weihnachtssingen am 22.12.2014. Erste Erkenntnisse zu den Teilnehmern haben die Wissenschaftler am Mittwoch veröffentlicht. Mehr Informationen bei DF-Online.+++

Pressemitteilung der Technischen Universität Dresden

EMPIRISCHE STUDIE: WER GEHT ZU PEGIDA UND WARUM?

Der „typische“ PEGIDA-Demonstrant entstammt der Mittelschicht, ist
gut ausgebildet, berufstätig, verfügt über ein für sächsische
Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Nettoeinkommen, ist 48
Jahre alt, männlich, gehört keiner Konfession an, weist keine
Parteiverbundenheit auf und stammt aus Dresden oder Sachsen.

Das sind die Kernaussagen der Studie eines Teams um den
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hans Vorländer von der TU Dresden, die
heute (14. Januar 2015) im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt
wurden. Das Team hat zum ersten Mal die Zusammensetzung der
PEGIDA-Demonstrationen in Dresden empirisch untersucht. Dabei wurden
rund 400 Teilnehmer nach soziodemographischen Merkmalen und ihrer
Motivation zur Teilnahme befragt. Die Befragungen wurden am 22.12.2014,
am 05.01.2015 und am 12.01.2015 durchgeführt. Dabei lehnten rund 65
Prozent der ursprünglich angesprochenen Teilnehmer eine Befragung ab.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert und stehen zum Teil bisherigen
öffentlichen Annahmen über Anliegen und sozialen Hintergrund von
PEGIDA-Anhängern entgegen.

Weitere wesentliche Fakten:

 · Der Protest wird keineswegs von Rentnern und Arbeitslosen getragen
– 70 Prozent der befragten Demonstrationsteilnehmer stehen im Beruf.

 · Die befragten Teilnehmer der Demonstrationen gegen die
„Islamisierung des Abendlandes“ sind nur zu knapp einem Viertel
durch „Islam, Islamismus oder Islamisierung“ motiviert.

 · Das Hauptmotiv für die Teilnahme an PEGIDA-Demonstrationen ist eine
generelle „Unzufriedenheit mit der Politik“. An zweiter Stelle wird
die Kritik an Medien und Öffentlichkeit genannt; an dritter Stelle
folgen grundlegende Ressentiments gegenüber Zuwanderern und
Asylbewerbern, dabei sind Vorbehalte gegen Muslime bzw. den Islam
besonders ausgeprägt.

 · In den Befragungen kommt die Wahrnehmung einer tiefen Kluft zum
Ausdruck: zwischen den Massenmedien, der veröffentlichten Meinung und
der etablierten Politik auf der einen Seite und den Problemen des
Bürgers und dem „Willen des Volkes“ auf der anderen Seite.

Daraus lässt sich schließen: Auch wenn sich PEGIDA dem Namen nach
gegen die Islamisierung des Abendlandes wendet, sind die Kundgebungen
für die Mehrheit der Teilnehmer in erster Linie eine Möglichkeit, tief
empfundene, bisher nicht öffentlich artikulierte Ressentiments
gegenüber politischer und meinungsbildender Elite zum Ausdruck zu
bringen. Diese Gegenüberstellung von „Die da oben“ und „Wir hier
unten“ in Kombination mit fremdenfeindlichen Einstellungen wird
traditionell zum rhetorischen Arsenal rechtspopulistischer Strömungen
gerechnet.

Ob sich PEGIDA dauerhaft als Bewegung wird etablieren können oder ob es
sich nur um eine temporäre Erscheinung handelt, ist eine noch offene
Frage, die auch von der vorliegenden Untersuchung nicht beantwortet
werden kann.

Quelle: Technische Universität Dresden

Im Video sehen Sie Interviews mit den Politikwissenschaftlern Prof. Hans Vorländer & Dr. Steven Schäller.