Polizei informiert zum Kunstraub im Grünen Gewölbe

Dresden - Es klingt wie der Plot des nächsten Dresden-Tatorts, ist aber bittere Realität. In den frühen Morgenstunden sind heute zwei unbekannte Täter in das Historische Grüne Gewölbe eingebrochen und haben Kunstschätze von unermesslichem Wert gestohlen. Die Fahndung läuft auf Hochtouren.

Bei den gestohlenen Schmuckstücken handelt es sich um drei sogenannte Juwelengarnituren. Diese stammen aus dem sächsischen Staatsschatz August des Starken. Betroffen sind bisher 37 Teile Brillantgarnitur, ähnlich viele Teile Diamantrautengarnitur, sowie ca. 20 Teile Diamantschmuck und Perlen der Königin. Noch ist unklar ob diese vollständig fehlen und ob auch Teile der sieben anderen Garnituren in der Vitrine entwendet worden sind. Zum Wert der gestohlenen Juwelen sagt die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann: "Der Materialwert an sich ist gar nicht so hoch zu bewerten wie der Wert, der in der Vollständigkeit des Ensembles liegt. Das ist der Staatsschatz des 18. Jahrhunderts." Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, nannte sie sogar "eine Art Weltkulturerbe", Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange bezeichnete sie als "gewissermaßen den sächsischen Kronjuwelen zugehörig". Naheliegend ist zumindest, dass die Täter die Tat genau geplant haben, worauf ihr gezieltes Vorgehen schließen lasse. Aufgrund der Bekanntheit der Stücke rechnen die Ermittler jedoch nicht damit, dass diese bald auf dem internationalen Markt auftauchen werden. 

Vitrine im Juwelensaal

So schildert die Polizei das Geschehen und die Ermittlungen:

"Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes alarmierten die Dresdner Polizei am frühen Morgen über den Einbruch. Diese leitete daraufhin umfangreiche Fahndungsmaßnahmen ein, an denen unter anderem 16 Funkstreifenwagen beteiligt waren. Gleichzeitig wurden die Bundespolizei sowie angrenzende Polizeidienststellen in die Maßnahmen mit einbezogen. Die Täter konnten bislang nicht ergriffen werden. Die Fahndung dauert an.

Nach einer Untersuchung der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen haben die Täter zunächst ein Fenstergitter des Gebäudes in Richtung Sophienstraße zerstört. Danach zerstörten sie das dahinterliegende Glaselement und drangen in die Räume ein. Im Anschluss zerstörten sie mit einer Axt eine Vitrine, die im sogenannten Juwelenzimmer stand. In der Folge stahlen sie aus dieser mehrere mit Edelsteinen besetzte Schmuckstücke. In Gänze dauerte die Tat nur wenige Minuten.

Hinweisen zufolge sind die Einbrecher mit einem Audi A6 vom Tatort geflüchtet. Ein baugleiches Fahrzeug wurde später in einer Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße in Brand gesetzt. Der Audi wurde von Kriminalisten untersucht und sichergestellt. Gleichzeitig gehen die Kriminalisten davon aus, dass der Brand eines Verteilerkastens in der Nähe der Augustusbrücke im Zusammenhang mit dem Einbruch steht. Durch das Feuer fiel in der Umgebung des Tatortes die Straßenbeleuchtung aus.

Vor dem Hintergrund der Geschehnisse hat die Polizeidirektion Dresden eine Sonderkommission ins Leben gerufen. In der Kommission, die den Namen „Epaulette“ trägt, arbeiten aktuell 20 Kriminalisten an der Klärung des Falls. Im Verlauf des Vormittages werteten Kriminalisten die Aufzeichnungen der Überwachungskameras des Historischen Grünen Gewölbes aus. Auf diesen ist einer der Einbrecher zu sehen. Die Kriminalpolizei geht jedoch davon aus, dass weitere Täter beteiligt waren. Nach bisherigen Erkenntnissen sind verschiedene Schmuckstücke, unter anderem auch eine Epaulette, gestohlen worden."

Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer (0351) 483 22 33 entgegen.