Platzprobleme in beliebten Lagen – welche innovativen Lösungen existieren?

Ständig ist die Problematik in den Nachrichten - und führt meist zu Unstimmigkeiten. Gerade in den Ballungszentren und Großstädten wie Dresden, Chemnitz und Zwickau gibt es zu wenig Wohnraum. Dabei zieht es immer mehr Menschen in die Städte, da hier die Arbeitsplätze und eine passende Infrastruktur warten. Während auf der einen Seite jedoch von zu wenig bezahlbarem Wohnraum gesprochen und die Errichtung von Neubauten gesprochen wird, bleibt ein anderes Problem in den Diskussionen gerne unberücksichtigt: Es gibt zu wenig Platz in den Städten. Denn um neuen Wohnraum schaffen zu können, muss zuerst ein Bauplatz gefunden werden - und diese sind in den Städten oft schon vergeben. Wie lässt sich das Problem also lösen? Gibt es innovative Lösungsansätze, die nicht nur den mangelnden Wohnraum, sondern auch den fehlenden Platz miteinbeziehen?

In einigen Innenstadtbereichen wie hier in Leipzig wird neuer Wohnraum zu einer echten Herausforderung. Doch kann der Hochbau wirklich eine Lösung sein? Quelle: fotolia.com; @Igor

Platzprobleme durch Hochbau beseitigen

Wenn nur eine begrenzte Grundfläche vorhanden ist, das Haus aber zahlreiche Wohnungen beinhalten soll, bleibt praktisch nur in die Höhe zu bauen. In gewisser Weise wurde dieser Weg in der DDR des Öfteren gewählt, denn die Plattenbausiedlungen entstanden aus einem Grund: Möglichst viele Menschen auf möglichst wenig Platz unterzubringen. Natürlich gab und gibt es in ganz Deutschland Hochbauten und in ihnen viel Wohnraum. Dieser Weg ist aber nicht ganz ohne Probleme:

  • Mikroklima - werden Hochhaussiedlungen errichtet, kann hier schnell ein eigenes Klima zwischen den Bewohnern entstehen. Ein Negativbeispiel ist sicher Köln-Chorweiler. Natürlich lässt sich dieses Problem durch die Vorauswahl der Bewohner umgehen, ganz ausschließen lässt es sich aber nie, gerade, wenn es sich um eine ganze Siedlung handelt.
  • Voraussetzungen - nicht jeder Grund eignet sich für den Hochhausbau. Es muss eine weitaus höhere Stabilität gegeben sein, damit das Haus sicher steht.
  • Räumlichkeit - auch für ein Hochhaus muss eine bestimmte Grundfläche vorhanden sein. Anderenfalls steht das Haus schlichtweg auf wackeligen Füßen.
  • Kostenfaktor - der Gedanke, durch das Bauen in die Höhe bezahlbaren Wohnraum schaffen zu können, schlägt fehl. Denn Hochhäuser sind wesentlich aufwendiger zu errichten, was sich wiederum auf die Miete niederschlägt - und die ist in den Lagen, in denen neuer Wohnraum benötigt wird, ohnehin schon utopisch.

Gerade in den Innenstädten, wo dringend Wohnraum benötigt wird, ist der Platzbedarf auch für Hochhäuser nicht unbedingt gegeben. Hier befinden sich viele Bestandsgebäude, die aus vielerlei Hinsicht nicht entfernt werden, da sie zum Stadtbild gehören. Zusätzlich spielen bei Hochhäusern auch andere Probleme eine wichtige Rolle: Der hohe Energiebedarf vieler Hochhäuser kann dabei zum Beispiel eine Hürde darstellen. Somit ist es wichtig, Hochbau in einem vernünftigen Maße und möglichst energieschonend zu betreiben.

Verschandelt der Hochbau das Stadtbild?

Die Skyline von Frankfurt ist bekannt und auch in Berlin gibt es immer mehr Hochhäuser. Trotzdem würde selbst in Frankfurt kein Hochhaus direkt neben dem alten Rathaus errichtet werden. Und in München? Hier gab es sogar einen Bürgerentscheid, mit dem beschlossen wurde, dass kein Haus höher als 100 Meter reichen darf. Die wenigen höheren Häuser liegen deutlich abseits der Altstadt, denn diese darf keinesfalls »verschandelt« werden. Und genau dieses Argument lässt sich in der Diskussion, ob Wohnraum durch Höhe geschaffen werden soll, nicht von der Hand weisen:

  • Historische Städte - Hamburg, München, Köln, Düsseldorf - viele Städte Deutschlands haben bis heute einen historischen Stadtkern. Die Gebäude stehen oft unter Denkmalschutz, können also nicht einfach beseitigt werden. Gleichzeitig dienen die Stadtkerne aber auch dem Touristenansturm.
  • Verändertes Stadtbild - würde direkt neben der Münchner Frauenkirche mit einem Mal ein Wolkenkratzer in die Luft ragen, wäre München nicht mehr dieselbe Stadt. Selbst Berlin hat kaum Hochhäuser und würde von ihnen massiv verändert werden.

Jetzt kann natürlich argumentiert werden, dass die Hochhäuser außerhalb des Stadtkerns und in Randgebieten entstehen. Hier verschandeln sie nicht das allgemeine Stadtbild, doch würden sie wieder die Naherholungsgebiete massiv verändern. Leider kann sich entlang von Hochhausblöcken in Randlagen auch das ungewollte Mikroklima leichter entwickeln, da sich die Bewohner eher an den Rand gedrängt fühlen - was durch die Wohnlage der Fall ist. Trotzdem muss es doch Lösungen geben?

