„Pluck“ im tjg. theater junge generation Dresden

Dresden - Im tjg. theater junge generation startet das neue Stück "Pluck", nach einem niederländischen Kinderbuchklassiker. Dabei geht es um einen Jungen, der ganz allein ist und in das leerstehende Turmzimmer eines Hochhauses zieht. Sofort sucht er Kontakt zu seinen Nachbarn. Jede seiner neuen Bekanntschaften bittet ihn gleich um nachbarschaftliche Hilfe. So muss im dunklen Keller den zahmen Kakerlak Zaza vor der putzwütigen Frau Sauberer zu retten.

Jos van Kans Inszenierung zeigt den Mikrokosmos der Figuren um Pluck auf der geneigten Hochhausfassade als bewegungsreiche Tür-auf-Tür-zu-Komödie. Er lässt Herrn Feder die Erlebnisse Plucks als Erzähler begleiten und reflektieren. Dass Pluck wahre Freundschaften knüpft und auch die zu Beginn vereinzelten Hausbewohner*innen einander näherkommen, führt er beim gemeinsamen Weihnachtsfest mit Überraschungsgast zusammen. Die in den Niederlanden in den verschiedensten Genres bekannte Schriftstellerin und wichtigste Kinderbuchautorin Annie M. G. Schmidt (1911-1995) untersucht in ihren Werken mit humorvoll nonchalantem Blick die Moral- und Lebensvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft. Sie lässt ihre Protagonisten sanft, aber bestimmt und mit Witz gegen Kleingeist und Ungerechtigkeit rebellieren. In ihrem Kinderbuch „Pluck mit dem Kranwagen“ von 1971 trifft der eigentümlich alterslose Junge Pluck im Hochhaus auf Nachbarn*innen mit unterschiedlichsten Lebenskonzepten. Bei seiner unvoreingenommenen Suche nach Freund*innen wird Pluck mit großen, ihn überfordernden Aufgaben konfrontiert, die er mit Hilfsbereitschaft und Tatkraft meistert. Und so werden durch Plucks Verlässlichkeit aus diesen pragmatischen nachbarschaftlichen Beziehungen wirkliche Freundschaften.
Um in der Nachbarschaft andere Kinder kennenzulernen, ist eine Form von Kontaktaufnahme Spielen. In Wohnhäusern mit mehreren Familien sind Nachbar*innen für Kinder häufig die ersten Sozialkontakte außerhalb der Familie und die Freundschaften unter den Nachbarskindern durch die tägliche räumliche Nähe oft intensiver als mit Kindern aus Kindergarten oder Grundschule. Wie relevant „Spielen“ für alle Generationen ist, auch als sinnvolle Voraussetzung für verantwortungsvolles gesellschaftliches Handeln, beweist Annie M. G. Schmidt bei „Pluck“ mit der Auflösung existentieller Probleme in utopische Situationen. Während die Kinder und Tiere mit Rollenspielen der Erwachsenen kompetent und verantwortungsbewusst das „reale“ Leben mit kindlichen Lösungen „durchspielen“, werden die Erwachsenen durch die zauberhaften Hasselbeeren in miteinander spielende Kinder verwandelt. Dadurch können sie sich von starren Überzeugungen lösen und erhalten einen neuen Blick auf sich selbst und die Situation.
#tjgpluck