Pongoland im Leipziger Zoo feiert 15. Geburtstag

Der Leipziger Zoo läutet zum Osterwochenende die neue Saison ein. Pünktlich zum Saisonstart wurde eine neue Beobachtungsstation im Pongoland eingeweiht.

Die Menschenaffenanlage Pongoland feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. Ursprünglich war sie als Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Leipziger Zoo und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie eröffnet worden. Seitdem sind Wissenschaftler aus der ganzen Welt im Pongoland zu Gast und untersuchen das Verhalten der vier Menschenaffenarten. Zoodirektor Jörg Junhold blickt auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zurück.

Interview Prof.Dr.Jörg Junhold, Zoodirektor:
„Wir haben von Anfang an auf Kooperation gesetzt und wir haben auch den Kompromiss geschloss. Es gibt Bereiche die werden von unseren Besuchern nicht betreten, wie z.B. die zweite Ebene – die gehört den Forschern – das haben wir von Anfang an respektiert. Es gibt natürlich auch immer mal Einschränkungen im Besuchsverkehr, wenn die Forscher einzelne Gruppen dann zu ihren Studien und somit nicht in der Tierpräsentation für unsere Gäste haben. Das hat sich aber sehr sehr gut eingespielt und wir respektieren und achten uns gegenseitig. Und ich glaube wir profitieren auch gegenseitig voneinander.“

Hauptaugenmerk der Forschungen liegt auf den kognitiven Fähigkeiten der Menschenaffen. In den vergangenen 15 Jahren haben die Wissenschaftler zahlreiche neue Erkenntnisse erlangt und insgesamt rund 180 Publikationen veröffentlicht.

Interview Dr. Danile Hanus, Forschungskoordinator:
„Wir wissen mittlerweile, dass sie andere Affen täuschen können, dass sie sogar Menschen täuschen können, indem sie lieber das Versteck wählen, dass der Andere nicht sehen kann. Das ist eigentlich eine bemerkenswete Fähigkeit, weil es beinhaltet, dass ich verstehen muss das der Andere bestimmte Dinge sieht oder nicht sieht, auch wenn sie für mich gleichermaßen verfügbar sind. Man konnte also mit gezielten Experimenten nachweisen, dass sie die Perspektiven anderer einnehmen. Wir konnten auch zeigen, dass sie nicht nur im Hier und Jetzt leben, sondern sehr sehr komplexe Erinnerungen an ihre Vergangenheit haben und sogar wissen wann Objekte wo versteckt wurden. Sie können aber auch in die Zukunft planen. Sie können z.B. jetzt Werkzeuge nehmen, die sie jetzt noch gar nicht anwenden können, sondern vielleicht erst am morgigen Tag. Und das sind so Sachen wo wir wirklich sehr überascht waren.“

Pünktlich zum Jubiläum wurde auch eine neu entwickelte Lernstation mit integrierter Gesichtserkennungstechnologie vorgestellt. Diese soll es Besuchern künftig ermöglichen genauere Informationen zu den einzelnen Schimpansen zu erhalten. Zoodirektor Junhold möchte die Partnerschaft mit den Forschungseinrichtungen auch in Zukunft erfolgreich weiterführen.

Interview Prof.Dr.Jörg Junhold, Zoodirektor:
„Wenn Sie mich fragen, in den nächsten 30 oder zumindest 15 Jahren, dann möchte ich immernoch sagen können: ‚Wir sind eine führende Menschenaffenhaltung hier in Leipzig.‘ Wir haben dann vielleicht neue Erkenntnisse einfließen lassen, sind was Gruppenstrukturen und Anlagengestaltung angeht etwas flexibler geworden. Das wäre glaube ich ein Zukunftsvision an die wir auch erfolgreich glauben können.“

Das Pongoland im Leipziger Zoo war am 1.April 2001 feierlich eröffnet worden.