Wohnraum

   

Plattenbau in Chemnitz. Nicht schön, aber groß. Quelle: fotolia.com; @ArTo

Wie lässt sich Hochbau ansprechend betreiben?

Dass der Hochbau nicht inmitten einer historischen Altstadt errichtet werden sollte, ist klar. Doch auch außerhalb sollte er ansprechend sein. Es genügt nicht, einen hohen Block aus dem Boden zu stampfen und hierin Wohnraum zu schaffen. Der Wohnraum muss ansprechend sein. Wirkt er attraktiv, fühlen sich die Bewohner wohl und achten auch wesentlich mehr auf ihr Umfeld, als in einem bloßen Betonblock. Und wie kann das funktionieren? Ein Überblick:

  • Attraktives Design - und hiermit ist ein Design gemeint, welches den Bürgern und nicht Architekten und Funktionären gefällt. Hochhäuser müssen sich in das Bild einfügen und auch für Normalsterbliche als schön empfunden werden.
  • Vertikale Gärten - mit dieser Lösung lässt sich gleich ein weiteres Problem mitlösen: die Luftverschmutzung. Hochhäuser mit vertikal an der Fassade verlaufenden Gärten wirken automatisch angenehmer und natürlicher. Das frische Grün schlägt längst nicht so negativ ins Auge, wie bloßer Stahl, Beton und Glas.
  • Diskrete Übersicht - ob es sich um ein einzelnes Haus oder um einen ganzen Hochhausblock handelt, es sollte eine Übersicht herrschen, die weiterhin Diskretion ermöglicht. Enge, dunkle und stickige Flure wirken auf Besucher und Bewohner ungemütlich und ziehen automatisch Probleme an. Dasselbe gilt für die Außenflächen.
  • Naherholung vor der Tür - innerhalb von Stadtgebieten ist stets wenig Platz und ein Garten ist einfach nicht realisierbar. Dennoch können Architekten in Hochhäusern Gärten einplanen, indem sie das Dach mitbenutzen. In Verbindung mit vertikalen Gärten entsteht hier ein eigenes Naherholungsgebiet.

Baulücken ausnutzen

In vielen Städten wird das Platzproblem angegangen, indem praktisch Tetris gespielt und jede Lücke genutzt wird. Manche Hausbesitzer werden gar kreativ und pressen ihr Haus schlichtweg in die kleinste Lücke. Wer das nicht glaubt, sollte einmal nach Kiel reisen. Hier steht auf einer wahnsinnigen Grundfläche von 80 Zentimetern Breite das schmalste Haus Deutschlands. Eine ganze Familie wohnt hier übrigens drin, und wenn Bilder aufgehangen werden, hängen sie einfach Nachbars Wänden. Nur, was in diesem Beispiel funktioniert und nett anzublicken ist, birgt in vielen weiteren Fällen Probleme:

  • Beengtheit - wird jede Lücke zugepflastert, wächst alles dichter zusammen. Das Stadtbild wird extrem kompakt.
  • Grünflächen - dort, wo heute noch Lücken zwischen Häusern sind, befinden sich meist kleinere Grünflächen mit natürlichem Baumbestand. Verschwinden immer mehr dieser Örtlichkeiten aus den Städten, verschlechtert sich die Atemluft immer mehr.
  • Sicherheit - im Mittelalter sind ganze Stadtblöcke abgebrannt, weil ein Haus ans andere gebaut war. Das Feuer konnte so schnell übergreifen, dass jede Hilfe zu spät kam. Heute haben wir freilich andere Brandschutzvorkehrungen und arbeiten mit anderen Materialien, doch greift das Problem wieder um sich. Gerade der direkte Schutz der Nebenhäuser verursacht Schäden, denn bevor das Feuer kommt, wird bereits mit Unmengen Litern an Wasser das Feuer verhindert.

Wenn also weder der Hochhausbau noch die Nutzung von Baulücken ein Patentrezept darstellt, wie lässt sich dann das Platz- und Wohnraumproblem lösen?

Weitere Konzepte - ein Blick über die Grenzen

Wenn wir von Platzproblemen sprechen, müssen die Bewohner Tokios mit den Augen rollen. Wie die Zukunft aussehen könnte, zeigt diese Stadt durchaus. Hier leben nicht nur Menschen in kleinsten Einzimmerwohnungen, findige Architekten schaffen es auch, auf extrem wenig Raum ganze Häuser entstehen zu lassen. Und das Auge guckt oftmals mit, denn durch ungewöhnliche Formen, Verzweigungen und viel Glas und Grünflächen strahlen die Bauten ein echtes Flair aus.

Wohnraum

Natürlich reizen große Städte wie hier Leipzig.  Quelle: fotolia.com; @Objective Eye

Fazit - es gibt viel zu lösen

Für die Bewältigung der Platzprobleme gibt es keine einzige Lösung. Einzig in die Höhe funktioniert nicht, denn damit verlören viele Städte ihr unvergleichliches Stadtbild. Die Nutzung jeder Baulücke würde, wenn nicht Gegenmaßnahmen ergriffen werden, die grünsten Städte zerstören. Es muss ein Zusammenspiel zwischen alten und neuen Konzepten, aber auch mit Stadtplanern und der Politik geben. Sollen die Städte nicht irgendwann Megametropolen gleichen, müssen die Randbezirke und ländlichen Umgebungen endlich vernünftig an die Städte angeschlossen werden.